In den letzten zwei Tagen gab es hier in Südaustralien einen heftigen Temperatursturz von ca. 20 Kelvin. Das kann hin und wieder mal vorkommen, wenn kalte Luft vom Meer aus südwestlicher Richtung kommt. Dies soll aber nach wenigen Tagen wieder vorbei sein.
Ich nutzte das kühle Wochenende, um den touristischen Hotspot „Hahndorf“ zu besuchen. Dieser kleine Ort liegt östlich von Adelaide und ist ca. 1,5 Autostunden von Nuri entfernt.

Der ziemlich deutsch klingende Name ist kein Zufall. Es handelt sich dabei um eine der ersten deutschen Siedlungen in Australien aus der Zeit der Ankunft in 1838/1839 (wie hier bereits beschrieben). Die Siedlung wurde benannt nach dem Kapitän des dritten Schiffs „Zebra“, welches am 28. Dezember 1838 Australien erreichte. Der Kapitän hieß Dirk Meinert Hahn, stammte aus Sylt und fühlte sich nicht nur verantwortlich, die lange Überfahrt zu leiten. Er suchte und organisierte für die deutschen Aussiedler auch ein passendes Land. Ihm zu Ehren nannten die Siedler diesen Ort „Hahndorf“.

Heute ist das deutsche Erbe dieser Ortschaft unübersehbar. Es gibt zahlreiche Cafés, Bierstuben und Restaurants mit deutscher Küche. Alles spielt sich an der Hauptstraße ab, die schnurgerade durch den Ort verläuft. Obwohl ich anfangs aufgrund der touristischen Bedeutung etwas skeptisch war muss ich sagen, dass ich den Ort ausgesprochen angenehm stilvoll empfunden habe. Die Häuser sind pittoresk und einladend gestaltet, entlang der Straße stehen große Bäume, deren Laubfärbung den Herbstanfang in Australien ankündigen.







Da hier viele Touristen aus aller Welt her strömen muss natürlich auch etwas an Unterhaltung geboten werden. Somit gehören Blaskapelle, Lederhosen und Tiroler Hut zum Programm, um die Wahrnehmung und das Sinnbild eines Deutschen in allen Ländern außerhalb von Deutschland zu bekräftigen.


Allen Daheimgebliebenen versichere ich hiermit, dass ich bisher alle Konversationen mit den Aussis dazu genutzt habe, um dieses Bild des Deutschen zu entschärfen, um eine differenzierte Sichtweise auf Deutschland zu entwickeln. Ich habe immer betont, dass ich persönlich mich nicht mir Lederhose, Oktoberfest und Weißwurst identifiziere, auch wenn das letztgenannte ziemlich lecker ist. 🙂
Eine kulinarische Spezialität aus Berlin ist hier übrigens auch vertreten.

Neben all diesen Touristennepps (wobei ich dieses Wort hier aufgrund der wirklich liebevollen und nicht überladenen Gestaltung positiv besetzen möchte) gibt es im Ort auch etwas über die deutsche Geschichte zu erfahren. Dem Kapitän Hahn zu Ehren gibt es mitten im Ort einen Memorial Park.


Habt Ihr den vorletzten Namen auf dieser Tafel lesen können? Ganz genau, auch wenn hier ein Buchstabe fehlt – es handelt sich dabei um unseren Johann George Kalleske, über den ich bereits in vielen der vergangenen Beiträge geschrieben habe. Es ist etwas verwirrend, denn er kam bereits mit dem ersten Schiff „Prince George“ ein Monat früher nach Australien, schloss sich dann aber den Siedlern in Hahndorf an und wird daher, wie auf dieser Tafel zu lesen ist, mit den „Pioneers of 1839“ aufgelistet.
Unweit von diesem kleinen Park befindet sich das Visitor Center mit einem kleinen angeschlossenen Museum. Und auch hier ist unser Johann George Kalleske erwähnt und ich erhielt sogar die Information, welches Stück Land in Hahndorf ihm zugeteilt worden war.

Hahndorf war für die emigrierte Familie Kalleske nur der erste Zwischenstopp, ein paar Jahre später kauften die Nachkommen dann im Barossa Valley Land und ließen sich genau dort nieder, wo Troy und Tony heute das Weingut Kalleske betreiben.
Zufällig kam ich mit einem Mitarbeiter des Visitor Centers ins Gespräch und wir unterhielten uns über diese Darstellung an der Wand. Als er den Namen Kalleske hörte leuchteten seine Augen und ich erwartete jetzt Wörter wie „Wine“ oder „organic“. Aber nein – das Wort, welches ich aus seinem Munde vernahm, lautete: „Mettwurst“
Wie bitte? Ganz genau, die Kalleske-Mettwurst soll doch so lecker schmecken. Und Google sei Dank konnte ich es bestätigen, es gibt in Australien eine Wurst, die Kalleske heißt. 🙂 Sie wird in Smithfield, nördlich von Adelaide, produziert.
Ich bedankte mich außerordentlich für diesen Hinweis. Ich nahm mir fest vor, diesen Sachverhalt noch zu ergründen. Bisher hatte ich davon keine Kenntnis. Als ich das Visitor Center verließ entdeckte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen winzigen Supermarkt. Ich hatte die verrückte Idee, spontan zu überprüfen ob es diese Wurst hier in Hahndorf vielleicht sogar zu kaufen gibt. Als ich die Wursttheke erreichte entdeckte ich dann das hier.


Ich konnte es nicht glauben, bin ich vielleicht auch in den anderen Supermärkten hier in Australien schon an der Kalleske-Wurst vorbeigelaufen? Die Wurstverkäuferin erklärte mir, dass diese Wurst in Südaustralien doch ganz bekannt und äußerst beliebt sei.
Ich muss vielleicht noch einmal klarstellen. Es ist jetzt nicht so, dass der Name Kalleske in Europa an jedem zweiten Klingelschild zu lesen ist. Lena und ich sind uns ziemlich sicher, alle Kalleskes in Deutschland gefunden und mit unserem Stammbaum verknüpft zu haben. Die Anzahl unsere Namensvertreter in Deutschland lässt sich an vier Händen abzählen. In Australien bzw. in der Gegend des Barossa Valley ist dieser Name heute weitaus häufiger vertreten.
Vermutlich werde ich mein nächstes Sabbatical ja in einer australischen Fleischverarbeitung absolvieren. 🙂 Natürlich habe ich zwei Exemplare dieser Wurst gleich erworben. Ich habe vor, diese zusammen mit Troy und Darren auf dem Weingut zu verköstigen.
Wie vielleicht Euch Bloglesern nicht entgangen ist – meine Vorliebe in Bezug auf proteinhaltige Nahrungsmittel hat ja eigentlich einen anderen Schwerpunkt. Und daher endete dieser tolle Tag für mich heute in Hahndorf hier:


„Warum nochmal …?“ 😄
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