Winemaker Lesson #7 – Filling Barrels

Hier folgt die bisher vielleicht schwierigste Aufgabe – das Abfüllen der Fässer.

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Auf dem Kalleske-Weingut gibt es insgesamt drei verschiedene Arten von Fässern. Alle bestehen aus Eichenholz und haben ein Fassungsvermögen von 300 Litern, allerdings stammt das Holz aus unterschiedlichen Ländern.

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A steht für American, F für French und H für Hungarian. Die Zahl dahinter kennzeichnet das Jahr, in dem das Fass hergestellt wurde. Die Nutzungsdauer beträgt in etwa 10 Jahre. Ein Fass kostet zwischen 800 und 2.000 Australische Dollar (das ist kein Scherz). Der Wein wird für 6 bis 24 Monate eingelagert.

Bevor es losgeht steht wieder einmal die wichtigste Aufgabe an. Cleaning … – na Ihr kennt das ja bereits!

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Die Fässer werden nach unten gedreht und von unten mehrmals mit einem kleinen Stab und dem daran befestigten Wasserschlauch ausgespült. Sollten die alten Fässer zuvor leer eingelagert worden sein, so befindet sich darin noch eine Restflüssigkeit, die mit Zitronensäure versetzt wurde. Das Ganze muss kräftig ausgespült werden.

Anschließend werden die Fässer wieder nach oben gedreht und auf dem Gestell ordentlich, standfest und symmetrisch ausgerichtet. Im leeren Zustand ist dies nämlich noch möglich. 😉

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Als nächstes wird der Tank vorbereitet. In diesem befindet sich der Wein seit der Pressung, das ist ca. einer Woche her. Die Zwischenlagerung im Tank ist notwendig, damit die Sedimente nach unten gelangen und der darüber sich befindende reine Wein abgepumpt werden kann. Ich bin mir nicht sicher, ob die Bezeichnung Sedimente hier richtig gewählt ist. Es handelt sich dabei um einen dickflüssigen Brei, den man eigentlich nicht so gern in seinem Weinglas haben möchte. Der Hahn zum Abpumpen befindet sich daher auch etwa 40 cm über dem Tankboden, wie man auf dem folgenden Bild sehen kann.

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Da beim Abpumpen im Tank ein Unterdruck entstehen würde ist es ratsam, vorher den Tankdeckel ein wenig zu öffnen.

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Die Pumpe wird eingeschaltet und mit einem langen Rohr wird ein Fass nach dem anderen gefüllt. An dem Stab befindet sich ein Hahn, um die Füllung entsprechend steuern zu können. Die Pumpe sollte allerdings nicht allzu lange im geschlossenen Zustand laufen. Daher werden alle Fässer zügig nacheinander befüllt.

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Die größte Herausforderung ist es, mitzubekommen wann das Fass voll ist. Ein Überlaufen sollte aufgrund der Sauerei vermieden werden und schließlich möchte man keinen kostenbaren Wein verschwenden. Als Indiz hilft dazu eine Stoppuhr, die auf 1 Minute und 25 Sekunden eingestellt wird. Während dieser 1:25 Minuten hat man Zeit, andere Dinge zu tun. Sobald der Timer piept sollte man die Füllung genau im Auge behalten. Eine Taschenlampe ist nützlich, um den Füllstand im Fass einigermaßen sehen zu können. Das Einfüllen der letzten Tropfen erfordert dann die volle Konzentration.

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Der Wein schäumt ein wenig und auch im Rohr befindet sich noch eine Restmenge, die im Fass und nicht auf dem Fass landen sollte.

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Um die Fässer später noch auffüllen zu können wird etwas Wein in eine Kanne gefüllt, danach geht es sofort weiter mit dem nächsten Fass.

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Die 1:25 Minuten werden genutzt, um die bereits abgefüllten Fässer aufzufüllen, denn der Wein sackt ein wenig im Fass ab und der Schaum verschwindet allmählich. Auch hier sollte möglichst kein Wein verschwendet werden. Das Fass wird bis zum letzten Zentimeter gefüllt.

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Eine möglichst perfekte Füllung sollte hinterher so aussehen.

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Das Dumme an dieser Aufgabe ist, es ist unmöglich seine Fehler zu verstecken. Sämtliche rote Flecken auf den Fässern, insbesondere die großen, werden von allen vorbeilaufenden Leuten mit einem Raunen kommentiert. Das ist ziemlich gemein, aber ich glaube durch diese Phase musste bisher jeder Morris durch.

Der Tank meldet sich alleine sobald er leer ist, denn man spürt die Luft im Schlauch, die nun mehr und mehr im Tank angesaugt wird. Der Tank kann nun seitlich geöffnet werden. Gegebenenfalls ist die untere Sedimentschicht nicht ganz so dick und es können noch ein paar weitere Liter gewonnen werden.

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Nach dem fertigen Abfüllen bekommen die Fässer Stopfen. Diese haben eine intelligente Gummiklappe, damit noch etwas Luft entweichen kann. Denn auch im Fass kann der Gärungsprozess noch in ganz geringen Teilen stattfinden.

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Der Stopfen wird in die Öffnung gedreht und nicht geschlagen, denn auch hier soll eine Sauerei vermieden werden.

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Interessanterweise treten im Nachhinein doch noch einige Tropfen Wein aus dem durchlässigen Stopfen aus, die sich über das Fass ergießen. Warum habe ich mir beim Abfüllen solch eine Mühe gegeben, die Sauerei und das Überlaufen zu vermeiden, wenn der Wein danach doch noch austritt und die Fässer eine ziemlich rot gescheckte Farbe annehmen? Vermutlich war das wieder so eine Aktion des Australian Kidding.

Eine genüssliche Seite hat dieses Abfüllen aber auf jeden Fall. Könnt Ihr Euch vorstellen was das für eine Wonne ist, die Luft aus den Fässern einzuatmen? Während der Füllung wird die in Wein getränkte Luft nach außen gedrückt. Insbesondere in Verbindung mit dem frischen Eichenholz der ganz neuen Fässer ist dies ein herrlicher Genuss, der einen benebeln könnte.

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Man muss jetzt nur aufpassen, dass man vor lauter Genuss nicht den Zeitpunkt verpasst, den Hahn zu schließen. Ansonsten hat man nämlich nicht nur den Duft des Weines in seiner Nase.

Diese Aufgabe erfordert doch ziemlich viel Konzentration und Geschick, und ich bin froh, meine ersten beiden Tage des Filling Barrels erfolgreich gemeistert zu haben.

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10 Kommentare zu „Winemaker Lesson #7 – Filling Barrels“

  1. Wer macht eigentlich die Fotos, auf denen Du zu sehen bist? Benutzt Du ein Stativ oder hast Du einen Fotographen? Ansonsten alles interessant. Hattest Du eigentlich Kontakt aufgenommen mit unserer anderen Verwandschaft ?

  2. Die meisten Fotos macht Darren, manche sind auch Selfis.
    Kontakt mit der anderen Seite (in Adelaide) hatte ich bisher noch nicht.

  3. Lieber Sten, Du schreibst Deinen Blog so anschaulich, ausführlich und unterhaltsam, dass ich keinen Eintrag verpassen möchte. Nach Deinen Schilderungen habe ich das Gefühl, ich könnte mich jetzt als Weinbauer selbstständig machen 😂!
    Vielen Dank und mach weiter so!

  4. Fragen über Fragen, deine Berichte wecken die Neugier immer wieder neu 🤓👍
    Schmeckt der Wein je nach Herkunft des Fasses deutlich verschieden?
    Sind die Holzstärken jeweils gleich?
    Bei einem Foto scheint Wein aus dem Boden/ Deckel frisch ausgetreten zu sein, dichtet sich das quasi automatisch?
    Was geschieht mit dem Rest aus dem Tank?
    Ist Australian Kidding ein fester Begriff?

    Hier in Berlin ist übrigens Aprilwetter im März, kann es sein das du in der Zeit down under noch keinen Regentag hattest?

    1. Ob der Wein je nach Herkunft des Holzes anders schmeckt ist schwierig zu sagen. Das will ich Troy auch nochmal fragen. In den Weinbeschreibungen der Homepage werden ja oft alle drei Fasssorten aufgezählt, das heißt, der Konsument weiß zum Schluss gar nicht mehr, aus welchem Fass sein Wein nun eigentlich stammt. Ich hoffe das krieg ich noch raus.

      Ich vermute, dass die Holzstärken alle gleich sind. Beim Drehen der Fässer habe ich keinen Gewichtsunterschied festgestellt.

      Generell hilft Flüssigkeit, ein Fass von innen dicht zu halten. Daher wird bei längerer (leerer) Einlagerung des Fasses etwas Wasser mit Zitronensäure hineingetan. Ansonsten ist der Gummi-Stopfen ziemlich dicht. Allerdings ist die Kappe so konstruiert, dass Wein oder Luft (wegen der Restgärung) nur austreten kann. Wenn Wein am Deckel/Boden zu sehen sein sollte dann ist dies mit Sicherheit auf den Lernprozess von Morris zurückzuführen.

      Der Rest im Tank, und das ist lustig, wird in einem anderen Tank gepumpt, in dem sich Wein befindet. Generell wird hier ganz viel von einem Tank in den anderen gepumpt. Für Darren und mich ist das ein wenig wie Hütchenspiel. Warum wir das tun, um welchen Wein es sich gerade handelt und was damit bezweckt werden soll wissen wir oft gar nicht. Den einzigen Überblick hat Troy, und er wird/muss wissen, was er vorhat. Manchmal habe ich auch versucht, dies mit Hilfe der Aufzeichnungen zurück zu verfolgen, aber das ist aufwendig. Oder ich frage einfach Troy. Ansonsten finden Darren und ich im Aufgabenbuch ganz einfach nur einen Task, der z.B. lautet: T15 -> T24

      Den Begriff „Australien Kidding“ habe ich kreiert, ich sage nur „Drop Bear“! Wahrscheinlich werde ich dazu aber noch einen separaten Eintrag schreiben.

      Einen richtigen Regentag hatte ich bisher hier unten noch nicht, aber es war zwei Tage mal bewölkt und es hat ein wenig getröpfelt. Aktuell ist aber wieder Sonne satt und mindestens 32 Grad.

  5. Bei einer durchschnittlichen Lagerzeit von 15 Monaten (6-24) pro Fassfüllung und bei 10 Jahren Lebenszeit pro Fass macht das 8 Füllungen a 300 Liter also 2.400 Liter. Nimmt man nun einen Durchschnittspreis von 1.400 Australischen Dollar (800-2.000) pro Fass an, dann sind im Preis eines Liters Wein Fasskosten von 0,6 Dollar oder 40 Eurocent😆 enthalten. Das geht doch noch 😊.

    1. Mir scheint, da kalkuliert jemand schon mal einen Businessplan, für den Fall das Sten am liebsten dort bleiben möchte und seinen eigenen Vineyard anlegt 🍷! Nächste Stufe wäre ein Crowdfunding 😀

  6. Ich denke das du der geborene Vincer bist aber wie lang ist dein Arbeitstag und hast du einen Bonus auf Grund der Familien Zugehörigkeit laut Stammbaum. Gibt es eigentlich andere „Gastarbeiter“ und gibt es dann so eine Art Unterkunft wo alle sind. Ich denke da so an Work and Travel.

    1. Danke! 😊
      Mein Arbeitstag ist üblicherweise zwischen 8 und 17 Uhr. Manchmal fange ich auch schon um 7:00 oder 7:30 Ihr an. Am Freitag ist etwas früher Schluss. Am Wochenende finden keine Arbeiten statt.
      Wenn es einen Familienbonus geben würde, dann müssten den eigentlich alle bekommen 😄, denn hier arbeiten ausschließlich Familienmitglieder. Auch Darren (kein Kalleske) ist ein Cousin von Troy. Du siehst, es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Familien-Betrieb.
      Ich bin hier das einige „Helferlein“. Jedes Jahr unterstützt hier ein „Gastarbeiter“ – seit 2011. Daher trage ich den Namen „Morris the 9th“! 😊
      Auf dem Weingut arbeiten selten mehr als 4 Personen gleichzeitig. Einige der Familien haben ihr Haus direkt auf dem Weingut zwischen den Feldern. Andere (wie z.B. Troy) wohnen nicht weit entfernt mit ihren Familien. Nur meine Unterkunft befindet sich etwas weiter weg (15 min) in Nuri.
      Mit „Work and Travel“ hat dies hier nix zu tun. Kaum zu glauben, aber für dieses Programm bin ich leider schon zu alt. Ich bin hier als „Volunteer“.

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