Winemaker Lesson #12 – Digging out the Mash

Heute durfte ich den Fermenter mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen. In einem Tank war ich ja bereits, heute sende ich Grüße aus dem Fermenter Nr. 12. 🙂

img_3758

Der „Free Run“ wurde bereits abgepumpt und die Maische muss nun hinaus befördert werden, um sie in die Presse zu geben. Dazu wird im unteren Bereich die Klappe geöffnet, was übrigens allein schon für die Luftzufuhr im Fermenter sehr vorteilhaft ist. Man ist umgeben von zwei bis drei Tonnen Maische, die nun herausgeschaufelt wird.

img_3762

Direkt unterhalb der Fermenterklappe befindet sich ein Container (bin), in dem die Maische aufgefangen und gesammelt wird. Der Boden des Fermenters ist zur Öffnung hin etwas abfallend, was die Schaufelei vereinfacht.

img_3768

Ein Container reicht in den meisten Fällen nicht aus. Somit muss ein weiterer leerer Container drunter geschoben werden. Die Hupe an der Seite wird betätigt, wenn der erste Container voll ist.

img_3768_hupe

Man kann dann nur noch hoffen, dass diese Hupe auch durch eine Person mit Gabelstaplerbedienungskompetenz erhört wurde. Ansonsten ist die Kommunikation von innen nach außen eher schwierig.

img_3779

Nach ca. 15 Minuten ist der Fermenter leer und gesäubert.

CCCLXV Durif

Vor einigen Tagen habe ich eine ungewöhnliche Aufgabe im task book gefunden.

img_3663_mark

Gepresst wurde bisher die Maische, die zuvor in einem Fermenter mit der Bezeichnung „F__“ den Prozess der Gärung durchlaufen hat. Wie bereits beschrieben, es gibt große und kleine Fermenter. Dieser Aufgabe nach soll nun aber der Inhalt eines P-Tanks („PT6“) gepresst und in einen anderen Tank gefüllt werden. Das P steht dabei für Palette und bedeutet, dass dieser Tank nicht besonders groß ist und mit einem Gabelstapler transportiert werden kann. Die Kennzeichnung des Weines auf der rechten Seite ließ dann aber meine Fragezeichen im Kopf langsam verschwinden, denn von diesem besonderen Wein hat mir Troy bereits erzählt. Schon die Jahreszahl „18“ macht deutlich, dass hier etwas gepresst werden soll, das aus dem vergangenen Jahr stammt. „K“ steht für Kalleske-Wein (also kein Fremdlabel) und das „D“ für die Weinsorte Durif, über die ich wenige Tage zuvor bereits geschrieben habe. Die Angabe „365“ ist die Auflösung dieses Rätsels. Die Maische wurde ein ganzes Jahr eingelagert, die Beeren stammen also von der letzten Weinlese. Der Gärprozess war bereits nach der üblichen Zeit von wenigen Wochen abgeschlossen, die Schalen wurden jedoch 365 Tage lang in der Flüssigkeit belassen und nicht entfernt. Der Durif zählt bereits zu den dunklen, erdigen und sehr trockenen Weinen. Durch die Tatsache, dass die Schalen noch viel länger in der Flüssigkeit verbleiben, wird den Beeren noch mehr Geschmack, Tannine und Farbe entzogen. Der Wein wird somit noch konzentrierter, kräftiger und dunkler als er aufgrund seiner Sorte Durif ohnehin schon ist.

Nach dem Buckbord ist dies nun der zweite Durif, den ich hiermit vorstellen möchte. Voilà – der Kalleske Durif CCCLXV.

2017_Kalleske_CCCLXV_Durif

Den Tank mit der besonderen Bezeichnung „PT6“ habe ich dann mittlerweile auf dem Gelände gefunden. Er war in einem anderen Gebäude eingelagert und mit dem Gabelstapler nun vorbereitend an der Presse abgestellt worden.

img_3711

img_3676

Vielleicht erinnern sich einige Blogleser noch an dem Johann Georg, der „First Run“ wird hier auf dieselbe Art und Weise abgelassen.

img_3702

img_3707

Genauso wie der kleine Fermenter wird auch dieser Tank auf den Kopf gedreht, damit die Maische herausfallen kann.

img_3728

img_3739

Aufgrund der kleinen Öffnung muss der Tank jedoch mehrmals und ziemlich lange hin und her geschüttelt werden, damit er sich vollständig entleeren kann.

Wenn man sich die Maische anschaut erkennt man sehr gut, dass sie bereits eine ziemlich dunkle rote Farbe hat.

img_3746
Maische (1 Jahr alt) vor der Pressung

Und auch der Cake sieht nach der Pressung ziemlich dunkel aus.

img_3741

Und natürlich auch dem Wein kann man seinen tiefdunklen erdigen Geschmack bereits ansehen.

img_3748

Dieser Wein wird übrigens nicht mehr in Fässern zwischengelagert. Der Kunde soll in den Genuss kommen, den Durif in seiner reinen, kräftigen und wahrhaftigen Form genießen zu können. Nachdem sich die Sedimente im Tank abgesetzt haben wird dieser Wein aller Voraussicht nach im Mai in Flaschen abgefüllt und geht dann direkt in den Verkauf.

Interessant sind übrigens auch das Etikett und die Namensgebung. Das Schwarz symbolisiert die Kraft und den konzentrierten Gehalt. Bei der Namensfindung hat man sich damals jedoch etwas schwergetan, wurde mir berichtet. Bezeichnungen wie „Full Year“ oder „365“ erschienen den Winemakern Tony und Troy nicht angemessen. Die zündende Idee hatte dann Carol (Tonys Frau). Sie machte den Vorschlag, den Namen in römischen Ziffern darzustellen, um der Weinflasche ein würdevolles Antlitz zu geben. Ich finde diese Idee mehr als passend und absolut genial!

img_3955
Carol zusammen mit Kalleske CCCLXV Durif

 

Winemaker Lesson #11 – Crushing

Über einen Prozess habe ich bisher noch nicht geschrieben. Wie kommen eigentlich die Beeren nach der Ernte in den Fermenter (Gärbottich)? Die Antwort darauf lautet: Crushing

Genau genommen passiert neben den Crushing auch noch das Destemming (Entfernen der Stile). Bevor es losgeht fährt der Anhänger mit den gesammelten Trauben/Beeren auf eine Waage.

IMG_3679

Aus dem Gewicht lässt sich ableiten, wie viele Fermenter benötigt werden. Anschließend werden die Behälter, die wir hier „bin“ bezeichnen, mit dem Gabelstapler in einen Trichter geschüttet (nicht zu verwechseln mit der Presse, diese steht daneben).

img_1652

img_1639

Aus dem Trichter wird die Ernte in den Crusher befördert.

img_1627

Der Crusher hat zwei Aufgaben. Zum einen erfolgt das Entfernen der Stile und ggf. Blätter, zum anderen werden die Beeren ganz vorsichtig zerdrückt – aber nicht gepresst! Im gereinigten Zustand lässt sich sehr gut erkennen, wie das funktioniert.

img_2151

Die Mechanik innerhalb der Trommel dreht sich fortwährend. Diese Stifte drücken dabei die Beeren durch die Löcher. Der Rest wird an der Seite (im Foto im vorderen Bereich) hinausbefördert und dem Kompost zugeführt. Der Beerenbrei wird mit einer besonderen Pumpe und ziemlich dicken Schläuchen nach oben zu den Fermentern gepumpt.

img_3674

Das Ganz passiert relativ schnell und der Fermenter ist gefüllt.

Die Fermenter füllen sich jetzt also wieder. Heute war der Durif im Crusher. Nach dem Shiraz ist auch dieser Wein nun vollständig geerntet. Die Ernte erfolgte heute zum Teil sogar per Hand und ich durfte wieder dabei sein.

img_3682

Per Hand wurden heute neun Reihen des 1994er Durif-Feldes geerntet. Im Gegensatz zu den anderen Reihen sind diese wenigen Weinstöcke noch sehr jung und tragen das erste Mal Früchte. Es wurde befürchtet, dass der Harvester mit diesen Pflanzen vielleicht nicht ganz so sanft umgehen würde wie wir es heute getan haben. 🙂

Der Durif ist für Australien eigentlich eine seltene Weinsorte. Es handelt sich dabei um eine Kreuzung des Peloursin und des Shiraz. Vom Geschmack und vom Aussehen her (sehr dunkle Farbe) soll er dem Shiraz ziemlich ähnlich sein. Im Sortiment der Kalleske-Weine kommt der Durif zweimal vor. Eine Flasche möchte ich an dieser Stelle gern vorstellen.

Alle Weinsorten, die für das Barossa Valley eher untypisch sind, haben auf den Kalleske-Flaschen eine rote Hervorhebung des Namens und werden als „Alternative Range“ bezeichnet. Des Weiteren ist auffällig, dass all diese Weine nach Fahrzeugen oder Landmaschinen benannt sind, die innerhalb der Geschichte des Kalleske-Weinanbaus eine bedeutende Rolle gespielt haben. Der Durif ist nach dem Pferde-Transportwagen benannt und heißt daher „Buckboard Durif“.

2017_Kalleske_Buckboard_Durif

Während ich diesen Beitrag verfasse fällt mir auf, dass ich diesen Wein noch nicht probiert habe. Das muss ich unbedingt bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit nachholen.

Meinen heutigen Feierabend habe ich auf meinem Lieblingsplatz verbracht, der höchsten Erhebung auf dem Gelände der Kalleske-Farm mit Ausblick auf das Barossa Valley. Im unteren Bereich ist die Halle der Weinverarbeitung des Weinguts Kalleske, wo Fässer, Tanks und Fermenter untergebracht sind, zu sehen.

img_3681

A half Day off

Der Shiraz ist durch und Troy hat aufgrund des sonnigen Wetters (der Temperatursturz ist vorbei) entschieden, den Grenache eine Woche länger am Weinstock hängen zu lassen. Somit gibt es auf dem Weingut gerade wenig zu tun und ich habe einen halben Tag frei bekommen. Ich nutzte die Zeit, um im Barossa Valley herumzufahren, mich treiben zu lassen, mich mit verschiedenen Leuten über Gott und die Welt zu unterhalten und um natürlich das fantastische Wetter zu genießen.

Viel gibt es nicht zu erzählen, außer erneut zu betonen, dass das Barossa Valley eine wunderschöne Gegend ist, um die Seele baumeln zu lassen und das Glück auf Erden zu spüren.

img_3515
Sonnenaufgang am Weingut Kalleske
img_3567
Weingut Yalumba
img_3562
Weingut Yalumba, Cellar Door
img_3582
Weingut Yalumba
img_3571
Weingut Yalumba
img_3548
Ein australisches Huhn?
img_3533
Getrocknete Früchte in Gully Gardens
img_3560
Dirt Road, Barossa Valley
img_3635
Rosakakadu
img_3593
Lambert Estate, Cellar Door

Und ich habe heute wieder Kängurus gesehen, diesmal war ich so nah dran wie noch nie. 🙂

 

Captain Hahn‘s Dorf

In den letzten zwei Tagen gab es hier in Südaustralien einen heftigen Temperatursturz von ca. 20 Kelvin. Das kann hin und wieder mal vorkommen, wenn kalte Luft vom Meer aus südwestlicher Richtung kommt. Dies soll aber nach wenigen Tagen wieder vorbei sein.

Ich nutzte das kühle Wochenende, um den touristischen Hotspot „Hahndorf“ zu besuchen. Dieser kleine Ort liegt östlich von Adelaide und ist ca. 1,5 Autostunden von Nuri entfernt.

img_0512

Der ziemlich deutsch klingende Name ist kein Zufall. Es handelt sich dabei um eine der ersten deutschen Siedlungen in Australien aus der Zeit der Ankunft in 1838/1839 (wie hier bereits beschrieben). Die Siedlung wurde benannt nach dem Kapitän des dritten Schiffs „Zebra“, welches am 28. Dezember 1838 Australien erreichte. Der Kapitän hieß Dirk Meinert Hahn, stammte aus Sylt und fühlte sich nicht nur verantwortlich, die lange Überfahrt zu leiten. Er suchte und organisierte für die deutschen Aussiedler auch ein passendes Land. Ihm zu Ehren nannten die Siedler diesen Ort „Hahndorf“.

img_3489

Heute ist das deutsche Erbe dieser Ortschaft unübersehbar. Es gibt zahlreiche Cafés, Bierstuben und Restaurants mit deutscher Küche. Alles spielt sich an der Hauptstraße ab, die schnurgerade durch den Ort verläuft. Obwohl ich anfangs aufgrund der touristischen Bedeutung etwas skeptisch war muss ich sagen, dass ich den Ort ausgesprochen angenehm stilvoll empfunden habe. Die Häuser sind pittoresk und einladend gestaltet, entlang der Straße stehen große Bäume, deren Laubfärbung den Herbstanfang in Australien ankündigen.

img_3431

img_3353

img_3354

img_3429

img_3439

img_3442

img_3357

Da hier viele Touristen aus aller Welt her strömen muss natürlich auch etwas an Unterhaltung geboten werden. Somit gehören Blaskapelle, Lederhosen und Tiroler Hut zum Programm, um die Wahrnehmung und das Sinnbild eines Deutschen in allen Ländern außerhalb von Deutschland zu bekräftigen.

img_3428

img_3427

Allen Daheimgebliebenen versichere ich hiermit, dass ich bisher alle Konversationen mit den Aussis dazu genutzt habe, um dieses Bild des Deutschen zu entschärfen, um eine differenzierte Sichtweise auf Deutschland zu entwickeln. Ich habe immer betont, dass ich persönlich mich nicht mir Lederhose, Oktoberfest und Weißwurst identifiziere, auch wenn das letztgenannte ziemlich lecker ist. 🙂

Eine kulinarische Spezialität aus Berlin ist hier übrigens auch vertreten.

img_3433

Neben all diesen Touristennepps (wobei ich dieses Wort hier aufgrund der wirklich liebevollen und nicht überladenen Gestaltung positiv besetzen möchte) gibt es im Ort auch etwas über die deutsche Geschichte zu erfahren. Dem Kapitän Hahn zu Ehren gibt es mitten im Ort einen Memorial Park.

img_3360

img_3362

Habt Ihr den vorletzten Namen auf dieser Tafel lesen können? Ganz genau, auch wenn hier ein Buchstabe fehlt – es handelt sich dabei um unseren Johann George Kalleske, über den ich bereits in vielen der vergangenen Beiträge geschrieben habe. Es ist etwas verwirrend, denn er kam bereits mit dem ersten Schiff „Prince George“ ein Monat früher nach Australien, schloss sich dann aber den Siedlern in Hahndorf an und wird daher, wie auf dieser Tafel zu lesen ist, mit den „Pioneers of 1839“ aufgelistet.

Unweit von diesem kleinen Park befindet sich das Visitor Center mit einem kleinen angeschlossenen Museum. Und auch hier ist unser Johann George Kalleske erwähnt und ich erhielt sogar die Information, welches Stück Land in Hahndorf ihm zugeteilt worden war.

img_3388

Hahndorf war für die emigrierte Familie Kalleske nur der erste Zwischenstopp, ein paar Jahre später kauften die Nachkommen dann im Barossa Valley Land und ließen sich genau dort nieder, wo Troy und Tony heute das Weingut Kalleske betreiben.

Zufällig kam ich mit einem Mitarbeiter des Visitor Centers ins Gespräch und wir unterhielten uns über diese Darstellung an der Wand. Als er den Namen Kalleske hörte leuchteten seine Augen und ich erwartete jetzt Wörter wie „Wine“ oder „organic“. Aber nein – das Wort, welches ich aus seinem Munde vernahm, lautete: „Mettwurst“

Wie bitte? Ganz genau, die Kalleske-Mettwurst soll doch so lecker schmecken. Und Google sei Dank konnte ich es bestätigen, es gibt in Australien eine Wurst, die Kalleske heißt. 🙂 Sie wird in Smithfield, nördlich von Adelaide, produziert.

Ich bedankte mich außerordentlich für diesen Hinweis. Ich nahm mir fest vor, diesen Sachverhalt noch zu ergründen. Bisher hatte ich davon keine Kenntnis. Als ich das Visitor Center verließ entdeckte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen winzigen Supermarkt. Ich hatte die verrückte Idee, spontan zu überprüfen ob es diese Wurst hier in Hahndorf vielleicht sogar zu kaufen gibt. Als ich die Wursttheke erreichte entdeckte ich dann das hier.

img_3418

img_3419

Ich konnte es nicht glauben, bin ich vielleicht auch in den anderen Supermärkten hier in Australien schon an der Kalleske-Wurst vorbeigelaufen? Die Wurstverkäuferin erklärte mir, dass diese Wurst in Südaustralien doch ganz bekannt und äußerst beliebt sei.

Ich muss vielleicht noch einmal klarstellen. Es ist jetzt nicht so, dass der Name Kalleske in Europa an jedem zweiten Klingelschild zu lesen ist. Lena und ich sind uns ziemlich sicher, alle Kalleskes in Deutschland gefunden und mit unserem Stammbaum verknüpft zu haben. Die Anzahl unsere Namensvertreter in Deutschland lässt sich an vier Händen abzählen. In Australien bzw. in der Gegend des Barossa Valley ist dieser Name heute weitaus häufiger vertreten.

Vermutlich werde ich mein nächstes Sabbatical ja in einer australischen Fleischverarbeitung absolvieren. 🙂 Natürlich habe ich zwei Exemplare dieser Wurst gleich erworben. Ich habe vor, diese zusammen mit Troy und Darren auf dem Weingut zu verköstigen.

Wie vielleicht Euch Bloglesern nicht entgangen ist – meine Vorliebe in Bezug auf proteinhaltige Nahrungsmittel hat ja eigentlich einen anderen Schwerpunkt. Und daher endete dieser tolle Tag für mich heute in Hahndorf hier:

img_3444

img_3447

„Warum nochmal …?“ 😄

Tasting Wine at Kalleske Cellar Door

Vor knapp zwei Wochen habe ich davon berichtet, dass man hier im Barossa Valley jede Menge „Cellar Doors“ besuchen kann. Auch das Weingut Kalleske hat natürlich einen eigenen Cellar Door, dem Kalleske Wine Store. Dieser liegt mitten in dem kleinen Ort Greenock.

img_2683

Dieses Haus war bis in die 70er Jahre ein Gemischtwarenladen. Heute beherbergt es nun den Tasting-Room sowie den Weinshop des Weinguts Kalleske. Gleich daneben befindet sich das Office. Der kleine LKW stammt aus den 50er Jahren, dient heute als Eyecatcher und wird jeden Morgen von Tony aus der Garage raus und abends wieder reingefahren.

img_2653

Im Kalleske Cellar Door habe ich heute Alex besucht. Sie veranstaltet hier die Tastings, berät kompetent zu allen Kalleske-Weinen und verkauft diesen natürlich auch sehr erfolgreich. Ein „special private tasting“ hat sie mir schon seit mehreren Wochen versprochen. Dieses Versprechen wollte ich heute nun einlösen.

img_3208

Die Innenräume sind sehr stil- und geschmackvoll eingerichtet. Eine sinnliche Musik sorgt für eine angenehme Atmosphäre.

img_3217

img_2655

img_3221

img_3212

Einige der angebotenen Weine sollten dem aufmerksamen Blogleser bereits bekannt vorkommen. 😉

img_3214

Mein Tasting begann heute auf der linken Seite und endete bei der Flasche ganz rechts.

img_3229

Alex macht das wirklich ganz wundervoll. Zu jedem einzelnen Wein erhält man alle wissenswerten Informationen zum Geschmack, Jahrgang sowie zur Herstellung. Dieses Wissen hat sich Alex nicht nur angelesen. Hin und wieder schaut sie im Weingut vorbei, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Bereits vor einigen Wochen habe ich Alex kennengelernt und ihr eine Einführung zum Thema „Pump-Over“ gegeben.

img_1949

Einen Wein habe ich heute zum ersten Mal probiert und ich möchte die Gelegenheit nicht auslassen, diesen hier vorzustellen. Bevor ich auf diesen Wein eingehe, möchte ich kurz noch ein paar Basics bezüglich der Weinherstellung erklären. Der Vergleich zwischen Rot- und Weißwein ist hin und wieder einmal erwähnt worden. Der Herstellungsprozess ist, wie vielleicht einige Leser bereits wissen, nicht der gleiche. Hauptmerkmal des Rotweins ist der Gärprozess im Fermenter (Gärbottich). Die Schalen haben somit einen signifikanten Anteil an der Herstellung eines Rotweins. Der Schritt im Gärbottich wird beim Weißwein und beim Rosé übersprungen. Die Beeren gehen direkt in die Presse, der Gärprozess erfolgt erst im Tank – ohne Schalen. Die folgende Darstellung habe ich erstellt und soll einen Überblick geben.

Winemaker Basics

Die Frage ist nun, was für eine Weinsorte entsteht, wenn Weißwein wie Rotwein im Gärbottich verarbeitet wird. Auf diese Frage hat das Kalleske Weingut eine Antwort –  sie heißt: Moppa und Plenarius

An den Kalleske Moppa können sich einige Blogleser vielleicht noch erinnern. Diesen Wein hielt Andreas als Gewinner des Kallvino-Quiz stolz in seinen Händen. Ich hatte in dem Eintrag beschrieben, dass dem Shiraz während des Gärprozesses die Schalen der Weißweinsorte Viognier beigemischt werden. Genaugenommen war es anders herum, denn der Weißwein befand sich bereits schon acht Tage lang im Gärbottich. Bevor die Shiraz-Beeren hinzugegeben wurden, wurde der flüssige Anteil (Free-Run) des Viognier entnommen. Aus diesem Anteil wird der Kalleske Plenarius hergestellt.

Moppa und Plenarius

img_1655
Pump-Over des Viognier

Der Plenarius wurde übrigens auch schon in die Fässer abgefüllt.

img_2466

Interessant ist allein schon seine orange Farbe im Weinglas. In der Nase habe ich einen süßlichen Geruch von Aprikose wahrgenommen. Schmecken tut der Wein ebenfalls nach Aprikose, allerdings überhaupt nicht süß, sondern ziemlich trocken. Das fand ich ziemlich beeindruckend und für einen Wein sehr außergewöhnlich. Voll im Geruch, voll im Geschmack – vielleicht stammt daher auch der Name Plenarius.

img_3227

2018_Kalleske_Plenarius_Viognier_Factsheet

Be in Touch with Pirathon

Der Kalleske-Wein ist immer sehr gut zu mir gewesen. Er ist organic, schmeckt super lecker und ist vor allem berechenbar. Ganz anders dagegen ist der Wein des Fremdlabels Pirathon (wie bereits berichtet). Die Gärung dieses Weines findet nämlich sogar noch im Weinfass statt. Das hat zur Folge, dass dieser beim Abfüllen viel stärker schäumt als der Kalleske-Wein. Dadurch kommt mehr Luft in das Fass und der darin befindliche Druck kann den Wein unberechenbar machen. Somit hatte ich heute ein ganz besonderes Erlebnis – „to be in touch with Pirathon“. 😄

img_3206

Parallaxe

Kaum zu glauben, aber ein Großteil der Felder der Kalleske-Farm ist mittlerweile geerntet. Der Shiraz ist komplett durch und befindet sich in den Tanks und zum Teil (wie berichtet) auch schon in den Fässern.

Folgende Felder hat der Harvester bisher noch ausgelassen:

Kalleske_Farm_Map_left_fields

1905 – Grenache „Old Vine“
1940 – Grenache „Pig“
1972 – Grenache „Bob“
2013 – Grenache „Home North“
1994 – Durif
2007 – Zinfandel
2005 – Petit Verdot

Die nächsten Wochen werde ich also vermehrt mit dem Grenache zu tun haben. Sicherlich zählt der Shiraz zu den mit Abstand wichtigsten Weinen hier im Barossa Valley. Aber auch der Grenache hat eine große Bedeutung für diese Region in Südaustralien. Im Gegensatz zum Shiraz sind die Trauben des Grenache wesentlich größer. Es ist wirklich erstaunlich, welche Mengen hier zurzeit (noch) an den Weinstöcken hängen.

img_2679

Allerdings sind ein paar wenige dieser Grenache-Trauben schon geerntet worden. Der Hintergrund ist ein spezieller Kalleske-Wein, den ich hiermit vorstellen möchte – den Kalleske Parallax Grenache.

2018_Kalleske_Parallax_Grenache

Der Kalleske Parallax gehört nicht zu den klassischen Weinen. Seine Besonderheit besteht darin, dass seine Grenache-Trauben schon zwei bis drei Wochen früher (Anfang/Mitte März) geerntet werden, was für den Grenache eher untypisch ist. Der Grenache zählt zu den eher leichteren Weinen mit einer fruchtigen Note. Durch die Zugabe seiner Stängel während des Gärprozesses und aufgrund der frühen Ernte, wenn der Zuckergehalt noch nicht seinen Höchststand erreicht hat, bekommt dieser eigentlich recht leichte Weine eine raue Note von Trockenheit. Seine Transparenz und Helligkeit hat er dennoch behalten. Im Vergleich zum dunklen Shiraz schimmert der Kalleske Parallax Grenache rubinrot im Weinglas.

img_2437
Zugabe der Stängel während des Gärprozesses

Der Begriff Parallax kommt aus der Wahrnehmungspsychologie. Wenn verschiedene Objekte unterschiedlich voneinander entfernt in einer Landschaft verteilt sind und sich der Beobachter parallel zu diesen Objekten seitlich fortbewegt, dann entsteht dadurch für den Beobachter der Eindruck, diese Objekte würden untereinander ihre Entfernung ändern. Einfach gesprochen: Es ist immer gut, mal einen anderen Standpunkt oder Blickwinkel einzunehmen. 😉

Da der Grenache durch die abweichende Verarbeitung ganz anders im Geschmack wahrgenommen wird wurde diese Assoziation und der Begriff Parallax gewählt.

Winemaker Lesson #10 – Sticking Stickers

Diese vielleicht nicht erfüllendste aber dennoch lustige Aufgabe durfte ich gestern zusammen mit Dylan durchführen. Dylan ist der Sohn von Tony und ein Anwärter für die nächste Generation von Winemakers aus der Familie Kalleske. Er studiert bereits Winemaking an der Universität in Adelaide und unterstützt Troy und Tony tatkräftig in jeder freien Minute.

Durch diese Aufgabe konnte ich nun auch einmal das Lager des Kalleske-Weinguts besuchen, welches sich zwischen Nuri und Angaston (15 km entfernt vom Weingut) befindet.

img_3160

Neben den Weinen anderer Weingüter werden hier die fertig produzierten Flaschen Kalleske-Wein eingelagert, umsortiert und in die ganze Welt versandt. Es ist schon beeindruckend, vor diesen Mengen mit Kisten Kalleske-Wein zu stehen, welche bis unter die Hallendecke gestapelt wurden.

img_3169

Unsere spezielle Aufgabe war heute das Überkleben von Etiketten für den amerikanischen Markt. Dort gibt es nämlich spezielle gesetzliche Anforderungen. Zum einen muss der Hinweis des pregnancy warning ausführlicher beschrieben sein, zum anderen muss die genaue Zusammensetzung des Weines in prozentualer Angabe erfolgen. Da sich diese Prozente von Jahr zu Jahr unterscheiden verzichtet man darauf, diese standardmäßig anzugeben und jedes Jahr neue Etiketten für alle Flaschen zu erstellen. Für den amerikanischen Markt muss aber nun eine Sonderlösung her, die auf jede einzelne Flasche manuell nachträglich anzubringen ist.

IMG_3164

Insgesamt haben wir 130 Kisten (mit jeweils 6 Flaschen 2018 Kalleske Clarry’s GSM) ausgepackt, beklebt und wieder eingepackt.

img_3167

Die Erwähnung möchte ich nutzen, um den Kalleske-Wein Clarry’s GSM genauer vorzustellen.

2018_Kalleske_Clarrys_GSM

Die Bezeichnung GSM findet sich auf vielen Weinflaschen, die überall im Barossa Valley hergestellt werden. Es handelt sich dabei nicht um einen Mobilfunkstandard sondern um die Abkürzung für Grenache/Shiraz/Mataro. Dies sind die drei typischen und wichtigsten Weine, die im Barossa Valley angebaut werden. Da der Shiraz allein ziemlich trocken und erdig schmeckt verleiht die Beimischung des Grenache dem GSM eine leichtere und fruchtige Note. Die Leichtigkeit kann man dem Grenache übrigens sogar ansehen. Ein Grenache ist viel heller und durchsichtiger als der dunkle Shiraz.

Die Bezeichnung Clarry geht zurück auf den Namen von Troys Großvater – Clarance „Clarry“ Kalleske. Er hat die Kalleske-Farm bereits in vierter Generation geführt. Ihm zu Ehren wurde dieser Wein benannt, der zu den beliebtesten und meistverkauftesten Weinen aus dem Kalleske-Sortiment gehört.