Wineries in Barossa Valley

Da ich wochenends frei habe konnte ich diesmal die Zeit nutzen, um mich ein wenig im Barossa Valley umzuschauen. Heute standen andere Weingüter im Fokus. Unter anderem wollte ich der Frage nachgehen, wie denn die anderen Winemaker so aufgestellt sind und ihren Wein herstellen.

Die erste Station war heute das Château Tanunda.

img_2789

Auch wenn es so aussieht handelt es sich dabei nicht um ein Schloss, sondern um das wichtigste und größte Weingut des Barossa Valley zum Ende des 19. Jahrhunderts.

img_2805

Jeden Tag wird hier um 11:00 Uhr eine Führung angeboten. Da außer mir am heutigen Sonntag niemand weiter anwesend war bekam ich eine Privatführung. Cool oder?

Das Gebäude wurde 1890 errichtet, zu einer Zeit, als die Nachfrage nach australischem Wein enorm anstieg. Der Grund dafür war eine Reblausplage in Frankreich. Der Wein musste aus anderen Kontinenten importiert werden. Ein Geschäftsmann mit dem Namen John Basedow hat die Zeichen rechtzeitig erkannt und mit dem Bau dieses Gebäudes kleinere unorganisierte Weingüter zusammengeschlossen, um effektiv im großen Stil Wein und Brandy produzieren zu können. Zum Zeitpunkt der Errichtung war es wohl angeblich das größte Gebäude der südlichen Hemisphäre. Pro Tag konnten 100 Tonnen Trauben verarbeitet werden. Dies sollte der Grundstein für den erfolgreichen kommerziellen Weinanbau des Barossa Valleys sein. Und mit dem Namen Château Tanunda ließ sich der Wein auch in Frankreich sehr gut verkaufen.

img_2812

Die Marke Château Tanunda ist bis heute erhalten geblieben. Der Brandy wird allerdings in New South Wales hergestellt. Die Weinproduktion ist, wenn auch nicht mehr in den damaligen Mengen, am Standort geblieben. Bemerkenswert ist übrigens die Herkunft des Baumaterials. Die gusseisernen Stahlträger und -stützen in den Hallen stammten aus einer Stahlproduktion in Glasgow, denn eine vergleichbar stahlverarbeitende Infrastruktur gab es damals in Australien noch nicht.

img_2800

Die einstigen Lagerflächen werden heute für den Cellar Door genutzt oder können für Events (z.B. für Hochzeiten) gemietet werden.

img_2794

Cellar Door (zu deutsch (Wein)Kellertür) ist hier übrigens die typische Bezeichnung für einen zum Weingut zugehörigen Weinshop, in denen der Wein verkostet, vor Ort bei nettem Ambiente serviert und selbstverständlich auch für den Heimverzehr verkauft werden kann. Bei allen Reisenden, die hier im Barossa Valley auf Weintouren unterwegs sind, wird die Entdeckung der zahlreichen Schilder am Straßenrand mit der Bezeichnung „Cellar Door“ vermutlich jede Menge Endorphine freisetzen.

Was die Einrichtung der Weinverarbeitung im Château angeht habe ich einiges wiedererkannt. Anzunehmenderweise gibt es auch hier Fermenter, Tanks und Presse zu sehen.

img_2817

img_2815

Ich bedankte mich für die private Tour, gab mein leeres Glas Grand Barossa Dry Rosé zurück, welches mich während des Rundgangs feuchtfröhlich sowie complimentary begleitet hat, und fuhr zur nächsten Station.

Weingut Nr. 2 trägt den Namen Rockford Wines. Allerdings war dies für mich nur ein kurzer Stopp, denn im Gegensatz zum Château parkten hier vor dem Schild „Cellar Door“ sehr viele Kleinbusse, dessen Insassen vermutlich aufgrund einer Endorphin-Überdosis das Bremspedal zu tätigen ersuchten. In den Cellar Door kam ich nämlich aufgrund vieler Menschen gar nicht mehr rein. Dafür entdeckte ich die nostalgischen Anlagen drum herum, die mir einen Einblick in die Weinverarbeitung gaben, als die Fermenter und Tanks noch nicht aus Edelstahl hergestellt wurden.

img_2828

Die Art und Weise der Verarbeitung ist jedoch genau die gleiche.

img_2826

Zum Abschluss des heutigen Tages besuchte ich einen dritten Cellar Door, welcher erst vor wenigen Monaten eröffnet hat und dessen Weingut ebenfalls von einem Kalleske betrieben wird. Sein Name ist Andy und natürlich ist auch er mit uns verwandt. Es ist Troys Cousin 4. Grades, deren gemeinsamer Vorfahre hieß Edward. Er ist somit in derselben Generation wie Troy und ich.

Sein Weingut, der Cellar Door sowie seine Weine tragen den coolen Namen Atze’s Corner.

atzes corner logo

Da ich noch kurz auf Andy warten musste genoss ich den wunderbaren Ausblick auf seine Weinfelder von der Terrasse des zugehörigen Cellar Doors mit einem Wild Rose Grenache Rosé.

img_2840

img_2844

Andy habe ich heute zum ersten Mal persönlich kennengelernt. Ähnlich wir bei Troy hatten meine Schwester und ich bisher mit ihm nur Kontakt per E-Mail, um uns bezüglich unserer Ahnenforschung auszutauschen. Ich hatte mit ihm heute eine äußerst angenehme Unterhaltung und er gab mir auch gleich einen Einblick in die Einrichtung seiner Weinverarbeitung. Das war nun meine zweite Privatführung des heutigen Tages.

img_2842

 

Und auch hier erzeugt der Anblick viele Assoziationen zu bereits bekannten Einrichtungen aus dem Kalleske-Weingut von Troy und Tony.

img_2858

img_2863

Allerdings ist bei Andys Einrichtung der Automatisierungsgrad größer. Beispielsweise gibt es hier bei einigen Fermentern einen automatischen Pump-Over, der zentral IT-technisch unterstützt gestartet und beendet wird. Soweit ich es verstanden habe, wird dies insbesondere bei Weinen angewandt, die in großen Mengen produziert werden. Hinsichtlich der Qualität des Pump-Over-Ergebnisses wird mir möglicherweise Troy noch etwas mehr erläutern können.

Ich bin so froh über diese Möglichkeit des heutigen Einblicks und ich glaube auch Andy war sichtlich stolz, seine Winery persönlich zeigen zu können.

img_2856
Andy Kalleske

5 Kommentare zu „Wineries in Barossa Valley“

  1. Wow, was du so alles erlebst. Sind die anderen Weingüter eigentlich als direkte Konkurrenz zu sehen?

    Der Andy ist ja ein äußerst attraktiver Verwandter. Aber was will man bei den Genen auch anderes erwarten! 😋

    Wie viel Freizeit hast du eigentlich? Arbeitest du jeden Tag?

    Wer hätte gedacht das du zu dem Weinexperten überhaupt wirst.

    Ich freue mich auf weitere spannende Geschichten.

    1. Natürlich kann man erstmal davon ausgehen, dass die Weingüter hier in Konkurrenz stehen, insbesondere was die Werbung für ihre Cellar Doors angeht. Dennoch habe ich bisher nicht das Gefühl, dass man sich hier als Wettbewerber sieht. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass alle ihren Teil dazu beitragen, das Barossa Valley zu „beackern“. Man tauscht sich sehr viel untereinander aus und hilft sich gegenseitig. Auch stehen viele in Partnerschaften miteinander. Zum Beispiel verarbeitet Troy Trauben von Andy. Andere schicken ihren Wein zum nächsten Weingut, um dort ein „Blending“ durchzuführen. Man erkennt also schnell, dass hier jeder mit jedem irgendwie verwoben ist – und man kennt sich sehr gut untereinander.

      Mein Arbeitstag ist üblicherweise zwischen 8 und 17 Uhr. Manchmal fange ich auch schon um 7:00 oder 7:30 Ihr an. Am Freitag ist etwas früher Schluss. Am Wochenende finden keine Arbeiten statt. In der Woche ist zur Zeit jeden Tag genug zu tun.

      Danke für das Gen-Kompliment! Vielleicht sind ja unter den Lesern noch weitere Gen-Inhaber, die sich angesprochen fühlen. 😉

  2. Überall Kalleskes in Barossa Valley … ich kann mir richtig gut vorstellen, wie stolz und glücklich du über die Privatführungen warst! :-p

    Der Andy sieht auch sympathisch aus, so wie der Rest deiner Familie, den du uns bisher präsentiert hast. Cool, dass er sich die Zeit genommen hat, dich bei sich herum zu führen. Da hadt du mal ein bisschen was zur Automatisierung der Weinproduktion erfahren … nun aber wieder ran an die Arbeit, Morris! 😉

  3. Jetzt ist der Wein endlich in den Fässern. Hast Du schon mal über einen Trichter zum Befüllen nachgedacht? Da kannst Du sehen, wenn nichts mehr nachläuft. Dann ist das Fass voll, oder der Schaum sackt noch. Naja, ich will Dich aber auch nicht um das Riechen bringen. — Im Gegensatz zu den anderen Weingütern ist bei Deiner Befüllung sehr wenig rausgeschwappt. Oder ist die Mitte der Fässer auf den anderen Weingütern vorsorglich rot gefärbt? Ich staune, wie „geizig“ die Produzenten mit dem Wein sind.
    Nun liegen die frisch befüllten Fässer draußen. Sie kommen doch noch in einen dunklen, gleichmäßig temperierten Keller?
    Auf die Stahltürme schaue ich schon mit ganz anderen Augen. Dein Weinseminar trägt Wissen in die Welt. Vielen Dank.
    Liege ich richtig in der Annahme, dass in ca. 2 Wochen alle Säfte in den Fässern sind? Was machen dann die Weinbauern? Naja, ich werde es hoffentlich erfahren. Geduld war noch nie meine Stärke.

    1. Die gefüllten Fässer werden eingelagert. Vielleicht ist das auf manchen Fotos zu erkennen, das Lager befindet sich direkt neben den Tanks und den Fermentern, einen (Wein)Keller gibt es hier nicht.

      Zwei Wochen – das kommt ungefähr hin. Nach der Ernte befinden sich die Beeren ca. 8-10 Tage lang im Fermenter, danach wird der Wein ca. 1 Woche im Tank gelagert.

      Zu arbeiten gibt es noch genug, bis letzte Woche wurde erstmal der Shiraz komplett geerntet. Aber da sind ja noch ein paar andere Weinsorten, die jetzt kurz vor der Ernte stehen.

Kommentar und/oder Frage schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s