Woolgangi Sheep Station

Für Samstag habe ich eine ganz besondere Einladung erhalten. Der Schwiegervater von Troy, sein Name ist Ian, fragte mich letztens, ob ich ihn nicht einmal auf seiner Sheep-Station „Woolgangi“ besuchen möchte. Er besitzt dort ein Stück Land und betreibt eine Schafzucht. Diese Einladung nahm ich natürlich sehr gerne an. Man sagte mir bereits im Vorfeld, dies sei „total different“ im Vergleich zum Barossa Valley. Ich war sehr gespannt.

Getroffen habe ich Ian in Burra, eine alte Minenstadt. Hier wurde noch bis Anfang der 80er Jahre Kupfer abgebaut. Burra liegt ca. 100 km nördlich von Nuri entfernt und hat heute nur noch knapp 1.000 Einwohner.

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Zentrum von Burra

Ian kam in Burra zusammen mit seinem Schwiegersohn Dennis und dessen zwei Söhnen (9 und 11 Jahre) an. Die zwei berichteten mir ganz stolz, dass sie auf dem Weg von der Sheep-Station nach Burra – nicht Schafe – sondern Kängurus gezählt haben, und zwar insgesamt 132 Stück! Diese Zahl erschien mir selbst fürs „Schäfchen zählen“ zu hoch gegriffen. Ich lächelte und gab einen Ausdruck des Erstaunens zurück. Ich bin ehrlich – geglaubt habe ich dies nicht.

In Burra hat Ian dann das Steuer meines Fahrzeugs übernommen. Er wollte mir alles zeigen und es wäre einfacher, wenn er fährt. Mir war das sehr recht, denn dann konnte ich in Ruhe Fotos machen. Zuerst zeigte er mir den alten Kupfer-Tagebau von Burra sowie einen erhöhten Aussichtspunkt. Der Ausblick zeigt deutlich, dass Burra früher einmal mit 5.000 Einwohnern wesentlich dichter besiedelt gewesen sein muss.

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Hinter den Hügeln, die auf dem Foto zu sehen sind, beginnt eine vollständig andere Landschaft. Vor uns lag eine Strecke von 63 km quer durch eine einsame Steppenlandschaft.

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Ian erklärte mir später noch, wie groß sein Land ist. Es hat eine Ausdehnung von 20×25 Kilometern und hat insgesamt eine Fläche von 302 km². Solche Größenverhältnisse kann man sich eigentlich nur vorstellen, wenn man einen Vergleich hat. Ich habe gegoogelt, dies entspricht ungefähr der Fläche der Stadt München!

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Für eine Schafzucht, in der Wolle ja eine große Rolle spielt, ist der Name „Woolgangi“ doch ziemlich passend. Mir wurde allerdings erklärt, dass dies eine Bezeichnung der Aborigines für diese Gegend sei.

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Auf dem Weg zur Sheep-Station habe ich festgestellt, dass die Kids doch nicht gelogen haben. Ich glaube, ich habe an diesem Tag mehr Kängurus gesehen, als in meinem ganzen bisherigen Leben, einschließlich aller Zoo-Besuche sowie meiner bisherigen Zeit in Australien. Für einen Europäer ist das überwältigend, Ian machte allerdings die Bemerkung: „just a kangaroo“ 🙂

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Um einen Eindruck zu gewinnen, wie viele Kängurus ich an diesem Tag gesehen habe, stelle ich Euch ein Video zur Verfügung. Es ist ein Zusammenschnitt einiger Aufnahmen. Ein Emu ist mir übrigens auch noch über den Weg gelaufen.

Und noch einer australischen Spezies sind wir begegnet, eine Tannenzapfenechse. Diese sind recht träge und lassen sich daher relativ einfach fangen.

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Als wir in der Sheep-Station angekommen sind war ich gefühlt mitten im Nirgendwo. Drum herum war Nichts, und davon ganz viel. Außer vielleicht ne Menge Kängurus. 🙂

Es herrschte absolute Windstille, die Ruhe war überwältigend.

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Ian lebt hier zusammen mit seiner Frau. Troys Schwägerin war zusammen mit ihrer Familie hier gerade zu Besuch. Im Juli, wenn die Schafe geschoren werden, werden sie von mehreren Schafscherern unterstützt, die hier für diese Zeit auch Quartier beziehen.

Ian setzte unsere Tour fort und wir fuhren zusammen mit seinem Auto durch das 302 km² große Land. Neben Kängurus haben wir natürlich auch einige seiner Schafe gesehen, die das ganze Jahr über in verschiedenen (riesigen) Abschnitten gehalten werden.

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Zum Einfangen der Schafe dienen übrigens diese künstlich angelegten Wasserstellen. Davon gibt es auf Woolgangi insgesamt 40 Stück.

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Ein Zaun mit Schleusensystem, der um diese kleine Wasserstelle errichtet wird, ermöglicht es den Schafen dann nur noch an das Wasser zu kommen jedoch nicht mehr zurück. Dieser Vorgang dauert ca. 1 bis 2 Wochen, dann sind alle Schafe eines Areals eingesammelt.

Die Gesamtanzahl der Schafe ist schwierig zu bestimmen. Es gibt ca. 3.000 weibliche Schafe auf Woolgangi, hinzu kommt noch eine geringe Anzahl männlicher Schafe. Jedes weibliche Schaf bekommt pro Jahr ein Junges. Viele werden jedoch als Lamm an den Schlächter verkauft. Wenn die Schafe ein Alter von 6 Jahren erreicht haben werden sie verkauft und ebenfalls verarbeitet. Das Scheren der Wolle erfolgt 1x jährlich im Juli.

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Ian hat die Sheep-Station von seinem Vater übernommen. Der Lauf der langen Zeit lässt sich auf dem Grundstück an vielen Dingen ablesen. Die Kulisse würde sich bestens für eine Filmproduktion eignen.

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Vor dem Sonnenuntergang habe ich mich dann wieder auf dem Rückweg gemacht. Begleitet wurde ich erneut von der australischen Fauna – „But, it’s just a kangaroo!“ 🙂

4 Kommentare zu „Woolgangi Sheep Station“

  1. Hurra, jetzt kommen wir zu meinem Thema. Ich liiieeebe Wolle. Die laufen also das ganze Jahr in einem eingezäunten Gebiet herum, werden im Juli eingefangen, geschoren und wieder frei gelassen. Das stelle ich mir für die Scherer schwierig vor, denn die Tiere sind doch gar nicht an Menschen gewöhnt. Und in der dürren Fauna finden sie noch etwas zu fressen. Scheinbar ja. — Deshalb sind die australische und neuseeländische Wolle so „billig“, weil sie keine Schäfer, Hütehunde und Ställe brauchen. Sie leben ja wild und frei.
    Hast Du gesehen, ob diese Schafe mit zusätzlichen Hautfalten gezüchtet werden, damit die Fläche für die Wollproduktion vergrößert wird? Die Tierschützer hierzulande prangern das an, weil sich in den Hautfalten, besonders am After, Fliegen fessetzen , die sich in das Gewebe der Tiere fressen. Diese Areale werden ohne Betäubung weggeschnitten, um den Fliegenbesatz zu unterbinden. Nicht schön! Oder machen das die Schafzüchter nur in Neuseeland? Ich habe das in der Schweiz erfahren, wo biologische und um das Tierwohl besorgte Wollverarbeiter Wolle ablehnen, die von Tieren mit diesen zusätzlichen Hautfalten stammen. Denn das sei Tierquälerei.
    Ja, in Australien soll es eine Käguruh-Plage geben. Deshalb dürfen sie abgeschossen, gejagt hört sich besser an, werden. Oder ist die bereits vorüber?
    So’n Emu könnte glatt beim Marathon mitlaufen. Ausdauer hat er ja.
    Entschuldige, ich bin heute geschwätzig. Danke für den Beitrag, die Fotos und das Video.
    Einsam ist so ein Schafzüchterleben. O je.

    1. Ich bin den Schafen nicht besonders nah gekommen. Generell hatte ich den Eindruck, mehr Kängurus als Schafe gesehen zu haben. Ob das mit den Hautfalten hier praktiziert wird kann ich leider nicht sagen. Darüber haben wir nicht gesprochen.

  2. >>Der Ausblick zeigt deutlich, dass Burra früher einmal mit 5.000 Einwohnern wesentlich dichter besiedelt gewesen sein muss.

    Woran an dem Ausblick erkennen wir, dass der Ort früher dichter besiedelt war?

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