The Centennial Taste Experience

Am heutigen Freitagabend wurde ich von Shawn und seiner Frau Briony zum Essen eingeladen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet.

Das Restaurant heißt 1918. Die Bezeichnung geht zurück auf das Jahr, in dem das Haus, in dem sich das Restaurant befindet, errichtet wurde. Es liegt mitten in Tanunda und war damals das Heim einer Familie. Dieses familiäre Ambiente ist auch heute noch erhalten geblieben. Shawn kennt Sid, den Besitzer des Restaurants, sehr gut. Er serviert natürlich seinen Laughing-Jack-Wein und auch einen Kalleske-Wein habe ich auf der Weinkarte gefunden.

Am heutigen Abend gab es ein Event-Dinner unter dem passenden Titel „The Centennial Taste Experience“. In fünf Gängen wurden Speisen zusammengestellt, die einen kulinarischen Einblick in die Geschichte des Barossa Valley geben. Die deutschen Wurzeln sind dabei unschwer zu erkennen.

img_4216

img_4217

Das Essen inklusive der Weinbegleitung hiesiger Weingüter war ausgezeichnet.

img_4232

Abgerundet wurde dieser Abend mit dem Vortrag einer Historikerin, die unter anderem ein Buch mit dem Titel Barossa Food verfasst hat. Ihr Name ist Angela Heuzenroeder.

img_4226

In ihren Erzählungen ging es um die Esskultur deutschen Ursprungs, ergänzt mit geschichtlichen Hintergründen. Noch heute sind „Mettwurst“ und „Streusel Cake“ gängige Bezeichnungen hier in Südaustralien. Letzterer wird von den jungen Australiern allerdings nur noch als „German Cake“ bezeichnet. Als ich Shawn die vollständige Übersetzung des „Streuselkuchens“ erklärte kamen tief verborgene Erinnerung seiner Kindheit wieder hoch. Seine Großmutter hatte früher doch immer vom „Kuchen“ gesprochen, als sie diesen zum Kaffee kredenzte. Auch die „Rote Grütze“, dessen Rezept entsprechend der Region angepasst wurde und aus Weintrauben gemacht wird, kennt hier jeder Australier. Das erste Mal habe ich diese Barossa-Variante der Roten Grütze bei Lorraine probieren dürfen und ich war hin und weg. 🙂

Es ist faszinierend zu erfahren, wie Kultur, Geschichte und Sprache im Kulinarischen zu finden sind und wie sich dies weiterentwickelt hat. All diese deutschen Bezeichnungen zeigen deutlich, dass früher hier im Barossa Valley viel mehr Deutsch gesprochen wurde als heute. Auch Shawn und Troy erzählten mir, dass ihre Großeltern noch Deutsch gesprochen haben. Insbesondere bei geselligen und feuchtfröhlichen Anlässen wurde zu später Stunde deutsches Liedgut angestimmt, was bei den jungen heranwachsenden Enkeln jedes Mal einen befremdlichen Eindruck hinterließ.

Angelas Erzählungen waren unglaublich interessant. Ich habe regelrecht an ihren Lippen gehangen und ich war sehr froh, dass sie ein klares Englisch gesprochen hat, was bezüglich der meisten Australier hier nicht selbstverständlich ist. Ihre Geschichte über die deutsche Kultur deckt sich mit dem, was ich in einigen Museen bereits erfahren habe. Mit dem Ende des 1. Weltkrieges kam es bezüglich der deutschen Sprache zu einem regelrechten Bruch. Die Australier mit deutschen Wurzeln pflegten die deutsche Kultur, identifizierten sich jedoch nicht mit Deutschland. Schließlich sind die Vorfahren ja aufgrund von religiöser Verfolgung ausgewandert. Die Australier deutschen Ursprungs hatten somit schon längst keine innere Verbundenheit mehr mit der deutschen Politik. Aus Angst inmitten der britischen Australier als „Germans“ bezeichnet zu werden und mit Vorurteilen konfrontiert zu sein, änderten viele Familien und sogar ganze Städte ihre Namen. Beispielsweise wurde aus „Neumann“ „Newman“ und aus „Rosenthal“ wurde „Rosedale“. Auch ein Stadtteil von Tanunda hatte früher einmal die Bezeichnung „Langmeil“, benannt nach einer preußischen Gemeinde im heutigen Polen. Nur wenige Orte, wie zum Beispiel Hahndorf, änderten ihre Namen wieder zurück.

An diesem Abend verging die Zeit wie im Fluge. Ich habe mich mit Shawn und Briony über die Familie, Shawns Kindheit und die deutsche Sprache unterhalten. An unserem Tisch saß uns ein älteres Paar gegenüber, welches in unsere Unterhaltung einstieg und ganz begeistert war von unserer Familiengeschichte sowie der Tatsache, dass Shawn mein Cousin 7. Grades ist. Als sie sich verabschiedeten bedankten sie sich ganz außerordentlich für diese anregende Konversation. Diese Story scheint nicht nur die Kalleskes zu begeistern sondern auch andere zu inspirieren. Lena – auch hier kann ich Dich und die Ergebnisse Deiner Forschungen nicht unerwähnt lassen!

Dieser Abend wird Shawn, Briony und mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Dies war eine ausgesprochen geniale Idee von Shawn und dafür bin ich sehr dankbar!

img_4234

Auf der Speisekarte könnt Ihr übrigens sehen, mit welchem Tawny Port wir diesen Abend beendet haben. „It fits perfectly, don’t you think?“ 😉

Kommentar und/oder Frage schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s