Kallvino Overview

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Önologisches:

Winemaker Lesson #1 – Measuring Sugar Level

Winemaker Lesson #2 – Pump-Over

Winemaker Lesson #3 – Cleaning Tanks

Winemaker Lesson #4 – Handpicking

Winemaker Lesson #5 – Pressing

Winemaker Lesson #6 – Mixing Yeast

Winemaker Lesson #7 – Filling Barrels

Winemaker Lesson #8 – Pressing J.G.

Winemaker Lesson #9 – Harvester

Winemaker Lesson #10 – Sticking Stickers

Winemaker Lesson #11 – Crushing

Winemaker Lesson #12 – Digging out the Mash

Winemaker Lesson #13 – Cleaning Solar Panels

Winemaker Lesson #14 – Driving Forklift

Winemaker Lesson #Exam


Geschichtliches:

The Story about the German Settlers

Our Same Ancestors

Captain Hahn‘s Dorf

The Centennial Taste Experience

Von Kirchen, Kellern und Orgeln

Auf den Spuren unserer Vorfahren


Geografisches:

Barossa Overview

Riverland

Woolgangi Sheep Station

Mungo National Park

Kallieber Down Under


 

 

Auf den Spuren unserer Vorfahren

Während eines Trips am letzten Wochenende habe ich entschieden, hier noch einen weiteren Blog-Eintrag zu schreiben. Der Grund für diese kurze Reise steht in direktem Zusammenhang mit meinen Erfahrungen und Eindrücken, die ich vor wenigen Monaten noch in Australien sammeln durfte.

Aufmerksame Blogleser werden sich erinnern, dass die deutschen kulturellen Einflüsse das Barossa Valley mitgeprägt haben. Wie beschrieben kamen die deutschen Einwanderer damals erstmalig im Jahr 1838 aus Preußen, insbesondere aus der Provinz Posen, welches im heutigen Polen liegt. Und genau dort bin ich zusammen mit meiner Schwester Lena am letzten Wochenende unterwegs gewesen.

Wir haben uns dazu entschieden, Orte zu besuchen, die mit der Auswanderungsgeschichte nach Australien in Verbindung stehen. Wie bereits im Blog erwähnt ist auch unsere Familiengeschichte damit eng verbunden und es ist die Erklärung, warum unser doch recht selten vorkommende Familienname „Kalleske“ heute in Australien vertreten ist. Unsere gemeinsamen familiären Wurzeln liegen hier in Posen.

Im Barossa Museum von Tanunda hatte ich damals eine tolle Karte entdeckt, auf der die Orte mit deutschen Bezeichnungen gekennzeichnet waren, aus denen die Auswanderer kamen. Auf dieser Übersicht habe ich gelb markiert, welche relevanten Orte ich zusammen mit Lena am letzten Wochenende in Posen besucht haben.

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Ich möchte vorab gern einen zusammenfassenden Eindruck geben. Hätte Lena mit ihrer Ahnenforschung direkt vor Ort in dieser Gegend begonnen wäre sie ziemlich schnell ernüchtert gewesen. Landschaftlich ist es sehr idyllisch und ruhig gelegen. Und auch die kleinen Orte beginnen sich mehr und mehr herauszuputzen und laden zum Verweilen ein. Dennoch, und meine Vermutung hat sich da leider bestätigt, gibt es bezüglich der alten (familiären) Geschichte nichts – oder kaum etwas – zu entdecken. In Anbetracht der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte ist es auch nachvollziehbar, wenn hier die Menschen polnischer Abstammung nach dem 2. Weltkrieg keine Erinnerungskultur pflegten. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es scheinbar vor knapp 10 Jahren eine Initiative zwischen Polen und Deutschen gab, die symbolische Grabsteine und Kreuze an ehemaligen evangelischen Friedhöfen installiert hat.

Im Gegensatz zu den katholischen sind die evangelischen Friedhöfe heute nur noch sehr schwer als solche zu entdecken. Oft befinden diese sich in Wäldern, abseits von Siedlungen. Lena hat die meisten dieser Friedhöfe übrigens durch Geocaches vorab im Internet aufgespürt. Die Vegetation hat die Gräber vollständig eingenommen, Lena und ich vermuteten unter dem Unterholz und zwischen dem Moos noch jede Menge Grabsteine.

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Manche Grabsteine schauen aus der Erde heraus, ganz wenige sind vollständig noch an Ort und Stelle erhalten. In deutscher Sprache sind liebevolle Texte der Angehörigen oder Verse (vermutlich aus der Bibel) zu lesen.

Lena und ich haben es dennoch als inspirierend empfunden, durch diese Gegend zu fahren, welche unsere Vorfahren vor mehr als 100 Jahren verlassen haben, als sie in westliche Richtung gezogen sind. Zu einigen Orten gibt es Interessantes zu erzählen. Auch hier kann ich Lena und ihre Nachforschungen nicht unerwähnt lassen. Die meisten der folgenden Inhalte hat Lena in akribischer Recherche nach und nach herausgefunden.

 

Cicha Góra (dt. „Chichagora“)

Aus diesem kleinen (etwas zersiedelten) Dorf stammen die Vorfahren der australischen Familie Kalleske. Einige werden sich an den in diesem Blog oft erwähnten Johann George Kalleske erinnern, der 1838 nach Australien auswanderte und nach dem der mit Abstand teuerste Wein des Weinguts Kalleske benannt wurde. Johann George wurde in Chichagora geboren.

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Interessant ist übrigens, dass hier in der Gegend von Chichagora, ebenso wie im Barossa Valley, ein pflanzlicher Rohstoff zu finden ist, aus dem ein alkoholhaltiges Genussmittel hergestellt wird.

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Falsches Business?

 

Albertowsko (dt. „Albertoske“)

Albertoske liegt nur zwei Kilometer südlich von Chichagora. Es ist ebenso ein verschlafenes Nest und es ist der Ort, in dem unsere Vorfahren um 1800 lebten.

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Im Gegensatz zu Chichagora ist es idyllischer und ziemlich abseits gelegen. Lena meinte, dass es ideal für das Leben eines Aussteigers zu empfehlen sei.

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Ich hatte Erinnerungen und Assoziationen mit den sumpfigen und feuchten Feldern des Spreewaldes. Auch gibt es in dieser Gegend sehr viele Storche – ebenso wie im Spreewald. Dieser Vergleich ist naheliegend, denn vor über 300 Jahren siedelten hier aufgrund ausgedehnter Sumpflandschaften noch keine Menschen. Unsere gemeinsamen Vorfahren kamen im 18. Jh. nach Chichagora und Albertoske, um das Land urbar zu machen. Sie erhielten ihr Stück Land von der Regierung verbunden mit der Aufgabe, es trocken zu legen. Im Gegenzug brauchten sie dafür keine Steuern zahlen. Diese Menschen wurden als Hauländer bezeichnet – das klingt wie „Holländer“ und ist kein Zufall. Sie hatten das Knowhow zur Trockenlegung von den Niederländern.

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Klępsk (dt. „Klemzig“)

Aus diesem winzigen Dorf kamen die allerersten deutschen Aussiedler nach Australien im Jahr 1838. In dieser Gemeinde entwickelte und organisierte sich die Absicht zur Auswanderung unter dem damaligen Pastor mit dem Namen „August Kavel„. In Tanunda konnte ich auf dem Friedhof sein Grab bewundern. Im Barossa Valley ist die Geschichte von Pastor Kavel und seine Organisation der preußischen Auswanderer überall zu lesen. Unweit von Adelaide gründeten sie damals die erste Siedlung, der sie den Namen ihres Heimatdorfes gaben: Klemzig. Für die Australier deutscher Abstammung ist dies quasi der Beginn ihrer Geschichte.

Und in dem Heimatdorf in Posen? Hier spielt diese Geschichte überhaupt keine Rolle, es gibt keinen Stein oder eine Gedenktafel, die an diese Auswanderung erinnert. Dieser Ort wirkt so klein, verschlafen und abgeschieden, dass es auf mich einen sehr skurrilen Eindruck hinterließ. Insbesondere weil ich durch meine Zeit in Australien weiß, wie sehr der Ortsname „Klemzig“ mit Bedeutung aufgeladen ist.

Das einzige, was an die Zeit vor 1838 erinnert, ist eine kleine Holzkirche. 1567 erbaut zählt sie zu den wohl bedeutendsten Holzkirchen Polens – immerhin!

Es ist davon auszugehen, dass in dieser Kirche Pastor Kavel vor seiner Auswanderung wirkte und dass er von hier aus sich der Unionsbewegung des Königs widersetzte.

 

Trzciel (dt. „Tirschtiegel“)

In diesem Ort lebte unser Johann Georg Kalleske und hatte den Beruf eines Händlers. Nebenbei war er Botengänger für die lutherische Kirche und kam anscheinend viel herum. Wir vermuten, dass er aufgrund dieser Reisetätigkeit frühzeitig von den Absichten der Auswanderer aus Klemzig erfahren hat und sich aufgrund dessen, zusammen mit seiner Familie, diesen Menschen angeschlossen hat.

Lena und ich sind übrigens nicht die ersten „Kalleskes“ unsere Generation, die Tirschtiegel einen Besuch abgestattet haben. Im August 2016 war Andy Kalleske, der Winemaker von Atze’s Corner sowie unser Cousin 7. Grades, aus dem Barossa Valley angereist und in dieser Gegend zu Besuch. Es wurde sogar darüber berichtet.

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Andy Kalleske mit Eltern (August 2016)
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Sten Kalleske (August 2019)

 

Winemaker Lesson #Exam

In Adelaide haben wir heute das National Wine Centre of Australia besucht. Bei diesem Gebäude handelt es sich eigentlich um ein Konferenzzentrum mit Restaurant und Winetastig. Im oberen Stockwerk gibt es zusätzlich auch eine sehr interessante Ausstellung zum Thema „Wein“ und dessen Herstellung.

Im Rahmen der Besichtigung kann man hier auch sein „Winemaker-Exam“ ablegen. 🙂 Bezüglich der Herstellung eines Shiraz-Weines wurden mir 12 Fragen gestellt. Davon habe ich 11 richtig beantworten können. „Mein“ Wein ist genießbar, entspricht dem Standard und erhält die Note „Silver“. Cool oder? 🙂

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An dieser Stelle kann ich meinen „Mentor“ Troy Kalleske nicht unerwähnt lassen. Troy, I learned so much about winemaking. Thank you so much!

Cheers!

Kein primitiver Traktor

Auf unserer Australien-Reise habe ich in der Gold Rush Colony in Mogo letztens einen alten Traktor entdeckt, der mich an einen Kalleske-Wein erinnert hat.

Da ich über diesen Wein noch nicht geschrieben habe nehme ich dies nun zum Anlass.

Es handelt sich dabei um den „Fordson Zinfandel„.

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Wie bereits beschrieben gibt es im Kalleske-Sortiment Weinsorten, die für das Barossa Valley eher untypisch sind. Das Etikett hat eine rote Hervorhebung des Namens, die Weine werden als „Alternative Range“ kategorisiert und die Bezeichnungen gehen zurück auf Landmaschinen, die innerhalb der Geschichte des Kalleske-Weinanbaus eine bedeutende Rolle gespielt haben. In diesem Fall ist es ein Traktor der Marke Fordson, die übrigens von Henry Ford gegründet wurde und zur Ford Motor Company gehörte.

Die Wein-Bezeichnung „Zinfandel“ ist den Europäern möglicherweise weniger geläufig. Es handelt sich dabei um nichts anderes als einen „Primitivo“ – und genauso lecker schmeckt er auch! 🙂

Es sei angemerkt, dass der Name nichts mit dem deutschen Wort „primitiv“ zu tun hat. Einige der Trauben reifen relativ früh. „Primo“ ist italienisch und lässt sich übersetzen mit „der Erste“.

Primitivo gehörte bereits schon vor meiner Zeit in Australien zu meinen Lieblingsweinsorten. Eine Reise nach Apulien im Jahr 2015 brachte mich damals auf den Geschmack. In Deutschland kann man übrigens einen sehr leckeren Primitivo bei Kaufland erwerben. Sein Name lautet „Doppio Passio Salento“ und er ist sogar als Bio-Wein erhältlich. 🙂

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Ein Festival zum Abschluss

Diese Wochenende stand ganz im Zeichen des Barossa Vintage Festivals. Höhepunkt war eine Parade, die von Nuri nach Tanunda führte. Es wurde so ziemlich alles aufgefahren, was Räder hat. 🙂

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Zwei Tage lang haben wir uns durch das Barossa Valley treiben lassen und dabei verschiedene Stationen angesteuert. Mir hat es sehr viel Freude gemacht, Maiky durch diese tolle Gegend zu führen, die sich manchmal schon wie mein zu Hause angefühlt hat.

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Zum Abschluss besuchten wir die Winery, die ganz wesentlich meine Zeit in den letzten neun Wochen geprägt hat.

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Es ist schon irgendwie etwas ungewohnt, Maiky jetzt in dieser Szenerie zu beobachten. Und während ich ihm in „meiner“ Winery alles erklärt habe überkam mich mehr und mehr ein Gefühl der Wehmut. Oh ja, mir wurde jetzt bewusst, dass diese Zeit nun wirklich zu Ende ist. Zum letzten Mal habe ich hier das Licht ausgeschaltet und die Tore geschlossen.

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Ich hatte in den letzten Wochen öfters einen Gedanken. Die Vorfahren von Troy und Tony sind damals sicherlich nach Australien gekommen, um ein glückliches Leben wiederzufinden. Was sie nicht wussten ist, dass sie mit dieser Entscheidung auch einen Nachkommen der Daheimgebliebenen 180 Jahre nach ihrer Ankunft in Australien sehr sehr glücklich gemacht haben!