The Story about the German Settlers

Wie schon erwähnt, die Gegend um Adelaide und speziell das Barossa Valley ist durch deutsche Siedler entscheidend geprägt worden. Einige Orte tragen deutsch klingende Namen und enden z.B. auf „dorf“. Auch beim Fleischer kann man Kassler kaufen und wenn man mit den Australiern hier in Kontakt kommt stellt man fest, dass viele von ihnen typisch deutsche Nachnamen haben wie z.B. Nietschke, Pfeifer oder Schubert.

Auch in dem Barossa-Museum in Tanunda sowie in einem alten Haus aus dem Jahre 1846, welches ich heute ganz in der Nähe meiner Unterkunft besichtigt habe, sind die deutschen Wurzeln unschwer zu erkennen.

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Die Ursache für diese deutsche Verbindung liegt in der ersten Hälfte des 19. Jh. Viele der Aussiedler stammen aus Posen, Schlesien und Brandenburg. Es handelt sich dabei um Altlutheraner, die aufgrund ihres Glaubens ihre Heimat verlassen haben, um in Südaustralien ein neues Leben unter der zugesicherten Religionsfreiheit aufzubauen.

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Ich wusste bis vor einigen Monaten nicht, dass es bis zum Anfang des 19. Jh. zwei protestantische Glaubensrichtungen gab – den lutherischen Zweig sowie den calvinistischen Zweig (oft auch „reformierte“ genannt). Versuche, die beiden Zweige zu vereinen, scheiterten bis dato – insbesondere aufgrund unterschiedlicher theologischer Auffassungen bezüglich des Abendmahls. (Theologisch bewanderte Menschen werden dies sicherlich genauer erläutern können.)

Anfang 1800 verstärkte sich jedoch die Unionsbewegung und 1817 wurde in Preußen die Evangelische Kirche nun als Union beider protestantischer Glaubensrichtungen gegründet. Diese Vereinigung wurde insbesondere durch den damaligen preußischen König Friedrich Wilhelm III. forciert. Allerdings widersetzten sich einige Lutheraner gegen diese verordnete Union und wollten die neue Kirchenordnung nicht akzeptieren. Später wurden diese Anhänger dann als „Altlutheraner“ bezeichnet. Ab 1834 kam es zu verstärkten repressiven Maßnahmen durch den König und seine Gefolgschaft. Gottesdienste wurden vermehrt heimlich durchgeführt und Pastoren, die sich weigerten, die neuen Formen zu akzeptieren, wurden unter Hausarrest gestellt oder inhaftiert.

Ein Pastor namens August Kavel organisierte zusammen mit dem britischen Geschäftsmann G. F. Angas die Auswanderung. Angas engagierte sich damals beim Aufbau der britischen Kolonie South Australia und es beeindruckte ihn wohl, wie fest diese Menschen in ihrem Glauben standen. Er ging davon aus, dass diese Menschen aufgrund ihres festen Glaubens tüchtige Arbeiter und Bauern sind und dass sie ihm helfen werden, die neue Kolonie aufzubauen. Er finanzierte letztendich die gesamte Unternehmung und charterte für die Auswanderer die Schiffe.

Von Ostpreußen ging es mit Lastkähnen über die Oder, Oder-Spree-Kanal, Spree, Havel und Elbe bis nach Hamburg.

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Von dort legten insgesamt fünf Schiffe mit dem Ziel Adelaide (Süd-Australien) ab:

Prince George“ und „Bengalee“ mit 220 Auswanderern (08.07.1838 bis 19.11.1838)

Zebra“ mit 189 Auswanderern (12.08.1838 bis 28.12.1838)

Catharina“ mit 125 Auswanderern (21.09.1838 bis 22.01.1839)

Skjold“ mit 213 Auswanderern (03.07.1841 bis 28.10.1841)

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Die Unterbringung auf dieses Schiffen wird sehr spartanisch gewesen sein. Ich finde es auch schwierig, mir vorzustellen, mehrere Monate auf einem engen Schiff mit vielen anderen Menschen unterwegs zu sein und einem völlig unbekannten Ziel entgegenzusteuern, von dem man zur damaligen Zeit allenfalls nur gehört hat. Auch mussten die Familien auf den Schiffen große Schicksalsschläge verkraften. Einige Kinder haben das Ziel nie erreicht.

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Dies macht deutlich, dass in der alten Heimat die Bedingungen ziemlich schlecht gewesen sein müssen. Was muss wohl einen dazu veranlassen, solch eine Reise mit ungewissem Ziel auf sich zu nehmen und das alte Leben hinter sich zu lassen? Ein Wiedersehen mit den Daheimgebliebenen wird es zu der damaligen Zeit nicht gegeben haben.

Ich persönlich finde die geschichtlichen Hintergründe sehr interessant. Zusammen mit Lena habe ich in den letzten Monaten einiges über diese Dinge gelesen und konnte mich sehr intensiv mit ihr darüber austauschen. Nicht zuletzt motiviert uns natürlich die Tatsache, dass unsere Vorfahren unter diesen Umständen gelebt haben und dass es dadurch, wie ihr vermuten werdet, genau diese verwandtschaftliche Verbindung sowie den gleichen Familiennamen in Australien gibt. Alle Details dazu werde ich in einem der nächsten Einträge beschreiben.

2 Kommentare zu „The Story about the German Settlers“

  1. Hallo Sten,
    das ist super interessant, was Du so zu berichten hast und macht neugierig auf mehr.
    Toll daß es heute solche Möglichkeiten gibt!
    Gespannt auf weitere Beiträge grüßen Dich ganz herzlich
    Heinz & Uschi

  2. Interessant. Ich dachte immer, die Auswanderung erfolgte über Bremerhaven. Aber vielleicht war das die Auswanderung in die USA. Empfehlenswert ist auf jeden Fall das dortige Auswanderungsmuseum, deren „Gegenstück“ in New York ähnlich ist. Auf jeden Fall: viel Zeit mitbringen. Es gibt viel zu lesen, zu sehen und auszuprobieren. Sehr anschaulich. Man kann nach Familienenangehörigen forschen.
    Ich dachte, dass die Calvinisten in der Schweiz angesiedelt waren. Dass es auch in Brandenburg welche gab, war mir neu. Jedenfalls haben die Calvinisten stark missioniert. Scheinbar auch in Australien.
    Diesen Museen wohnt doch ein Zauber inne, oder?
    Ich finde es toll, dass Du uns an Deinen Erlebnissen teilnehmen lässt. Danke, Sten.

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