Mungo National Park

Australien hat die gleichen Osterfeiertage wie Deutschland. Auch was die Tradition angeht kann ich zumindest für das Barossa Valley sprechen, Osterhasen und bemalte Ostereier sind hier überall genauso anzutreffen. Das ist schon bemerkenswert, denn diese Symbole der Fruchtbarkeit stehen ja eigentlich in enger Verbindung mit dem Frühling. Hier hält jedoch der Herbst Einzug, was anhand der Vegetation unschwer zu erkennen ist.

Ich habe die zusammenhängenden Feiertage genutzt, um zwei Nächte im Mungo National Park zu verbringen. Dieser Park liegt bereits in dem Gebiet, was die Australier als „Outback“ bezeichnen – also abseits der besiedelten und grünen Küstengebiete im Landesinneren.

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Die Strecke von meiner Unterkunft in Nuri bis zum Mungo NP beträgt 430 km und man benötigt dafür in etwa fünf Stunden mit dem Auto. Die letzten 100 km (etwas mehr als eine Stunde) müssen auf einer unbefestigten Straße zurückgelegt werden, die Aussis sagen: Dirt Road

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Man fährt und fährt und fragt sich die ganze Zeit, kommt da überhaupt noch was? 🙂 Auf der ganzen Strecke ist mir zweimal ein Auto entgegengekommen. Mobilfunkverbindungen funktionieren im Outback nicht mehr, ab Mildura gab es keinen Kontakt mehr zur Außenwelt.

Untergekommen bin ich die zwei Nächte in einer preisgünstigen Lodge, mit sehr einfachen Betten und Gemeinschaftsdusche, die auch von Campern genutzt wird. Außerdem bietet die Anlage ein Restaurant für Breakfast und Dinner. Abgesehen vom Offline-Status hatte ich also alles, was ich brauche. 🙂

Auch ein Emu konnte ich hier aus nächster Nähe beobachten.

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Das Gebiet umfasst mehrere ausgetrocknete Seen. Hauptattraktion ist der Lake Mungo mit der Walls of China.

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Diese „chinesische Mauer“ ist die östliche Abbruchkante des Sees, ein über 30 km langer Dünenhalbkreis mit bizarren Gesteinsformationen.

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Den Namen haben sich wohl Chinesen ausgedacht, die hier vor ca. 100 Jahren als Schafscherer in einer naheliegenden Schafzucht gearbeitet haben. Vermutlich hat der Anblick dieser Düne sie an die chinesische Mauer erinnert. Es ist gut möglich, dass diese Abbruchkante damals mehr wie eine Mauer ausgesehen hat. Allerdings veränderte die äolische Erosion (ja, das Wort habe ich gegoogelt :-)) das Aussehen stark. Die Düne soll angeblich pro Jahr um ca. 1,5 Meter nach Osten wandern.

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Übrigens wurden hier auch Relikte und Skelette der Aborigines entdeckt. Mit einem Alter von ca. 50.000 Jahren zählen diese zu den ältesten Zeugnissen der Aborigine Kultur.

Die Weite ermöglicht großartige Ausblicke, insbesondere bei Sonnenuntergang.

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In der Lodge-Anlage war ich nicht allein, ich bin sehr gut mit anderen Leuten (meist Australier) ins Gespräch gekommen. Zum Dinner habe ich immer das Angebot erhalten, mich mit an den Tisch zu setzen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Am ersten Abend erzählten mir die vier Leute am Tisch, dass sie aus Melbourne stammen und für die Anreise 1,5 h benötigt haben. Zuerst habe ich dies nicht weiter hinterfragt. Die Karte vor Augen hätte ich Melbourne jedoch viel weiter entfernt geschätzt. Die Auflösung war – sie sind nicht mit dem Auto angereist, sondern mit dem eigenen Kleinflugzeug. Direkt neben der Lodge-Anlage befindet sich ein Airstrip, eine befestigte Landebahn. Die Anreise erfolgt genauso unkompliziert wie mit dem Auto. Bevor die Vier am nächsten Morgen ihren Abflug machten zeigte mir der Pilot noch schnell sein Flugzeug.

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Happy Easter! Dem Osterhasen bin ich hier übrigens auch begegnet. 🙂

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Winemaker Lesson #14 – Driving Forklift

Kurz vor Ende meiner Zeit auf dem Weingut hat mich Darren mal rangelassen – an den Forklift (Gabelstapler). Damit wird hier so ziemlich alles transportiert. Das Fahren macht Spaß und ist eigentlich easy. Die Aktionen auf und mit der Gabel erfordern aber etwas mehr Fingerspitzengefühl. Die Gabel ermöglicht vier verschiedene Bewegungen: hoch/runter, kippen, seitwärts und drehen

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Ach ja – mit diesem Gefährt hätte ich gern noch länger ein paar Runden gedreht. 🙂

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The last Pressing is Depressing

Es war abzusehen, dass auch dieser Tag einmal kommen musste. Die letzte Pressung stand heute an, in einem Durchlauf wurde nacheinander der Inhalt aller fünf Fermenter gepresst. Das war’s, in diesem Jahr wird es hier kein Pump-Over und Pressing mehr geben.

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Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, wie kommt eigentlich das letzte Stück vom Cake aus der Presse. Bisher haben wir dieses Stück immer in der Presse gelassen bis zum nächsten Durchlauf. Die Antwort war dann ernüchternd. Man drückte mir einen Schraubenzieher in die Hand zusammen mit der Äußerung „Digging“.

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Nachdem ich einige Minuten in dem Cake mühsam herumgestochert habe grinsten mich Darren und Troy an. Ich hätte es wissen müssen – Australian Kidding! Troy fuhr rückwärts mit seinem Auto an die Presse und entlud mehrere Beutel Eiswürfel. Total simpel und genial – der letzte Cake wird einfach mit Eis herausgedrückt, welches in die Presse gegeben wird. Easy!

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Nachdem der Cake entfernt wurde konnte ich zum ersten Mal die Presse von innen sehen.

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Über die Kidding-Aktion kann ich lachen, allerdings hinterlässt dieser letzte Tag meiner Lieblingsbeschäftigung schon einen tieferen mitunter melancholischen Eindruck.

Pressing is Done!

Ein Händler namens „Cab-Sauv“

Wie bereits beschrieben, die Ernte ist abgeschlossen. In den Fermentern befinden sich nun die Beeren der letzten Felder. Damit beginnt für mich jetzt allerdings eine sehr spannende Zeit, denn noch nie war die Variation der Weine in den Fermentern so groß wie jetzt. Da ich weiterhin mit der Aufgabe des Pump-Over betraut bin darf ich zweimal pro Tag ein Tasting von jeder Saft-/Weinsorte durchführen. Dabei kann ich dann sowohl olfaktorisch als auch gustatorisch die Veränderung der Zuckerlevel beobachten. 🙂 In meinem Portfolio befinden sich jetzt folgende Weinsorten: Grenache, Grenache (Old Vineyard), Zinfandel, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. Bis Freitag letzte Woche hatte ich zusätzlich noch einen Durif im Angebot. 🙂

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Der Cabernet Sauvignon im Fermenter Nr. 11 stammt übrigens nicht direkt von der Kalleske-Farm, sondern von Tonys Grundstück, welches sich einen halben Kilometer entfernt befindet. Cab-Sauv, wie die australischen Weinmaker sagen, ist übrigens weltweit absoluter Spitzenreiter. Keine andere Weinsorte wird in so vielen Ländern angebaut wie der Cab-Sauv. Auch was die Gesamtzahl in Hektar weltweit angeht ist der Cab-Sauv ungeschlagen die Nummer 1. Somit ist zu erwarten, dass auch das Kalleske Weingut einen Cabernet Sauvignon im Angebot hat. Er trägt den Namen „Merchant“, zu Deutsch „Händler“.

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Eigentlich wollte man den Wein „Kym“ nennen (nach Troy und Tonys Bruder). Der Name war jedoch nicht passend und wohlklingeln für einen Wein. Somit suchte man nach einer Gemeinsamkeit von Kym und dem prominenten Vertreter der Familien-Geschichte Johann Georg. Man entschied sich dann für den Beruf des Händlers, denn sowohl Kym als auch J.G. handel(te)n mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Unser Johann Georg nutzte damals in Posen seine Reisetätigkeit als Händler übrigens zusätzlich noch in der Funktion des Botengängers der Lutheraner. Im Auftrag der Kirche sorgte er für den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Kirchengemeinden. Wir vermuten, dass dieser frühzeitige Informationsgewinn bezüglich der Pläne zur Auswanderung nach Südaustralien der Grund war, warum sich J.G. zusammen mit seiner Familie bereits den ersten Aussiedlern auf dem Schiff „Prince George“ anschloss. Die meisten dieser ersten Aussiedler kamen nämlich aus Klemzig, unser J.G. stammte allerdings aus Tirschtiegel.

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Ich hätte übrigens noch eine andere Erklärung, warum man den Cabernet Sauvignon nach dem Beruf unseres Johann Georg benennt. Ein Wein, der so oft angebaut wird wie kein anderer, muss demzufolge auch die Weinsorte sein, die am meisten gehandelt und verkauft wird. Es wäre also sehr logisch und nachvollziehbar, diesem Wein „Merchant“ zu bezeichnen.

Vielleicht fragen mich einige Blogleser jetzt nach dem Geschmack. Tja, es ist ein Cabernet Sauvignon, wenn man diesen serviert oder verschenkt kann man eigentlich nichts falsch machen – man macht aber auch nichts Besonderes. Daher fällt auch mein Urteil weder positiv noch negativ aus. Cheers! 🙂

The Centennial Taste Experience

Am heutigen Freitagabend wurde ich von Shawn und seiner Frau Briony zum Essen eingeladen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet.

Das Restaurant heißt 1918. Die Bezeichnung geht zurück auf das Jahr, in dem das Haus, in dem sich das Restaurant befindet, errichtet wurde. Es liegt mitten in Tanunda und war damals das Heim einer Familie. Dieses familiäre Ambiente ist auch heute noch erhalten geblieben. Shawn kennt Sid, den Besitzer des Restaurants, sehr gut. Er serviert natürlich seinen Laughing-Jack-Wein und auch einen Kalleske-Wein habe ich auf der Weinkarte gefunden.

Am heutigen Abend gab es ein Event-Dinner unter dem passenden Titel „The Centennial Taste Experience“. In fünf Gängen wurden Speisen zusammengestellt, die einen kulinarischen Einblick in die Geschichte des Barossa Valley geben. Die deutschen Wurzeln sind dabei unschwer zu erkennen.

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Das Essen inklusive der Weinbegleitung hiesiger Weingüter war ausgezeichnet.

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Abgerundet wurde dieser Abend mit dem Vortrag einer Historikerin, die unter anderem ein Buch mit dem Titel Barossa Food verfasst hat. Ihr Name ist Angela Heuzenroeder.

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In ihren Erzählungen ging es um die Esskultur deutschen Ursprungs, ergänzt mit geschichtlichen Hintergründen. Noch heute sind „Mettwurst“ und „Streusel Cake“ gängige Bezeichnungen hier in Südaustralien. Letzterer wird von den jungen Australiern allerdings nur noch als „German Cake“ bezeichnet. Als ich Shawn die vollständige Übersetzung des „Streuselkuchens“ erklärte kamen tief verborgene Erinnerung seiner Kindheit wieder hoch. Seine Großmutter hatte früher doch immer vom „Kuchen“ gesprochen, als sie diesen zum Kaffee kredenzte. Auch die „Rote Grütze“, dessen Rezept entsprechend der Region angepasst wurde und aus Weintrauben gemacht wird, kennt hier jeder Australier. Das erste Mal habe ich diese Barossa-Variante der Roten Grütze bei Lorraine probieren dürfen und ich war hin und weg. 🙂

Es ist faszinierend zu erfahren, wie Kultur, Geschichte und Sprache im Kulinarischen zu finden sind und wie sich dies weiterentwickelt hat. All diese deutschen Bezeichnungen zeigen deutlich, dass früher hier im Barossa Valley viel mehr Deutsch gesprochen wurde als heute. Auch Shawn und Troy erzählten mir, dass ihre Großeltern noch Deutsch gesprochen haben. Insbesondere bei geselligen und feuchtfröhlichen Anlässen wurde zu später Stunde deutsches Liedgut angestimmt, was bei den jungen heranwachsenden Enkeln jedes Mal einen befremdlichen Eindruck hinterließ.

Angelas Erzählungen waren unglaublich interessant. Ich habe regelrecht an ihren Lippen gehangen und ich war sehr froh, dass sie ein klares Englisch gesprochen hat, was bezüglich der meisten Australier hier nicht selbstverständlich ist. Ihre Geschichte über die deutsche Kultur deckt sich mit dem, was ich in einigen Museen bereits erfahren habe. Mit dem Ende des 1. Weltkrieges kam es bezüglich der deutschen Sprache zu einem regelrechten Bruch. Die Australier mit deutschen Wurzeln pflegten die deutsche Kultur, identifizierten sich jedoch nicht mit Deutschland. Schließlich sind die Vorfahren ja aufgrund von religiöser Verfolgung ausgewandert. Die Australier deutschen Ursprungs hatten somit schon längst keine innere Verbundenheit mehr mit der deutschen Politik. Aus Angst inmitten der britischen Australier als „Germans“ bezeichnet zu werden und mit Vorurteilen konfrontiert zu sein, änderten viele Familien und sogar ganze Städte ihre Namen. Beispielsweise wurde aus „Neumann“ „Newman“ und aus „Rosenthal“ wurde „Rosedale“. Auch ein Stadtteil von Tanunda hatte früher einmal die Bezeichnung „Langmeil“, benannt nach einer preußischen Gemeinde im heutigen Polen. Nur wenige Orte, wie zum Beispiel Hahndorf, änderten ihre Namen wieder zurück.

An diesem Abend verging die Zeit wie im Fluge. Ich habe mich mit Shawn und Briony über die Familie, Shawns Kindheit und die deutsche Sprache unterhalten. An unserem Tisch saß uns ein älteres Paar gegenüber, welches in unsere Unterhaltung einstieg und ganz begeistert war von unserer Familiengeschichte sowie der Tatsache, dass Shawn mein Cousin 7. Grades ist. Als sie sich verabschiedeten bedankten sie sich ganz außerordentlich für diese anregende Konversation. Diese Story scheint nicht nur die Kalleskes zu begeistern sondern auch andere zu inspirieren. Lena – auch hier kann ich Dich und die Ergebnisse Deiner Forschungen nicht unerwähnt lassen!

Dieser Abend wird Shawn, Briony und mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Dies war eine ausgesprochen geniale Idee von Shawn und dafür bin ich sehr dankbar!

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Auf der Speisekarte könnt Ihr übrigens sehen, mit welchem Tawny Port wir diesen Abend beendet haben. „It fits perfectly, don’t you think?“ 😉

Winemaker Lesson #13 – Cleaning Solar Panels

Vielleicht ist dies keine Aufgabe, die direkt etwas mit Winemaking zu tun hat. Dennoch benötigen all die Pumpen, der Crusher und die Presse Energie – und die kommt vom Dach.

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Eine 170 m² große PV-Anlage, bestehend aus 85 Modulen und einer Gesamtleistung von 15 kW, liefert ungefähr 25.000 kWh pro Jahr. Dies ist ausreichend, um die Stromversorgung für die gesamte Winery sicherzustellen. Einer der größten Stromverbraucher wäre übrigens ein herkömmliches Kühlungssystem. Hier hat Troy jedoch eine clevere Alternative gefunden. Der Einsatz eines Systems basierend auf Verdunstungskühlung erzeugt kühles Wasser mit einer Temperatur von ungefähr 15°C. Dies ist völlig ausreichend, um die Fermenter und Tanks zu kühlen und im hohen Grade effizient und nachhaltig.

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Troy zahlt somit keinen einzigen Cent für Strom. Mit der PV-Anlage wird sogar mehr Strom als nötig produziert, welches in das Netz eingespeist und an die Stadtwerke verkauft werden kann.

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Meine Aufgabe bestand nun darin, diese Solarmodule zu reinigen, was bei diesem Wetter mit Aussicht vom Dach nicht die schlechteste Aufgabe ist. 🙂

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Der sichtbare Unterschied (vorher/nachher) ist enorm!

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Sicherlich wird dies auch eine Effizienzsteigerung gebracht haben. In Werten lässt sich dies jedoch nur schwer ermitteln, denn das Monitoring der PV-Leistung ist nur sehr grob und man benötigt vergleichbare Rahmenbedingungen.

Harvesting is Done

Alle noch übrigen Felder wurden am Montag und am Dienstag geerntet. Das war’s, die gesamte Ernte ist nun eingeholt! Da schwimmt schon ein wenig Wehmut mit, da bin ich ganz ehrlich! 😐

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Daher war ich sehr froh, dass ich beim letzten Handpicking am Montag dabei sein konnte. Ähnlich wie beim Johann Georg Vineyard handelt es sich hier um ein sehr altes Feld, dessen Wein (Grenache) im Jahr 1935 gepflanzt wurde.

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Der Ertrag war ziemlich hoch. Ganz anderes als der Shiraz hat der Grenache große und dicht wachsende Trauben. Da kam einiges zusammen.

Aufgrund der Besonderheit des Feldes zählt dieser Wein zu der Kategorie „Old Vine“. Dessen Flaschen mit der Bezeichnung Old Vine Grenache sind auch nicht gerade günstig zu erwerben.

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Probieren konnte ich diesen Wein zum ersten Mal am Dienstagabend. Im Vergleich zum trockenen Shiraz ist der Grenache ziemlich fruchtig. Vielleicht habe ich aber noch einmal die Möglichkeit, diesen „Old Vine Grenache“ erneut zu probieren. Der Rahmen, warum dieser Wein geöffnet wurde, war für mich nicht die passende Stimmung, um einen solch erhabenen Wein zu trinken und die feinen Unterschiede wahrzunehmen. Ich bin übrigens der Meinung, dass der Geschmack von Wein von sehr vielen Aspekten abhängen kann. Dies kann die Tageszeit oder das Wetter sein. Vor allem aber spielt das eigene Wohlbefinden eine große Rolle. Das ist schon bemerkenswert und macht den Genuss von Wein nicht weniger interessant.

Der Anlass war übrigens Besuch aus China, der sich für Dienstagabend angekündigt hat. Vertreter mehrerer chinesischer Distributoren des Kalleske-Weins kamen vorbei, um das Weingut kennenzulernen. Und Ihr könnt Euch vorstellen, welches Wort am häufigsten erklungen ist: Gānbēi!

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Meeting the Laughing Jacks

Am Sonntag habe ich eine weitere Kalleske-Familie getroffen. Wie bereits erwähnt, die Kalleskes haben sich hier im Barossa-Valley in den letzten 180 Jahren stark vermehrt während die Anzahl in Europa sehr überschaubar geblieben ist.

Ich war zu Besuch bei Ian Kalleske, seiner Frau Carol und deren drei Söhnen Nathan, Shawn und Damon. Dies ist eine ganz liebevolle Familie, ich wurde herzlichst empfangen.

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Natürlich tauschten wir uns über unsere Familie und die Geschichte aus. Ich glaub, das war für beide Seiten ziemlich interessant. Damon wohnt mit seiner Familie direkt neben Ian und Carol in einem alten Haus, welches er erweitert hat und das bereits seinem Ur-Urgroßvater August Kalleske gehörte. Dieser ist wiederum ein Enkel des Johann Georg Kalleske, der 1838 nach Australien emigrierte. Damon, sowie seine Brüder, sind somit Troys Cousins 4. Grades und meine Cousins 7. Grades. Kommt ihr noch mit? 😊

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Den Beweis bezüglich des alten Hauses liefert übrigens ein altes Foto, auf dem Shawn die Position und Anordnung der Steine in der Wand eindeutig identifizieren konnte.

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Es ist keine große Überraschung, auch die Familie von Ian Kalleske ist im Weingeschäft tätig. Das Weingut dieser Familie trägt den tollen Namen Laughing Jack, was auf die Bezeichnung eines australischen Eisvogels zurückzuführen ist. Im Deutschen wird er Jägerliest genannt. Tatsächlich ist sein Markenzeichen seine Stimme, die an lautes Gelächter erinnert (bei Wikipedia gibt es ein Hörbeispiel).

Das Weingut, welches insbesondere von Shawn betrieben wird, habe ich bereits vor knapp zwei Wochen besucht. Vieles davon kam mir bekannt vor, denn natürlich gehören auch hier Fermenter, Tanks und Fässer zur Grundausstattung.

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Die Presse, die Shawn benutzt, ist jedoch etwas anders. Es handelt sich hier um eine „Basket Press“ (bezüglich der deutschen Bezeichnung bin ich mir nicht ganz sicher), die jedoch im Gegensatz zur Presse von Troy manuell geleert werden muss. Auf dem Weingut Kalleske kommt der Cake, wie beschrieben, nach der Pressung automatisch heraus.

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Nachdem ich mich am Sonntag verabschiedet hatte führte mich Shawn im Anschluss noch über seine Weinfelder, die nicht weit entfernt vom Weingut Kalleske, ebenfalls im Norden des Barossa Valleys, liegen. Er erzählte mir ähnliches, wie ich es auch schon von Troy erfahren habe. Er ist total glücklich darüber, dass seine Vorfahren die Entscheidung getroffen haben, diese Ländereien zu erwerben. Die Böden sind im Norden ausgesprochen gut und auch die klimatischen Bedingungen sollen in dieser Höhenlage viel besser sein, als in der Talsohle. Angeblich soll der beste Shiraz aus dem Norden des Barossa Valley stammen.

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Die Aussicht von seinen Feldern ist herrlich. Es gibt nicht viele Punkte im Barossa Valley, hier jedoch lässt sich das Tal als solches auch wahrnehmen.

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Übrigens gab es auf einer von Shawns Flächen früher einmal Goldminen. Diese Zeit war jedoch schon lange vorbei, bevor sein Großvater dieses Stück Land erworben hat. Der Ertrag war wohl nicht besonders gut. Ich finde dies ist irgendwie ein interessanter Gedanke, Land zu besitzen, auf dem früher einmal Gold abgebaut wurde. 🙂

Woolgangi Sheep Station

Für Samstag habe ich eine ganz besondere Einladung erhalten. Der Schwiegervater von Troy, sein Name ist Ian, fragte mich letztens, ob ich ihn nicht einmal auf seiner Sheep-Station „Woolgangi“ besuchen möchte. Er besitzt dort ein Stück Land und betreibt eine Schafzucht. Diese Einladung nahm ich natürlich sehr gerne an. Man sagte mir bereits im Vorfeld, dies sei „total different“ im Vergleich zum Barossa Valley. Ich war sehr gespannt.

Getroffen habe ich Ian in Burra, eine alte Minenstadt. Hier wurde noch bis Anfang der 80er Jahre Kupfer abgebaut. Burra liegt ca. 100 km nördlich von Nuri entfernt und hat heute nur noch knapp 1.000 Einwohner.

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Zentrum von Burra

Ian kam in Burra zusammen mit seinem Schwiegersohn Dennis und dessen zwei Söhnen (9 und 11 Jahre) an. Die zwei berichteten mir ganz stolz, dass sie auf dem Weg von der Sheep-Station nach Burra – nicht Schafe – sondern Kängurus gezählt haben, und zwar insgesamt 132 Stück! Diese Zahl erschien mir selbst fürs „Schäfchen zählen“ zu hoch gegriffen. Ich lächelte und gab einen Ausdruck des Erstaunens zurück. Ich bin ehrlich – geglaubt habe ich dies nicht.

In Burra hat Ian dann das Steuer meines Fahrzeugs übernommen. Er wollte mir alles zeigen und es wäre einfacher, wenn er fährt. Mir war das sehr recht, denn dann konnte ich in Ruhe Fotos machen. Zuerst zeigte er mir den alten Kupfer-Tagebau von Burra sowie einen erhöhten Aussichtspunkt. Der Ausblick zeigt deutlich, dass Burra früher einmal mit 5.000 Einwohnern wesentlich dichter besiedelt gewesen sein muss.

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Hinter den Hügeln, die auf dem Foto zu sehen sind, beginnt eine vollständig andere Landschaft. Vor uns lag eine Strecke von 63 km quer durch eine einsame Steppenlandschaft.

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Ian erklärte mir später noch, wie groß sein Land ist. Es hat eine Ausdehnung von 20×25 Kilometern und hat insgesamt eine Fläche von 302 km². Solche Größenverhältnisse kann man sich eigentlich nur vorstellen, wenn man einen Vergleich hat. Ich habe gegoogelt, dies entspricht ungefähr der Fläche der Stadt München!

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Für eine Schafzucht, in der Wolle ja eine große Rolle spielt, ist der Name „Woolgangi“ doch ziemlich passend. Mir wurde allerdings erklärt, dass dies eine Bezeichnung der Aborigines für diese Gegend sei.

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Auf dem Weg zur Sheep-Station habe ich festgestellt, dass die Kids doch nicht gelogen haben. Ich glaube, ich habe an diesem Tag mehr Kängurus gesehen, als in meinem ganzen bisherigen Leben, einschließlich aller Zoo-Besuche sowie meiner bisherigen Zeit in Australien. Für einen Europäer ist das überwältigend, Ian machte allerdings die Bemerkung: „just a kangaroo“ 🙂

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Um einen Eindruck zu gewinnen, wie viele Kängurus ich an diesem Tag gesehen habe, stelle ich Euch ein Video zur Verfügung. Es ist ein Zusammenschnitt einiger Aufnahmen. Ein Emu ist mir übrigens auch noch über den Weg gelaufen.

Und noch einer australischen Spezies sind wir begegnet, eine Tannenzapfenechse. Diese sind recht träge und lassen sich daher relativ einfach fangen.

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Als wir in der Sheep-Station angekommen sind war ich gefühlt mitten im Nirgendwo. Drum herum war Nichts, und davon ganz viel. Außer vielleicht ne Menge Kängurus. 🙂

Es herrschte absolute Windstille, die Ruhe war überwältigend.

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Ian lebt hier zusammen mit seiner Frau. Troys Schwägerin war zusammen mit ihrer Familie hier gerade zu Besuch. Im Juli, wenn die Schafe geschoren werden, werden sie von mehreren Schafscherern unterstützt, die hier für diese Zeit auch Quartier beziehen.

Ian setzte unsere Tour fort und wir fuhren zusammen mit seinem Auto durch das 302 km² große Land. Neben Kängurus haben wir natürlich auch einige seiner Schafe gesehen, die das ganze Jahr über in verschiedenen (riesigen) Abschnitten gehalten werden.

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Zum Einfangen der Schafe dienen übrigens diese künstlich angelegten Wasserstellen. Davon gibt es auf Woolgangi insgesamt 40 Stück.

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Ein Zaun mit Schleusensystem, der um diese kleine Wasserstelle errichtet wird, ermöglicht es den Schafen dann nur noch an das Wasser zu kommen jedoch nicht mehr zurück. Dieser Vorgang dauert ca. 1 bis 2 Wochen, dann sind alle Schafe eines Areals eingesammelt.

Die Gesamtanzahl der Schafe ist schwierig zu bestimmen. Es gibt ca. 3.000 weibliche Schafe auf Woolgangi, hinzu kommt noch eine geringe Anzahl männlicher Schafe. Jedes weibliche Schaf bekommt pro Jahr ein Junges. Viele werden jedoch als Lamm an den Schlächter verkauft. Wenn die Schafe ein Alter von 6 Jahren erreicht haben werden sie verkauft und ebenfalls verarbeitet. Das Scheren der Wolle erfolgt 1x jährlich im Juli.

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Ian hat die Sheep-Station von seinem Vater übernommen. Der Lauf der langen Zeit lässt sich auf dem Grundstück an vielen Dingen ablesen. Die Kulisse würde sich bestens für eine Filmproduktion eignen.

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Vor dem Sonnenuntergang habe ich mich dann wieder auf dem Rückweg gemacht. Begleitet wurde ich erneut von der australischen Fauna – „But, it’s just a kangaroo!“ 🙂