Captain Hahn‘s Dorf

In den letzten zwei Tagen gab es hier in Südaustralien einen heftigen Temperatursturz von ca. 20 Kelvin. Das kann hin und wieder mal vorkommen, wenn kalte Luft vom Meer aus südwestlicher Richtung kommt. Dies soll aber nach wenigen Tagen wieder vorbei sein.

Ich nutzte das kühle Wochenende, um den touristischen Hotspot „Hahndorf“ zu besuchen. Dieser kleine Ort liegt östlich von Adelaide und ist ca. 1,5 Autostunden von Nuri entfernt.

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Der ziemlich deutsch klingende Name ist kein Zufall. Es handelt sich dabei um eine der ersten deutschen Siedlungen in Australien aus der Zeit der Ankunft in 1838/1839 (wie hier bereits beschrieben). Die Siedlung wurde benannt nach dem Kapitän des dritten Schiffs „Zebra“, welches am 28. Dezember 1838 Australien erreichte. Der Kapitän hieß Dirk Meinert Hahn, stammte aus Sylt und fühlte sich nicht nur verantwortlich, die lange Überfahrt zu leiten. Er suchte und organisierte für die deutschen Aussiedler auch ein passendes Land. Ihm zu Ehren nannten die Siedler diesen Ort „Hahndorf“.

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Heute ist das deutsche Erbe dieser Ortschaft unübersehbar. Es gibt zahlreiche Cafés, Bierstuben und Restaurants mit deutscher Küche. Alles spielt sich an der Hauptstraße ab, die schnurgerade durch den Ort verläuft. Obwohl ich anfangs aufgrund der touristischen Bedeutung etwas skeptisch war muss ich sagen, dass ich den Ort ausgesprochen angenehm stilvoll empfunden habe. Die Häuser sind pittoresk und einladend gestaltet, entlang der Straße stehen große Bäume, deren Laubfärbung den Herbstanfang in Australien ankündigen.

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Da hier viele Touristen aus aller Welt her strömen muss natürlich auch etwas an Unterhaltung geboten werden. Somit gehören Blaskapelle, Lederhosen und Tiroler Hut zum Programm, um die Wahrnehmung und das Sinnbild eines Deutschen in allen Ländern außerhalb von Deutschland zu bekräftigen.

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Allen Daheimgebliebenen versichere ich hiermit, dass ich bisher alle Konversationen mit den Aussis dazu genutzt habe, um dieses Bild des Deutschen zu entschärfen, um eine differenzierte Sichtweise auf Deutschland zu entwickeln. Ich habe immer betont, dass ich persönlich mich nicht mir Lederhose, Oktoberfest und Weißwurst identifiziere, auch wenn das letztgenannte ziemlich lecker ist. 🙂

Eine kulinarische Spezialität aus Berlin ist hier übrigens auch vertreten.

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Neben all diesen Touristennepps (wobei ich dieses Wort hier aufgrund der wirklich liebevollen und nicht überladenen Gestaltung positiv besetzen möchte) gibt es im Ort auch etwas über die deutsche Geschichte zu erfahren. Dem Kapitän Hahn zu Ehren gibt es mitten im Ort einen Memorial Park.

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Habt Ihr den vorletzten Namen auf dieser Tafel lesen können? Ganz genau, auch wenn hier ein Buchstabe fehlt – es handelt sich dabei um unseren Johann George Kalleske, über den ich bereits in vielen der vergangenen Beiträge geschrieben habe. Es ist etwas verwirrend, denn er kam bereits mit dem ersten Schiff „Prince George“ ein Monat früher nach Australien, schloss sich dann aber den Siedlern in Hahndorf an und wird daher, wie auf dieser Tafel zu lesen ist, mit den „Pioneers of 1839“ aufgelistet.

Unweit von diesem kleinen Park befindet sich das Visitor Center mit einem kleinen angeschlossenen Museum. Und auch hier ist unser Johann George Kalleske erwähnt und ich erhielt sogar die Information, welches Stück Land in Hahndorf ihm zugeteilt worden war.

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Hahndorf war für die emigrierte Familie Kalleske nur der erste Zwischenstopp, ein paar Jahre später kauften die Nachkommen dann im Barossa Valley Land und ließen sich genau dort nieder, wo Troy und Tony heute das Weingut Kalleske betreiben.

Zufällig kam ich mit einem Mitarbeiter des Visitor Centers ins Gespräch und wir unterhielten uns über diese Darstellung an der Wand. Als er den Namen Kalleske hörte leuchteten seine Augen und ich erwartete jetzt Wörter wie „Wine“ oder „organic“. Aber nein – das Wort, welches ich aus seinem Munde vernahm, lautete: „Mettwurst“

Wie bitte? Ganz genau, die Kalleske-Mettwurst soll doch so lecker schmecken. Und Google sei Dank konnte ich es bestätigen, es gibt in Australien eine Wurst, die Kalleske heißt. 🙂 Sie wird in Smithfield, nördlich von Adelaide, produziert.

Ich bedankte mich außerordentlich für diesen Hinweis. Ich nahm mir fest vor, diesen Sachverhalt noch zu ergründen. Bisher hatte ich davon keine Kenntnis. Als ich das Visitor Center verließ entdeckte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen winzigen Supermarkt. Ich hatte die verrückte Idee, spontan zu überprüfen ob es diese Wurst hier in Hahndorf vielleicht sogar zu kaufen gibt. Als ich die Wursttheke erreichte entdeckte ich dann das hier.

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Ich konnte es nicht glauben, bin ich vielleicht auch in den anderen Supermärkten hier in Australien schon an der Kalleske-Wurst vorbeigelaufen? Die Wurstverkäuferin erklärte mir, dass diese Wurst in Südaustralien doch ganz bekannt und äußerst beliebt sei.

Ich muss vielleicht noch einmal klarstellen. Es ist jetzt nicht so, dass der Name Kalleske in Europa an jedem zweiten Klingelschild zu lesen ist. Lena und ich sind uns ziemlich sicher, alle Kalleskes in Deutschland gefunden und mit unserem Stammbaum verknüpft zu haben. Die Anzahl unsere Namensvertreter in Deutschland lässt sich an vier Händen abzählen. In Australien bzw. in der Gegend des Barossa Valley ist dieser Name heute weitaus häufiger vertreten.

Vermutlich werde ich mein nächstes Sabbatical ja in einer australischen Fleischverarbeitung absolvieren. 🙂 Natürlich habe ich zwei Exemplare dieser Wurst gleich erworben. Ich habe vor, diese zusammen mit Troy und Darren auf dem Weingut zu verköstigen.

Wie vielleicht Euch Bloglesern nicht entgangen ist – meine Vorliebe in Bezug auf proteinhaltige Nahrungsmittel hat ja eigentlich einen anderen Schwerpunkt. Und daher endete dieser tolle Tag für mich heute in Hahndorf hier:

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„Warum nochmal …?“ 😄

Tasting Wine at Kalleske Cellar Door

Vor knapp zwei Wochen habe ich davon berichtet, dass man hier im Barossa Valley jede Menge „Cellar Doors“ besuchen kann. Auch das Weingut Kalleske hat natürlich einen eigenen Cellar Door, dem Kalleske Wine Store. Dieser liegt mitten in dem kleinen Ort Greenock.

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Dieses Haus war bis in die 70er Jahre ein Gemischtwarenladen. Heute beherbergt es nun den Tasting-Room sowie den Weinshop des Weinguts Kalleske. Gleich daneben befindet sich das Office. Der kleine LKW stammt aus den 50er Jahren, dient heute als Eyecatcher und wird jeden Morgen von Tony aus der Garage raus und abends wieder reingefahren.

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Im Kalleske Cellar Door habe ich heute Alex besucht. Sie veranstaltet hier die Tastings, berät kompetent zu allen Kalleske-Weinen und verkauft diesen natürlich auch sehr erfolgreich. Ein „special private tasting“ hat sie mir schon seit mehreren Wochen versprochen. Dieses Versprechen wollte ich heute nun einlösen.

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Die Innenräume sind sehr stil- und geschmackvoll eingerichtet. Eine sinnliche Musik sorgt für eine angenehme Atmosphäre.

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Einige der angebotenen Weine sollten dem aufmerksamen Blogleser bereits bekannt vorkommen. 😉

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Mein Tasting begann heute auf der linken Seite und endete bei der Flasche ganz rechts.

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Alex macht das wirklich ganz wundervoll. Zu jedem einzelnen Wein erhält man alle wissenswerten Informationen zum Geschmack, Jahrgang sowie zur Herstellung. Dieses Wissen hat sich Alex nicht nur angelesen. Hin und wieder schaut sie im Weingut vorbei, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Bereits vor einigen Wochen habe ich Alex kennengelernt und ihr eine Einführung zum Thema „Pump-Over“ gegeben.

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Einen Wein habe ich heute zum ersten Mal probiert und ich möchte die Gelegenheit nicht auslassen, diesen hier vorzustellen. Bevor ich auf diesen Wein eingehe, möchte ich kurz noch ein paar Basics bezüglich der Weinherstellung erklären. Der Vergleich zwischen Rot- und Weißwein ist hin und wieder einmal erwähnt worden. Der Herstellungsprozess ist, wie vielleicht einige Leser bereits wissen, nicht der gleiche. Hauptmerkmal des Rotweins ist der Gärprozess im Fermenter (Gärbottich). Die Schalen haben somit einen signifikanten Anteil an der Herstellung eines Rotweins. Der Schritt im Gärbottich wird beim Weißwein und beim Rosé übersprungen. Die Beeren gehen direkt in die Presse, der Gärprozess erfolgt erst im Tank – ohne Schalen. Die folgende Darstellung habe ich erstellt und soll einen Überblick geben.

Winemaker Basics

Die Frage ist nun, was für eine Weinsorte entsteht, wenn Weißwein wie Rotwein im Gärbottich verarbeitet wird. Auf diese Frage hat das Kalleske Weingut eine Antwort –  sie heißt: Moppa und Plenarius

An den Kalleske Moppa können sich einige Blogleser vielleicht noch erinnern. Diesen Wein hielt Andreas als Gewinner des Kallvino-Quiz stolz in seinen Händen. Ich hatte in dem Eintrag beschrieben, dass dem Shiraz während des Gärprozesses die Schalen der Weißweinsorte Viognier beigemischt werden. Genaugenommen war es anders herum, denn der Weißwein befand sich bereits schon acht Tage lang im Gärbottich. Bevor die Shiraz-Beeren hinzugegeben wurden, wurde der flüssige Anteil (Free-Run) des Viognier entnommen. Aus diesem Anteil wird der Kalleske Plenarius hergestellt.

Moppa und Plenarius

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Pump-Over des Viognier

Der Plenarius wurde übrigens auch schon in die Fässer abgefüllt.

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Interessant ist allein schon seine orange Farbe im Weinglas. In der Nase habe ich einen süßlichen Geruch von Aprikose wahrgenommen. Schmecken tut der Wein ebenfalls nach Aprikose, allerdings überhaupt nicht süß, sondern ziemlich trocken. Das fand ich ziemlich beeindruckend und für einen Wein sehr außergewöhnlich. Voll im Geruch, voll im Geschmack – vielleicht stammt daher auch der Name Plenarius.

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Be in Touch with Pirathon

Der Kalleske-Wein ist immer sehr gut zu mir gewesen. Er ist organic, schmeckt super lecker und ist vor allem berechenbar. Ganz anders dagegen ist der Wein des Fremdlabels Pirathon (wie bereits berichtet). Die Gärung dieses Weines findet nämlich sogar noch im Weinfass statt. Das hat zur Folge, dass dieser beim Abfüllen viel stärker schäumt als der Kalleske-Wein. Dadurch kommt mehr Luft in das Fass und der darin befindliche Druck kann den Wein unberechenbar machen. Somit hatte ich heute ein ganz besonderes Erlebnis – „to be in touch with Pirathon“. 😄

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Parallaxe

Kaum zu glauben, aber ein Großteil der Felder der Kalleske-Farm ist mittlerweile geerntet. Der Shiraz ist komplett durch und befindet sich in den Tanks und zum Teil (wie berichtet) auch schon in den Fässern.

Folgende Felder hat der Harvester bisher noch ausgelassen:

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1905 – Grenache „Old Vine“
1940 – Grenache „Pig“
1972 – Grenache „Bob“
2013 – Grenache „Home North“
1994 – Durif
2007 – Zinfandel
2005 – Petit Verdot

Die nächsten Wochen werde ich also vermehrt mit dem Grenache zu tun haben. Sicherlich zählt der Shiraz zu den mit Abstand wichtigsten Weinen hier im Barossa Valley. Aber auch der Grenache hat eine große Bedeutung für diese Region in Südaustralien. Im Gegensatz zum Shiraz sind die Trauben des Grenache wesentlich größer. Es ist wirklich erstaunlich, welche Mengen hier zurzeit (noch) an den Weinstöcken hängen.

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Allerdings sind ein paar wenige dieser Grenache-Trauben schon geerntet worden. Der Hintergrund ist ein spezieller Kalleske-Wein, den ich hiermit vorstellen möchte – den Kalleske Parallax Grenache.

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Der Kalleske Parallax gehört nicht zu den klassischen Weinen. Seine Besonderheit besteht darin, dass seine Grenache-Trauben schon zwei bis drei Wochen früher (Anfang/Mitte März) geerntet werden, was für den Grenache eher untypisch ist. Der Grenache zählt zu den eher leichteren Weinen mit einer fruchtigen Note. Durch die Zugabe seiner Stängel während des Gärprozesses und aufgrund der frühen Ernte, wenn der Zuckergehalt noch nicht seinen Höchststand erreicht hat, bekommt dieser eigentlich recht leichte Weine eine raue Note von Trockenheit. Seine Transparenz und Helligkeit hat er dennoch behalten. Im Vergleich zum dunklen Shiraz schimmert der Kalleske Parallax Grenache rubinrot im Weinglas.

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Zugabe der Stängel während des Gärprozesses

Der Begriff Parallax kommt aus der Wahrnehmungspsychologie. Wenn verschiedene Objekte unterschiedlich voneinander entfernt in einer Landschaft verteilt sind und sich der Beobachter parallel zu diesen Objekten seitlich fortbewegt, dann entsteht dadurch für den Beobachter der Eindruck, diese Objekte würden untereinander ihre Entfernung ändern. Einfach gesprochen: Es ist immer gut, mal einen anderen Standpunkt oder Blickwinkel einzunehmen. 😉

Da der Grenache durch die abweichende Verarbeitung ganz anders im Geschmack wahrgenommen wird wurde diese Assoziation und der Begriff Parallax gewählt.

Winemaker Lesson #10 – Sticking Stickers

Diese vielleicht nicht erfüllendste aber dennoch lustige Aufgabe durfte ich gestern zusammen mit Dylan durchführen. Dylan ist der Sohn von Tony und ein Anwärter für die nächste Generation von Winemakers aus der Familie Kalleske. Er studiert bereits Winemaking an der Universität in Adelaide und unterstützt Troy und Tony tatkräftig in jeder freien Minute.

Durch diese Aufgabe konnte ich nun auch einmal das Lager des Kalleske-Weinguts besuchen, welches sich zwischen Nuri und Angaston (15 km entfernt vom Weingut) befindet.

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Neben den Weinen anderer Weingüter werden hier die fertig produzierten Flaschen Kalleske-Wein eingelagert, umsortiert und in die ganze Welt versandt. Es ist schon beeindruckend, vor diesen Mengen mit Kisten Kalleske-Wein zu stehen, welche bis unter die Hallendecke gestapelt wurden.

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Unsere spezielle Aufgabe war heute das Überkleben von Etiketten für den amerikanischen Markt. Dort gibt es nämlich spezielle gesetzliche Anforderungen. Zum einen muss der Hinweis des pregnancy warning ausführlicher beschrieben sein, zum anderen muss die genaue Zusammensetzung des Weines in prozentualer Angabe erfolgen. Da sich diese Prozente von Jahr zu Jahr unterscheiden verzichtet man darauf, diese standardmäßig anzugeben und jedes Jahr neue Etiketten für alle Flaschen zu erstellen. Für den amerikanischen Markt muss aber nun eine Sonderlösung her, die auf jede einzelne Flasche manuell nachträglich anzubringen ist.

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Insgesamt haben wir 130 Kisten (mit jeweils 6 Flaschen 2018 Kalleske Clarry’s GSM) ausgepackt, beklebt und wieder eingepackt.

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Die Erwähnung möchte ich nutzen, um den Kalleske-Wein Clarry’s GSM genauer vorzustellen.

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Die Bezeichnung GSM findet sich auf vielen Weinflaschen, die überall im Barossa Valley hergestellt werden. Es handelt sich dabei nicht um einen Mobilfunkstandard sondern um die Abkürzung für Grenache/Shiraz/Mataro. Dies sind die drei typischen und wichtigsten Weine, die im Barossa Valley angebaut werden. Da der Shiraz allein ziemlich trocken und erdig schmeckt verleiht die Beimischung des Grenache dem GSM eine leichtere und fruchtige Note. Die Leichtigkeit kann man dem Grenache übrigens sogar ansehen. Ein Grenache ist viel heller und durchsichtiger als der dunkle Shiraz.

Die Bezeichnung Clarry geht zurück auf den Namen von Troys Großvater – Clarance „Clarry“ Kalleske. Er hat die Kalleske-Farm bereits in vierter Generation geführt. Ihm zu Ehren wurde dieser Wein benannt, der zu den beliebtesten und meistverkauftesten Weinen aus dem Kalleske-Sortiment gehört.

Marananga Wine Show

Letzten Mittwoch hat sich ein besonderer Besuch auf dem Kalleske-Weingut angekündigt. Der Pastor der hiesigen Lutherischen Kirchengemeinde hat erfahren, dass ein German auf dem Weingut Kalleske arbeitet, und diesen wollte er doch gern einmal kennenlernen. Der Pastor heißt Detlev Vosgerau, er ist in Deutschland geboren und als Kind nach Australien gekommen. Er ist zuständig für die Gemeinden Greenock, Nain und Gnadenfrei. Letztere ist auch der Name der wohl meistfotografierten Kirchen im Barossa Valley.

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St. Michael’s Gnadenfrei Lutheran Church in Marananga

Ich machte die Anmerkung, dass das Wort gnadenfrei ja eigentlich keine sehr freundliche Bezeichnung für eine Kirche ist. Aufgrund seiner deutschsprachigen Abstammung konnte Detlev meinen Gedanken nachvollziehen, „frei von Gnaden“ zu sein erscheint doch auf den ersten Blick keine besonders christliche Tugend.

Google sei Dank hatte ich schnell die Antwort auf diese Frage gefunden. Wie bereits beschrieben, viele Ortsnamen oder Bezeichnungen von Gemeinden im Barossa Valley haben oder hatten ihren Ursprung im preußischen und finden sich in den Gebieten in Posen und Schlesien wieder. Die niederschlesische Stadt Piława Górna ging aus der „Kolonie Gnadenfrei“ hervor. Die Bezeichnung „Gnadenfrei“ wurde zum Andenken an die Entlassung eines Grundherrn aus der Haft und die Befreiung der evangelischen Christen von der Unterdrückung und Verfolgung gewählt. Somit müßte die Bezeichnung also streng genommen „Gnaden und frei“ heißen. Dieser Hintergrund war auch für Pastor Detlev völlig neu. Er bedankte sich und war sichtlich erfreut, dass er diese Geschichte bei seiner nächsten Führung mit einbringen kann. 🙂

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zusammen mit Pastor Detlev

Detlev erzählte mir noch von einem speziellen Ereignis, welches jährlich in seiner Gemeinde stattfindet, der Marananga Wine Show. Hierbei handelt es sich um die einzige Wein-Show in Australien, die von einer Kirche ausgetragen wird. Es werden Weine in mehreren Kategorien prämiert. Ein Highlight der Show ist die öffentliche Weinverkostung. Im letzten Jahr hat auch das Weingut Kalleske für den 2017 Greenock Shiraz eine Trophäe gewinnen können.

 

Winemaker Lesson #9 – Harvester

Den folgenden Eintrag werden einige schon sehnsüchtig erwartet haben. Ich weiß, dass viele Leser sich die Frage stellen – Wie funktioniert eigentlich der Harvester? Auch ich war sehr gespannt, bis ich die Möglichkeit erhalten habe, diese hochinteressante Maschine beim Einsatz beobachten zu dürfen. Kym, der zusammen mit Lorraine und John für die Bewirtschaftung und Ernte der Felder zuständig ist, erklärte mir zudem noch den Aufbau der Mechanik bis ins letzte Detail.

Hier ist sie also nun, die Beschreibung zur Funktionsweise des Harvesters. 🙂

Die maschinenunterstütze Ernte der Weinfelder erfolgt grundsätzlich immer mit zwei Fahrzeugen –  dem Harvester sowie einem parallel fahrenden Trailer, der die Trauben bzw. Beeren auffängt.

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roter Traktor mit Trailer (links), blauer Traktor mit Harvester (rechts)

Beide Fahrzeuge fahren parallel durch die Weinstöcke. Der Abstand ist gerade so bemessen, dass der Traktor dazwischen passt.

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Der Harvester ist im Grunde genommen ein riesiger Anhänger, der keinen eigenen Antrieb besitzt und daher vom Traktor (hier blau) gezogen wird. Die Anhängervorrichtung ist dabei so konstruiert, dass der Harvester mit einem seitlichen Versatz gezogen wird. Der Traktor fährt also neben den Weinstöcken während die Maschine des Harvesters den Weinstock „überspannt“.

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Man kann sich das wie ein umgekehrtes U vorstellen, mit einer durchgehenden Öffnung am Boden. Seitlich an der Konstruktion befinden sich links und rechts die Radaufhängungen. Das Ziel ist ja, dass möglichst sämtliche Trauben/Beeren gepflückt werden. Die eigentliche Pflanze soll diesen Vorgang jedoch unversehrt überstehen.

Ungefähr auf der Höhe, in der die Trauben reifen, befinden sich solche blauen Stangen, die zusammen mit einer Rüttelmechanik hin und her wackeln und dabei die Trauben und insbesondere die Beeren von der Pflanze schütteln.

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Vergleichbar ist das Ganze mit einem riesigen Shaker, der dabei einen ungeheuren Krach erzeugt. Diese Rüttelmechanik ist der Grund, warum man den Harvester schon von Weitem sehr gut hören kann.

Im unteren Bereich befinden sich, wie im folgenden Foto zu sehen ist, schwenkbare Platten, die von der Pflanze bzw. vom Rebstock zur Seite gedrückt werden während dieser die Mitte der Maschine passiert.

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Diese Platten fangen die Beeren auf und lassen sie seitlich auf ein Förderband fallen, welches aus vielen aneinandergereihten Schaufeln besteht. Diese Schaufeln transportieren die Beeren dann bis ganz nach oben.

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Oben angekommen schütten die kleinen Schaufeln die Beeren wieder aus. Diese landen auf einem Förderband, welches quer zur Fahrtrichtung installiert ist.

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Die Ernte auf dem Förderband passiert dann zwei Gebläse, um ggf. entrissene Blätter hinten hinauszupusten.

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Weiter seitlich gelangen die Beeren dann auf ein weiteres Förderband, dass über den Trailer gehalten wird, in dem die Ernte gesammelt wird.

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Nachdem der Harvester die Pflanzen passiert hat sehen diese wie folgt aus.

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Es ist deutlich zu sehen, dass genau genommen die Beeren und nicht die Trauben geerntet werden. Manche Beeren oder Trauben bleiben sogar hängen. Es kommt aber auch vor, dass ganze Trauben aufgefangen werden.

Bemerkenswert ist übrigens die Tatsache, dass sich in dem gesamten Harvester kein einziger Antrieb befindet. Die gesamte Mechanik erhält ihren Antrieb über einen Power Take-off aus dem Traktor.

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Diese Zapfwelle steuert eine Hydraulikpumpe an, die sämtliche Bewegungen des Harvesters ausschließlich über die Pneumatik ermöglicht. Auch die Förderbänder werden vollständig mit Hydraulikmotoren angetrieben.

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Während Kym den Traktor durch das Feld fährt muss er sämtliche Bewegungen des Harvesters im Auge behalten und steuern.

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Es ist total beeindruckend mit anzusehen, wie Kyms Hand ohne Hinzuschauen über all diese Schalter gleitet während er mit der anderen Hand das Lenkrad festhält und den Traktor in der Spur hält. Neben dem Förderband, welches in allen Dimensionen ausgerichtet werden kann, kann der Harvester auch angehoben oder gesenkt werden. Die zwei Räder ermöglichen sogar eine eigene Lenkung, mit der die Maschine akkurat über dem Rebstock ausrichtet wird. Wie bereits beschrieben, der Harvester wird mit einem seitlichen Versatz über das Feld gezogen und sämtliche Antriebskräfte seiner Mechanik erhält er von dem Power Take-Off des Traktors.

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Ich glaube, es ist unschwer zu erkennen, dass ich von dieser Maschine mehr als begeistert bin. Alle, die in ihrer Kindheit oder Jugend – oder aber auch als jung-gebliebene Erwachsene – mit Lego Technik alles Mögliche nachgebaut haben, werden meine Euphorie nachvollziehen können. 😉

Zusammenfassend habe ich den Vorgang auf einem Video festgehalten, welches ich den Bloglesern natürlich nicht vorenthalten möchte. Kym machte den grandiosen Vorschlag, die Ernte doch einfach auf dem Dach des Harvesters ein Stück lang zu begleiten. Die Aufnahmen sind am 13. März um ca. 8 Uhr vormittags entstanden, als über dem Barossa Valley gerade die Sonne aufgegangen ist.