Parallaxe

Kaum zu glauben, aber ein Großteil der Felder der Kalleske-Farm ist mittlerweile geerntet. Der Shiraz ist komplett durch und befindet sich in den Tanks und zum Teil (wie berichtet) auch schon in den Fässern.

Folgende Felder hat der Harvester bisher noch ausgelassen:

Kalleske_Farm_Map_left_fields

1905 – Grenache „Old Vine“
1940 – Grenache „Pig“
1972 – Grenache „Bob“
2013 – Grenache „Home North“
1994 – Durif
2007 – Zinfandel
2005 – Petit Verdot

Die nächsten Wochen werde ich also vermehrt mit dem Grenache zu tun haben. Sicherlich zählt der Shiraz zu den mit Abstand wichtigsten Weinen hier im Barossa Valley. Aber auch der Grenache hat eine große Bedeutung für diese Region in Südaustralien. Im Gegensatz zum Shiraz sind die Trauben des Grenache wesentlich größer. Es ist wirklich erstaunlich, welche Mengen hier zurzeit (noch) an den Weinstöcken hängen.

img_2679

Allerdings sind ein paar wenige dieser Grenache-Trauben schon geerntet worden. Der Hintergrund ist ein spezieller Kalleske-Wein, den ich hiermit vorstellen möchte – den Kalleske Parallax Grenache.

2018_Kalleske_Parallax_Grenache

Der Kalleske Parallax gehört nicht zu den klassischen Weinen. Seine Besonderheit besteht darin, dass seine Grenache-Trauben schon zwei bis drei Wochen früher (Anfang/Mitte März) geerntet werden, was für den Grenache eher untypisch ist. Der Grenache zählt zu den eher leichteren Weinen mit einer fruchtigen Note. Durch die Zugabe seiner Stängel während des Gärprozesses und aufgrund der frühen Ernte, wenn der Zuckergehalt noch nicht seinen Höchststand erreicht hat, bekommt dieser eigentlich recht leichte Weine eine raue Note von Trockenheit. Seine Transparenz und Helligkeit hat er dennoch behalten. Im Vergleich zum dunklen Shiraz schimmert der Kalleske Parallax Grenache rubinrot im Weinglas.

img_2437
Zugabe der Stängel während des Gärprozesses

Der Begriff Parallax kommt aus der Wahrnehmungspsychologie. Wenn verschiedene Objekte unterschiedlich voneinander entfernt in einer Landschaft verteilt sind und sich der Beobachter parallel zu diesen Objekten seitlich fortbewegt, dann entsteht dadurch für den Beobachter der Eindruck, diese Objekte würden untereinander ihre Entfernung ändern. Einfach gesprochen: Es ist immer gut, mal einen anderen Standpunkt oder Blickwinkel einzunehmen. 😉

Da der Grenache durch die abweichende Verarbeitung ganz anders im Geschmack wahrgenommen wird wurde diese Assoziation und der Begriff Parallax gewählt.

Ein Gedanke zu „Parallaxe“

  1. Ich habe mich schon immer gefragt, ob die Stiele und einige Blätter vor der Gärung entfernt werden oder nicht. Wahrscheinlich ist es mal so mal so. Ich erinnere mich, dass die Stiele abgezogen wurden, als die Gesamttrauben über eine Metallspirale gedreht wurden, wobei das Grüne hängen blieb und ausgeschieden wurde.
    Lieber Sten, ich verfolge nicht nur Dein Weinseminar. Auf arte läuft eine Serie über den Wein und seine Verarbeitung in Südfrankreich. Joachim Król läßt sich von einem Kneipier und Weinspezialistren über verschiedene Weingüter führen, wo er alles über verschiedene Verarbeitungsweisen erfährt. Gemerkt habe ich mir z.B. den Satz: „Wo es Weinberge gibt, gibt es Kultur und Freude.“ Das soll so ein Sprichwort der Branche sein. Ansonsten wird aber viel mehr zelebriert als in Australien, scheint mir. Die Fanzosen eben… Heute wurde erklärt, warum die Weinbauern gestorbene Stöcke immer sofort nachpflanzen, und warum es nicht schlimm ist, wenn ein Weinstock vielevieleviele Jahre alt ist.
    Dein Seminar + arte = Oenologie

Kommentar und/oder Frage schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s