Captain Hahn‘s Dorf

In den letzten zwei Tagen gab es hier in Südaustralien einen heftigen Temperatursturz von ca. 20 Kelvin. Das kann hin und wieder mal vorkommen, wenn kalte Luft vom Meer aus südwestlicher Richtung kommt. Dies soll aber nach wenigen Tagen wieder vorbei sein.

Ich nutzte das kühle Wochenende, um den touristischen Hotspot „Hahndorf“ zu besuchen. Dieser kleine Ort liegt östlich von Adelaide und ist ca. 1,5 Autostunden von Nuri entfernt.

img_0512

Der ziemlich deutsch klingende Name ist kein Zufall. Es handelt sich dabei um eine der ersten deutschen Siedlungen in Australien aus der Zeit der Ankunft in 1838/1839 (wie hier bereits beschrieben). Die Siedlung wurde benannt nach dem Kapitän des dritten Schiffs „Zebra“, welches am 28. Dezember 1838 Australien erreichte. Der Kapitän hieß Dirk Meinert Hahn, stammte aus Sylt und fühlte sich nicht nur verantwortlich, die lange Überfahrt zu leiten. Er suchte und organisierte für die deutschen Aussiedler auch ein passendes Land. Ihm zu Ehren nannten die Siedler diesen Ort „Hahndorf“.

img_3489

Heute ist das deutsche Erbe dieser Ortschaft unübersehbar. Es gibt zahlreiche Cafés, Bierstuben und Restaurants mit deutscher Küche. Alles spielt sich an der Hauptstraße ab, die schnurgerade durch den Ort verläuft. Obwohl ich anfangs aufgrund der touristischen Bedeutung etwas skeptisch war muss ich sagen, dass ich den Ort ausgesprochen angenehm stilvoll empfunden habe. Die Häuser sind pittoresk und einladend gestaltet, entlang der Straße stehen große Bäume, deren Laubfärbung den Herbstanfang in Australien ankündigen.

img_3431

img_3353

img_3354

img_3429

img_3439

img_3442

img_3357

Da hier viele Touristen aus aller Welt her strömen muss natürlich auch etwas an Unterhaltung geboten werden. Somit gehören Blaskapelle, Lederhosen und Tiroler Hut zum Programm, um die Wahrnehmung und das Sinnbild eines Deutschen in allen Ländern außerhalb von Deutschland zu bekräftigen.

img_3428

img_3427

Allen Daheimgebliebenen versichere ich hiermit, dass ich bisher alle Konversationen mit den Aussis dazu genutzt habe, um dieses Bild des Deutschen zu entschärfen, um eine differenzierte Sichtweise auf Deutschland zu entwickeln. Ich habe immer betont, dass ich persönlich mich nicht mir Lederhose, Oktoberfest und Weißwurst identifiziere, auch wenn das letztgenannte ziemlich lecker ist. 🙂

Eine kulinarische Spezialität aus Berlin ist hier übrigens auch vertreten.

img_3433

Neben all diesen Touristennepps (wobei ich dieses Wort hier aufgrund der wirklich liebevollen und nicht überladenen Gestaltung positiv besetzen möchte) gibt es im Ort auch etwas über die deutsche Geschichte zu erfahren. Dem Kapitän Hahn zu Ehren gibt es mitten im Ort einen Memorial Park.

img_3360

img_3362

Habt Ihr den vorletzten Namen auf dieser Tafel lesen können? Ganz genau, auch wenn hier ein Buchstabe fehlt – es handelt sich dabei um unseren Johann George Kalleske, über den ich bereits in vielen der vergangenen Beiträge geschrieben habe. Es ist etwas verwirrend, denn er kam bereits mit dem ersten Schiff „Prince George“ ein Monat früher nach Australien, schloss sich dann aber den Siedlern in Hahndorf an und wird daher, wie auf dieser Tafel zu lesen ist, mit den „Pioneers of 1839“ aufgelistet.

Unweit von diesem kleinen Park befindet sich das Visitor Center mit einem kleinen angeschlossenen Museum. Und auch hier ist unser Johann George Kalleske erwähnt und ich erhielt sogar die Information, welches Stück Land in Hahndorf ihm zugeteilt worden war.

img_3388

Hahndorf war für die emigrierte Familie Kalleske nur der erste Zwischenstopp, ein paar Jahre später kauften die Nachkommen dann im Barossa Valley Land und ließen sich genau dort nieder, wo Troy und Tony heute das Weingut Kalleske betreiben.

Zufällig kam ich mit einem Mitarbeiter des Visitor Centers ins Gespräch und wir unterhielten uns über diese Darstellung an der Wand. Als er den Namen Kalleske hörte leuchteten seine Augen und ich erwartete jetzt Wörter wie „Wine“ oder „organic“. Aber nein – das Wort, welches ich aus seinem Munde vernahm, lautete: „Mettwurst“

Wie bitte? Ganz genau, die Kalleske-Mettwurst soll doch so lecker schmecken. Und Google sei Dank konnte ich es bestätigen, es gibt in Australien eine Wurst, die Kalleske heißt. 🙂 Sie wird in Smithfield, nördlich von Adelaide, produziert.

Ich bedankte mich außerordentlich für diesen Hinweis. Ich nahm mir fest vor, diesen Sachverhalt noch zu ergründen. Bisher hatte ich davon keine Kenntnis. Als ich das Visitor Center verließ entdeckte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen winzigen Supermarkt. Ich hatte die verrückte Idee, spontan zu überprüfen ob es diese Wurst hier in Hahndorf vielleicht sogar zu kaufen gibt. Als ich die Wursttheke erreichte entdeckte ich dann das hier.

img_3418

img_3419

Ich konnte es nicht glauben, bin ich vielleicht auch in den anderen Supermärkten hier in Australien schon an der Kalleske-Wurst vorbeigelaufen? Die Wurstverkäuferin erklärte mir, dass diese Wurst in Südaustralien doch ganz bekannt und äußerst beliebt sei.

Ich muss vielleicht noch einmal klarstellen. Es ist jetzt nicht so, dass der Name Kalleske in Europa an jedem zweiten Klingelschild zu lesen ist. Lena und ich sind uns ziemlich sicher, alle Kalleskes in Deutschland gefunden und mit unserem Stammbaum verknüpft zu haben. Die Anzahl unsere Namensvertreter in Deutschland lässt sich an vier Händen abzählen. In Australien bzw. in der Gegend des Barossa Valley ist dieser Name heute weitaus häufiger vertreten.

Vermutlich werde ich mein nächstes Sabbatical ja in einer australischen Fleischverarbeitung absolvieren. 🙂 Natürlich habe ich zwei Exemplare dieser Wurst gleich erworben. Ich habe vor, diese zusammen mit Troy und Darren auf dem Weingut zu verköstigen.

Wie vielleicht Euch Bloglesern nicht entgangen ist – meine Vorliebe in Bezug auf proteinhaltige Nahrungsmittel hat ja eigentlich einen anderen Schwerpunkt. Und daher endete dieser tolle Tag für mich heute in Hahndorf hier:

img_3444

img_3447

„Warum nochmal …?“ 😄

Tasting Wine at Kalleske Cellar Door

Vor knapp zwei Wochen habe ich davon berichtet, dass man hier im Barossa Valley jede Menge „Cellar Doors“ besuchen kann. Auch das Weingut Kalleske hat natürlich einen eigenen Cellar Door, dem Kalleske Wine Store. Dieser liegt mitten in dem kleinen Ort Greenock.

img_2683

Dieses Haus war bis in die 70er Jahre ein Gemischtwarenladen. Heute beherbergt es nun den Tasting-Room sowie den Weinshop des Weinguts Kalleske. Gleich daneben befindet sich das Office. Der kleine LKW stammt aus den 50er Jahren, dient heute als Eyecatcher und wird jeden Morgen von Tony aus der Garage raus und abends wieder reingefahren.

img_2653

Im Kalleske Cellar Door habe ich heute Alex besucht. Sie veranstaltet hier die Tastings, berät kompetent zu allen Kalleske-Weinen und verkauft diesen natürlich auch sehr erfolgreich. Ein „special private tasting“ hat sie mir schon seit mehreren Wochen versprochen. Dieses Versprechen wollte ich heute nun einlösen.

img_3208

Die Innenräume sind sehr stil- und geschmackvoll eingerichtet. Eine sinnliche Musik sorgt für eine angenehme Atmosphäre.

img_3217

img_2655

img_3221

img_3212

Einige der angebotenen Weine sollten dem aufmerksamen Blogleser bereits bekannt vorkommen. 😉

img_3214

Mein Tasting begann heute auf der linken Seite und endete bei der Flasche ganz rechts.

img_3229

Alex macht das wirklich ganz wundervoll. Zu jedem einzelnen Wein erhält man alle wissenswerten Informationen zum Geschmack, Jahrgang sowie zur Herstellung. Dieses Wissen hat sich Alex nicht nur angelesen. Hin und wieder schaut sie im Weingut vorbei, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Bereits vor einigen Wochen habe ich Alex kennengelernt und ihr eine Einführung zum Thema „Pump-Over“ gegeben.

img_1949

Einen Wein habe ich heute zum ersten Mal probiert und ich möchte die Gelegenheit nicht auslassen, diesen hier vorzustellen. Bevor ich auf diesen Wein eingehe, möchte ich kurz noch ein paar Basics bezüglich der Weinherstellung erklären. Der Vergleich zwischen Rot- und Weißwein ist hin und wieder einmal erwähnt worden. Der Herstellungsprozess ist, wie vielleicht einige Leser bereits wissen, nicht der gleiche. Hauptmerkmal des Rotweins ist der Gärprozess im Fermenter (Gärbottich). Die Schalen haben somit einen signifikanten Anteil an der Herstellung eines Rotweins. Der Schritt im Gärbottich wird beim Weißwein und beim Rosé übersprungen. Die Beeren gehen direkt in die Presse, der Gärprozess erfolgt erst im Tank – ohne Schalen. Die folgende Darstellung habe ich erstellt und soll einen Überblick geben.

Winemaker Basics

Die Frage ist nun, was für eine Weinsorte entsteht, wenn Weißwein wie Rotwein im Gärbottich verarbeitet wird. Auf diese Frage hat das Kalleske Weingut eine Antwort –  sie heißt: Moppa und Plenarius

An den Kalleske Moppa können sich einige Blogleser vielleicht noch erinnern. Diesen Wein hielt Andreas als Gewinner des Kallvino-Quiz stolz in seinen Händen. Ich hatte in dem Eintrag beschrieben, dass dem Shiraz während des Gärprozesses die Schalen der Weißweinsorte Viognier beigemischt werden. Genaugenommen war es anders herum, denn der Weißwein befand sich bereits schon acht Tage lang im Gärbottich. Bevor die Shiraz-Beeren hinzugegeben wurden, wurde der flüssige Anteil (Free-Run) des Viognier entnommen. Aus diesem Anteil wird der Kalleske Plenarius hergestellt.

Moppa und Plenarius

img_1655
Pump-Over des Viognier

Der Plenarius wurde übrigens auch schon in die Fässer abgefüllt.

img_2466

Interessant ist allein schon seine orange Farbe im Weinglas. In der Nase habe ich einen süßlichen Geruch von Aprikose wahrgenommen. Schmecken tut der Wein ebenfalls nach Aprikose, allerdings überhaupt nicht süß, sondern ziemlich trocken. Das fand ich ziemlich beeindruckend und für einen Wein sehr außergewöhnlich. Voll im Geruch, voll im Geschmack – vielleicht stammt daher auch der Name Plenarius.

img_3227

2018_Kalleske_Plenarius_Viognier_Factsheet

Be in Touch with Pirathon

Der Kalleske-Wein ist immer sehr gut zu mir gewesen. Er ist organic, schmeckt super lecker und ist vor allem berechenbar. Ganz anders dagegen ist der Wein des Fremdlabels Pirathon (wie bereits berichtet). Die Gärung dieses Weines findet nämlich sogar noch im Weinfass statt. Das hat zur Folge, dass dieser beim Abfüllen viel stärker schäumt als der Kalleske-Wein. Dadurch kommt mehr Luft in das Fass und der darin befindliche Druck kann den Wein unberechenbar machen. Somit hatte ich heute ein ganz besonderes Erlebnis – „to be in touch with Pirathon“. 😄

img_3206

Parallaxe

Kaum zu glauben, aber ein Großteil der Felder der Kalleske-Farm ist mittlerweile geerntet. Der Shiraz ist komplett durch und befindet sich in den Tanks und zum Teil (wie berichtet) auch schon in den Fässern.

Folgende Felder hat der Harvester bisher noch ausgelassen:

Kalleske_Farm_Map_left_fields

1905 – Grenache „Old Vine“
1940 – Grenache „Pig“
1972 – Grenache „Bob“
2013 – Grenache „Home North“
1994 – Durif
2007 – Zinfandel
2005 – Petit Verdot

Die nächsten Wochen werde ich also vermehrt mit dem Grenache zu tun haben. Sicherlich zählt der Shiraz zu den mit Abstand wichtigsten Weinen hier im Barossa Valley. Aber auch der Grenache hat eine große Bedeutung für diese Region in Südaustralien. Im Gegensatz zum Shiraz sind die Trauben des Grenache wesentlich größer. Es ist wirklich erstaunlich, welche Mengen hier zurzeit (noch) an den Weinstöcken hängen.

img_2679

Allerdings sind ein paar wenige dieser Grenache-Trauben schon geerntet worden. Der Hintergrund ist ein spezieller Kalleske-Wein, den ich hiermit vorstellen möchte – den Kalleske Parallax Grenache.

2018_Kalleske_Parallax_Grenache

Der Kalleske Parallax gehört nicht zu den klassischen Weinen. Seine Besonderheit besteht darin, dass seine Grenache-Trauben schon zwei bis drei Wochen früher (Anfang/Mitte März) geerntet werden, was für den Grenache eher untypisch ist. Der Grenache zählt zu den eher leichteren Weinen mit einer fruchtigen Note. Durch die Zugabe seiner Stängel während des Gärprozesses und aufgrund der frühen Ernte, wenn der Zuckergehalt noch nicht seinen Höchststand erreicht hat, bekommt dieser eigentlich recht leichte Weine eine raue Note von Trockenheit. Seine Transparenz und Helligkeit hat er dennoch behalten. Im Vergleich zum dunklen Shiraz schimmert der Kalleske Parallax Grenache rubinrot im Weinglas.

img_2437
Zugabe der Stängel während des Gärprozesses

Der Begriff Parallax kommt aus der Wahrnehmungspsychologie. Wenn verschiedene Objekte unterschiedlich voneinander entfernt in einer Landschaft verteilt sind und sich der Beobachter parallel zu diesen Objekten seitlich fortbewegt, dann entsteht dadurch für den Beobachter der Eindruck, diese Objekte würden untereinander ihre Entfernung ändern. Einfach gesprochen: Es ist immer gut, mal einen anderen Standpunkt oder Blickwinkel einzunehmen. 😉

Da der Grenache durch die abweichende Verarbeitung ganz anders im Geschmack wahrgenommen wird wurde diese Assoziation und der Begriff Parallax gewählt.

Winemaker Lesson #10 – Sticking Stickers

Diese vielleicht nicht erfüllendste aber dennoch lustige Aufgabe durfte ich gestern zusammen mit Dylan durchführen. Dylan ist der Sohn von Tony und ein Anwärter für die nächste Generation von Winemakers aus der Familie Kalleske. Er studiert bereits Winemaking an der Universität in Adelaide und unterstützt Troy und Tony tatkräftig in jeder freien Minute.

Durch diese Aufgabe konnte ich nun auch einmal das Lager des Kalleske-Weinguts besuchen, welches sich zwischen Nuri und Angaston (15 km entfernt vom Weingut) befindet.

img_3160

Neben den Weinen anderer Weingüter werden hier die fertig produzierten Flaschen Kalleske-Wein eingelagert, umsortiert und in die ganze Welt versandt. Es ist schon beeindruckend, vor diesen Mengen mit Kisten Kalleske-Wein zu stehen, welche bis unter die Hallendecke gestapelt wurden.

img_3169

Unsere spezielle Aufgabe war heute das Überkleben von Etiketten für den amerikanischen Markt. Dort gibt es nämlich spezielle gesetzliche Anforderungen. Zum einen muss der Hinweis des pregnancy warning ausführlicher beschrieben sein, zum anderen muss die genaue Zusammensetzung des Weines in prozentualer Angabe erfolgen. Da sich diese Prozente von Jahr zu Jahr unterscheiden verzichtet man darauf, diese standardmäßig anzugeben und jedes Jahr neue Etiketten für alle Flaschen zu erstellen. Für den amerikanischen Markt muss aber nun eine Sonderlösung her, die auf jede einzelne Flasche manuell nachträglich anzubringen ist.

IMG_3164

Insgesamt haben wir 130 Kisten (mit jeweils 6 Flaschen 2018 Kalleske Clarry’s GSM) ausgepackt, beklebt und wieder eingepackt.

img_3167

Die Erwähnung möchte ich nutzen, um den Kalleske-Wein Clarry’s GSM genauer vorzustellen.

2018_Kalleske_Clarrys_GSM

Die Bezeichnung GSM findet sich auf vielen Weinflaschen, die überall im Barossa Valley hergestellt werden. Es handelt sich dabei nicht um einen Mobilfunkstandard sondern um die Abkürzung für Grenache/Shiraz/Mataro. Dies sind die drei typischen und wichtigsten Weine, die im Barossa Valley angebaut werden. Da der Shiraz allein ziemlich trocken und erdig schmeckt verleiht die Beimischung des Grenache dem GSM eine leichtere und fruchtige Note. Die Leichtigkeit kann man dem Grenache übrigens sogar ansehen. Ein Grenache ist viel heller und durchsichtiger als der dunkle Shiraz.

Die Bezeichnung Clarry geht zurück auf den Namen von Troys Großvater – Clarance „Clarry“ Kalleske. Er hat die Kalleske-Farm bereits in vierter Generation geführt. Ihm zu Ehren wurde dieser Wein benannt, der zu den beliebtesten und meistverkauftesten Weinen aus dem Kalleske-Sortiment gehört.

Marananga Wine Show

Letzten Mittwoch hat sich ein besonderer Besuch auf dem Kalleske-Weingut angekündigt. Der Pastor der hiesigen Lutherischen Kirchengemeinde hat erfahren, dass ein German auf dem Weingut Kalleske arbeitet, und diesen wollte er doch gern einmal kennenlernen. Der Pastor heißt Detlev Vosgerau, er ist in Deutschland geboren und als Kind nach Australien gekommen. Er ist zuständig für die Gemeinden Greenock, Nain und Gnadenfrei. Letztere ist auch der Name der wohl meistfotografierten Kirchen im Barossa Valley.

Gnadenfrei_Lutheran_Church,_Marananga_1
St. Michael’s Gnadenfrei Lutheran Church in Marananga

Ich machte die Anmerkung, dass das Wort gnadenfrei ja eigentlich keine sehr freundliche Bezeichnung für eine Kirche ist. Aufgrund seiner deutschsprachigen Abstammung konnte Detlev meinen Gedanken nachvollziehen, „frei von Gnaden“ zu sein erscheint doch auf den ersten Blick keine besonders christliche Tugend.

Google sei Dank hatte ich schnell die Antwort auf diese Frage gefunden. Wie bereits beschrieben, viele Ortsnamen oder Bezeichnungen von Gemeinden im Barossa Valley haben oder hatten ihren Ursprung im preußischen und finden sich in den Gebieten in Posen und Schlesien wieder. Die niederschlesische Stadt Piława Górna ging aus der „Kolonie Gnadenfrei“ hervor. Die Bezeichnung „Gnadenfrei“ wurde zum Andenken an die Entlassung eines Grundherrn aus der Haft und die Befreiung der evangelischen Christen von der Unterdrückung und Verfolgung gewählt. Somit müßte die Bezeichnung also streng genommen „Gnaden und frei“ heißen. Dieser Hintergrund war auch für Pastor Detlev völlig neu. Er bedankte sich und war sichtlich erfreut, dass er diese Geschichte bei seiner nächsten Führung mit einbringen kann. 🙂

img_2922
zusammen mit Pastor Detlev

Detlev erzählte mir noch von einem speziellen Ereignis, welches jährlich in seiner Gemeinde stattfindet, der Marananga Wine Show. Hierbei handelt es sich um die einzige Wein-Show in Australien, die von einer Kirche ausgetragen wird. Es werden Weine in mehreren Kategorien prämiert. Ein Highlight der Show ist die öffentliche Weinverkostung. Im letzten Jahr hat auch das Weingut Kalleske für den 2017 Greenock Shiraz eine Trophäe gewinnen können.

 

Winemaker Lesson #9 – Harvester

Den folgenden Eintrag werden einige schon sehnsüchtig erwartet haben. Ich weiß, dass viele Leser sich die Frage stellen – Wie funktioniert eigentlich der Harvester? Auch ich war sehr gespannt, bis ich die Möglichkeit erhalten habe, diese hochinteressante Maschine beim Einsatz beobachten zu dürfen. Kym, der zusammen mit Lorraine und John für die Bewirtschaftung und Ernte der Felder zuständig ist, erklärte mir zudem noch den Aufbau der Mechanik bis ins letzte Detail.

Hier ist sie also nun, die Beschreibung zur Funktionsweise des Harvesters. 🙂

Die maschinenunterstütze Ernte der Weinfelder erfolgt grundsätzlich immer mit zwei Fahrzeugen –  dem Harvester sowie einem parallel fahrenden Trailer, der die Trauben bzw. Beeren auffängt.

img_2580
roter Traktor mit Trailer (links), blauer Traktor mit Harvester (rechts)

Beide Fahrzeuge fahren parallel durch die Weinstöcke. Der Abstand ist gerade so bemessen, dass der Traktor dazwischen passt.

img_2564

Der Harvester ist im Grunde genommen ein riesiger Anhänger, der keinen eigenen Antrieb besitzt und daher vom Traktor (hier blau) gezogen wird. Die Anhängervorrichtung ist dabei so konstruiert, dass der Harvester mit einem seitlichen Versatz gezogen wird. Der Traktor fährt also neben den Weinstöcken während die Maschine des Harvesters den Weinstock „überspannt“.

img_2544

Man kann sich das wie ein umgekehrtes U vorstellen, mit einer durchgehenden Öffnung am Boden. Seitlich an der Konstruktion befinden sich links und rechts die Radaufhängungen. Das Ziel ist ja, dass möglichst sämtliche Trauben/Beeren gepflückt werden. Die eigentliche Pflanze soll diesen Vorgang jedoch unversehrt überstehen.

Ungefähr auf der Höhe, in der die Trauben reifen, befinden sich solche blauen Stangen, die zusammen mit einer Rüttelmechanik hin und her wackeln und dabei die Trauben und insbesondere die Beeren von der Pflanze schütteln.

img_3070

Vergleichbar ist das Ganze mit einem riesigen Shaker, der dabei einen ungeheuren Krach erzeugt. Diese Rüttelmechanik ist der Grund, warum man den Harvester schon von Weitem sehr gut hören kann.

Im unteren Bereich befinden sich, wie im folgenden Foto zu sehen ist, schwenkbare Platten, die von der Pflanze bzw. vom Rebstock zur Seite gedrückt werden während dieser die Mitte der Maschine passiert.

img_3054

Diese Platten fangen die Beeren auf und lassen sie seitlich auf ein Förderband fallen, welches aus vielen aneinandergereihten Schaufeln besteht. Diese Schaufeln transportieren die Beeren dann bis ganz nach oben.

img_3056

img_3059

Oben angekommen schütten die kleinen Schaufeln die Beeren wieder aus. Diese landen auf einem Förderband, welches quer zur Fahrtrichtung installiert ist.

img_3060

Die Ernte auf dem Förderband passiert dann zwei Gebläse, um ggf. entrissene Blätter hinten hinauszupusten.

img_3062

Weiter seitlich gelangen die Beeren dann auf ein weiteres Förderband, dass über den Trailer gehalten wird, in dem die Ernte gesammelt wird.

img_2555

Nachdem der Harvester die Pflanzen passiert hat sehen diese wie folgt aus.

img_2562

img_2547

Es ist deutlich zu sehen, dass genau genommen die Beeren und nicht die Trauben geerntet werden. Manche Beeren oder Trauben bleiben sogar hängen. Es kommt aber auch vor, dass ganze Trauben aufgefangen werden.

Bemerkenswert ist übrigens die Tatsache, dass sich in dem gesamten Harvester kein einziger Antrieb befindet. Die gesamte Mechanik erhält ihren Antrieb über einen Power Take-off aus dem Traktor.

img_3064

Diese Zapfwelle steuert eine Hydraulikpumpe an, die sämtliche Bewegungen des Harvesters ausschließlich über die Pneumatik ermöglicht. Auch die Förderbänder werden vollständig mit Hydraulikmotoren angetrieben.

img_3068

img_3066

Während Kym den Traktor durch das Feld fährt muss er sämtliche Bewegungen des Harvesters im Auge behalten und steuern.

img_2578

Es ist total beeindruckend mit anzusehen, wie Kyms Hand ohne Hinzuschauen über all diese Schalter gleitet während er mit der anderen Hand das Lenkrad festhält und den Traktor in der Spur hält. Neben dem Förderband, welches in allen Dimensionen ausgerichtet werden kann, kann der Harvester auch angehoben oder gesenkt werden. Die zwei Räder ermöglichen sogar eine eigene Lenkung, mit der die Maschine akkurat über dem Rebstock ausrichtet wird. Wie bereits beschrieben, der Harvester wird mit einem seitlichen Versatz über das Feld gezogen und sämtliche Antriebskräfte seiner Mechanik erhält er von dem Power Take-Off des Traktors.

img_2552

Ich glaube, es ist unschwer zu erkennen, dass ich von dieser Maschine mehr als begeistert bin. Alle, die in ihrer Kindheit oder Jugend – oder aber auch als jung-gebliebene Erwachsene – mit Lego Technik alles Mögliche nachgebaut haben, werden meine Euphorie nachvollziehen können. 😉

Zusammenfassend habe ich den Vorgang auf einem Video festgehalten, welches ich den Bloglesern natürlich nicht vorenthalten möchte. Kym machte den grandiosen Vorschlag, die Ernte doch einfach auf dem Dach des Harvesters ein Stück lang zu begleiten. Die Aufnahmen sind am 13. März um ca. 8 Uhr vormittags entstanden, als über dem Barossa Valley gerade die Sonne aufgegangen ist.

Riverland

Den heutigen Samstag habe ich genutzt, um mal hinter das Barossa Valley zu schauen. Denn schon wenige Kilometer hinter Nuri in östlicher Richtung wird das Land wieder flacher und wesentlich trockener.

img_3152

Mein Ziel war heute die Kleinstadt Renmark, ca. 160 km von Nuri entfernt, gelegen mitten im Riverland und umgeben von mehreren Nationalparks.

img_0511

Das Riverland hat seinen Namen vom Murray River erhalten. Zusammen mit seinem Nebenfluss dem Darling River ist dies der längste und wasserreichste Fluss Australiens. Im Gebiet des Riverlands entstehen viele Schleifen und Nebenarme, wodurch in der sonst recht trockenen Gegend viel Vegetation vorhanden ist. Den Schutz des Lebensraumes sollen mehrere Nationalparks sicherstellen. Außerhalb dieser Parks wird, ebenso wie im Barossa Valley, Wein angebaut – und zwar soweit das Auge reicht. Im Zentrum befindet sich die Stadt Renmark, direkt am Murray River gelegen.

img_3094

Südlich der Stadt habe ich anschließend den Nationalpark Katarapko angesteuert und bin dort einen kleine Trail abgelaufen.

img_3108

Der Duft der Eukalyptusbäume zusammen mit der beträchtlichen Wärme in dieser Gegend lassen den Eindruck entstehen, man befindet sich in einer riesigen Sauna – insbesondere aufgrund des Geruchs.

Auf meinem Rückweg habe ich dann einige Male den Fluss gestreift oder überquert. Es gibt zahlreiche Stellen, die tolle Aussichten ermöglichen.

img_3111

img_3116

Sobald man sich vom Fluss entfernt wird die Vegetation spürbar weniger. Das trockene Land ist durchzogen von schnurgeraden einsamen Straßen.

img_3131

Einem Känguru bin ich heute leider nicht begegnet. Entlang des Highways ist dies vielleicht aber auch ganz gut so.

Moppa Ridge Dill Off

Gestern durfte ich an einem besonderen Event teilnehmen, welches jährlich auf der Kalleske-Winery stattfindet – dem legendären Moppa Ridge Dill Off. Es handelt sich dabei um einen Gurken-Contest, prämiert wird der Gewinner der am besten aussehenden und schmeckenden Gurke, Marke „Eigenanbau“ versteht sich. Der Begriff Dill ist vielleicht ein bisschen irreführend, aber die Australier erklärten mir, dass dies ihre Bezeichnung für eine Gewürzgurke ist. Die Bewertung sowie die Prämierung erfolgten nach strengen Regeln, die Tony aufgestellt hat. Jeder Teilnehmer (insgesamt 10) brachte aus seinem Garten ein paar Gurken-Exemplare mit, die dann zerschnitten und auf anonymisierten Tellern serviert wurden.

img_3033

img_3020

Punkte wurden vergeben in den Kategorien Aussehen, haptische Wahrnehmung im Mund sowie Geschmack.

img_3032

Über jede Gurke wurde anschließend ausgiebig philosophiert und diskutiert.

img_3029

img_3027

Der Gewinner des 2019 Moppa Ridge Dill Off ist Darren – herzlichen Glückwunsch!

img_3042

Aber ich bin mir sicher, unserer Spreewald-Gurke hätte keines dieser Exemplare das Wasser reichen können! 🙂

Winemaker Lesson #8 – Pressing J.G.

Wie berichtet wurden am 5. März die Trauben des mit Abstand ältesten Feldes der Kalleske-Farm per Hand gelesen. Der Wein mit dem Namen Johann Georg wird ausschließlich unter Verwendung der Shiraz-Trauben von diesem Feld hergestellt. Seit der Handlese befinden sich die Beeren dieses Feldes nun im Fermenter mit der Nummer F21. Neben den zwölf großen Gärbottichen (F01 bis F12) innerhalb der Halle befinden sich außerhalb zusätzlich noch acht kleine Fermenter (F21 bis F28). Aufgrund der Größe ist ein Pump-Over nicht notwendig, der Gärprozess wird hier anders vorangetrieben. Innerhalb des Behälters befindet sich eine große Platte, die ähnlich wie ein Filter mit kleinen Löchern konstruiert ist. Diese Platte wird während des gesamten Gärprozesses nach unten gedrückt, so dass die Beerenschalen sich ständig innerhalb der Flüssigkeit befinden und nicht nach oben schwimmen können.

Innerhalb der letzten zwei Wochen haben ich diesen Gärprozess kontinuierlich beobachten können. Auch wenn hier kein Pump-Over notwendig ist müssen täglich der Baumé-Wert (Zuckerlevel) sowie die Temperatur gemessen werden (siehe hierzu auch Winemaker Lesson 1 und 2).

img_2881

Der Inhalt dieser im Foto abgebildeten Kanne wird in ca. zwei Jahren mindestens 120 Euro wert sein.

Nach ca. zwei Wochen Gärung war die Pressung dieses Weines für den Mittwoch angesetzt worden. Aus dem Aufgabenbuch konnten wir dies sowie alle zugehörigen Details entnehmen.

IMG_2924

Die Angaben sind wie folgt zu entschlüsseln. Ganz rechts ist der Wein mit 19KSJ gekennzeichnet. 19 steht für die Jahreszahl. K bedeutet, dass es sich um die Marke Kalleske handelt und nicht um ein anderes Label (wie hier bereits erwähnt). Der Buchstabe S kennzeichnet, dass es sich um einen Shiraz handelt. Der Buchstabe J ist der Indikator für das Feld. Bezüglich einer Weinsorte besitzt jedes Feld der Kalleske-Farm einen Namen, der so gewählt wurde, dass jeder Buchstabe aus dem Alphabet nur einmal als Anfangsbuchstabe verwendet wird. Dies ermöglicht dann in der weiteren Protokollierung eine Eineindeutigkeit und Systematik. Zum Beispiel steht K für Kym, T für Triangle und J eben für Johann Georg. Ganz schön clever, oder?

Dem Aufgabenbuch zufolge lautet die Aufgabe also nun: Presse den Inhalt aus Fermenter mit der Nummer 21 und fülle den Wein in Tank mit der Nummer 3. Behalte diesen Tank dabei im Auge, denn der Platz im Tank könnte evtl. knapp bemessen sein. 🙂

Als erstes muss die oben beschriebene Platte aus dem Fermenter entfernt werden, ein Gabelstapler ist dafür eine sehr nützliche Unterstützung.

img_2889

Anschließend wird der Fermenter so wie er ist mit dem Gabelstapler transportiert und über die Presse gehalten.

img_2919

img_2926

Was als nächstes folgt wird unter den Winemakern als Free-Run bezeichnet. Dies bedeutet, dass der Wein, der sich im unteren Bereich des Fermenters befindet, abgelassen wird (in der Darstellung aus der Winemaker Lesson #5 ist dies auch zu sehen, allerdings ohne die Bezeichnung Free-Run). Der Wein läuft einfach durch die ausgeschaltete Presse durch und wird bereits in den Tank gepumpt.

img_2934
Free-Run des Johann Georg im Auffangbehälter
img_2940
Free-Run des Johann Georg in der Auffangwanne

Danach wird der Fermenter mit Hilfe des Gabelstaplers umgedreht und die Maische in den Auffangbehälter gekippt.

img_2968

Den Rest erledigt die Presse. Aufgrund der geringen Menge hat die Pressung nur ca. 15 Minuten gedauert. Der vollständig gepresste Wein befindet sich nun, wie angewiesen, im Tank mit der Nummer 3. Die Kapazität des Tanks war ausreichend kalkuliert worden.

img_2950

img_2952

Nach der abgeschlossenen Pressung dufte ich Troy über die Schulter schauen. Er zeigte mir in seinem Labor, was nun mit der ersten Weinprobe passiert. Sämtliche Messungen sind ziemlich schnell erledigt, eine ziemlich teure Apparatur (im Bild das blaue Gerät links neben dem Notebook) führt sämtliche notwendige Messungen in einem Schritt durch. Dies spart einiges an Arbeitszeit, die Anschaffung soll sich bereits gerechnet haben. Mit einer Pipette wird ein Tropfen des Weines in das Gerät gegeben. Der Rest passiert unter der verschlossenen Klappe vollautomatisch.

img_2986

In zwei Durchgängen werden hier folgende Werte gemessen: Zucker- und Säuregehalt, pH-Wert, Alkoholgehalt, Gehalt weiterer Säuren sowie die Dichte

IMG_2992

Nicht dass jetzt einige denken, ich wäre im Chemieunterricht eine Leuchte gewesen. Diese Werte wurden vor dem Verfassen des Blogeintrags gegoogelt. Chemisch oder biologisch bewanderte Menschen können hierzu vielleicht noch ein paar nützliche und interessante Informationen liefern. Ich weiß, dass unter den Bloglesern solche Personen zugegen sind. Vielen Dank! Mich (und bestimmt auch die anderen Blogleser) würde dies sehr freuen! 😉

All diese Werte, die im weiteren Prozess und in den nächten Wochen wiederholt ermittelt werden, dienen Troy für die Qualitätsbewertung des Weines. Rechtlich verpflichtend ist ausschließlich die Erfassung des Alkoholgehaltes, denn dieser muss auf der Flasche angegeben werden.

Die wichtigste Messmethode darf abschließend natürlich nicht fehlen! Wir sagen „Cheers!“ mit dem ersten Glas Johann Georg der Weinlese 2019.

img_2993