Die Frage kam auf bezüglich der vierbeinigen Familienmitglieder. Diese konnte ich nun beantworten. Hiermit möchte ich Euch gern weitere Kalleskes vorstellen.
Hunter, Paddy und Rocky (v.l.n.r)
Hunter gehört zu Kym (Troys Bruder), Paddy ist noch sehr jung und Troys vierbeiniger Begleiter und Rocky gehört zu Lorraine und John. Freilauf haben diese drei hier jedenfalls genug.
Auch ich habe heute Abend die Gelegenheit genutzt und die Weite der Kalleske-Farm erforscht und dabei den höchsten Punkt des Geländes mit meinem Commodore angesteuert. Hier gab es einen einzigartigen Sonnenuntergang zu beobachen.
Die Gärung im Fermenter findet unter Nutzung der natürlichen Hefe statt, die sich auf oder in den Beerenschalen befindet. Die Herstellung von Kalleske-Wein ist organic (zu deutsch Bio) und kommt ohne die Nutzung zusätzlicher Hefe aus. Die trifft für alle Weine zu, die das Label „Kalleske“ tragen, denn diese Weine haben das Zertifikat Australian Certified Organic.
Allerdings werden in dieser Weinverarbeitung auf dem Weingut Kalleske auch einige wenige Weine mit einem anderen Label hergestellt. Ein Beispiel dafür ist der Pirathon, der aller Vorausicht nach in diesem Jahr zum letzten Mal auf dem Kalleske-Weingut produziert wird. Bei diesem Label wird, im Gegensatz zum Kalleske-Wein, während des Gärungsprozesses nachgeholfen mit der Beimischung zusätzlicher Hefe. Genutzt werden dafür zwei Produkte aus Italien und Deutschland. Hinsichtlich ihrer Wirkung sowie bezüglich des späteren Wein-Geschmacks sollen diese zwei Produkte jedoch keinen Unterschied ausmachen. Auch die Verarbeitung ist exakt die selbe.
Ähnlich wie beim Kuchenbacken wird zum Anrühren 35 bis 40 Grad warmes Wasser verwendet und man muss genauso aufpassen, dass keine Klumpen entstehen. Nur die Menge ist vielleicht etwas anders als man es aus der heimischen Backstube gewohnt ist. Im aktuell dargestellten Fall werden für 1,5 kg Hefe 15 Liter Wasser benötigt. Die angerührte Hefe wird nach einer kurzen Standzeit von wenigen Minuten mit etwas Saft aus dem Fermenter vermischt. Mit einer Stopuhr wird die Zeit kontrolliert.
Nach einer weiteren Wartezeit von wenigen Minuten wird das Gemisch in den Fermenter gepumpt und über die Maische gespritzt.
Mittlerweile ist in einigen Gärbottichen (Fermenter) der Zucker vollständig zu Alkohol umgesetzt worden. Die Gärung ist nun nach ca. 8 bis 10 Tagen abgeschlossen und es beginnt der nächste Prozess – die Weinpressung (Pressing).
Im Deutschen spricht man auch vom Keltern. Dieser Begriff leitet sich aus dem lateinischen calcatorium oder calcare ab und bedeutet soviel wie Fußtretung. Sicherlich werden jetzt einige Blogleser das Bild vor Augen haben, wie ich barfuß nach der anfangs üblichen und in einigen Regionen alten traditionellen Arbeitsweise in einem großen Behälter stehe, um das Pressgut mit den Füßen zu zerstampfen. Aber ich muss Euch leider enttäuschen. 🙂
Zuerst wird der flüssige Anteil, der jetzt durchaus schon als Wein bezeichnet werden kann, aus dem unteren Bereich des Fermenters in einen Tank (das sind die Dinger, die ich, wie in Lesson #3 beschrieben, reinigen durfte) gepumpt. Übrig bleibt nun ein dickflüssiger Brei aus Most, Beerenschalen und Traubenkernen, der Maische (engl. Mash) genannt wird und der aus dem Fermenter über die großen seitlich Klappen heraus geschaufelt wird. Dazu werden vorher Container unter den Fermenter gestellt, um die Maische aufzufangen und anschließend weiterverarbeiten zu können.
Anfangs noch recht „suppig“ ist der Rest dann schon etwas trockener und fester.
Man sieht deutlich, wie die ganze Masse im Fermenter bereits abgesackt ist.
Diesmal durfte Darren in das Gefäß (Fermenter) steigen und schaufeln, während ich noch mit dem Pump-Over beschäftigt war.
Und wie nicht anders zu erwarten war – „Cleaning is very important!“ Die nächsten Trauben sind bereits geerntet und warten darauf, in die Fermenter gefüllt zu werden. Der Gärungsprozess beginnt wieder von vorn.
Mit dem Gabelstapler wird die Maische nun in einen Auffangbehälter für die Presse geschüttet. Dieser Vorgang findet außerhalb direkt neben der Halle statt.
Ein Spiralförderer transportiert die Masse nach links, damit diese durch eine Öffnung nach unten in die Presse fällt. Da diese Masse aber teilweise schon recht hart und klebrig ist bohrt diese Spirale unterhalb nun einen Tunnel und man muss manuell nachhelfen, damit die Masse weiterhin in Bewegung bleibt, nach unten absackt und der Auffangbehälter sich ganz langsam entleeren kann.
von oben nach unten: Maische-Auffangbehälter, Trichter, Presse (blau), Wein-AuffangwanneTrichter, der goldfarbige Spiralförderer ist bereits Teil der Presse
Direkt unterhalb der Presse befindet sich eine Auffangwanne, in die der ausgepresste Wein abfließen kann.
Im hinteren Bereich der Wanne sieht man zwei Stifte. Diese gehören zu einem Sensor, der eine Pumpe ansteuert, die den Wein aus der Wanne automatisch in den Tank pumpt. Die Wanne kann also nicht überlaufen.
Im hinteren Bereich der Presse entsteht dann der Trester, der ganz langsam herausgedrückt wird und den wir hier einfach nur Cake nennen.
Tatsächlich hat dieser eine ziemlich trockene und feste Konsistenz, der im weiteren Verlauf zerbröselt und unter haptischen Gesichtspunkten einem Kuchen ziemlich ähnlich ist. Diese Rückstände könnte man bsp.weise als Tierfutter oder Düngermittel verwenden. Auch eignet er sich gut als Brennstoff oder für die Energiegewinnung in Biogasanlagen. Man könnte daraus aber auch Grappa destillieren.
Hier wird er über einen weiteren langen Spiralförderer nach oben transportiert, auf einem ziemlich kultigen Laster geschüttet und zum Kompost gebracht.
Nachdem die Maische vollständig gepresst wurde (pro Fermenter dauert der Vorgang ca. 45 Minuten) heißt es natürlich wieder: „Cleaning“
Im gereinigten Zustand lässt sich der Aufbau der Presse noch besser erfassen.
Zu sehen ist ein Zylinder, der außen kleine Schlitze hat, durch die der gepresste Wein in alle Richtungen austreten kann, um dann darunter in die Auffangwanne (hier im Bild schon entfernt) zu fließen. Im Zylinder befindet sich ungefähr zur Hälfte der goldfarbige Spiralförderer, der im Trichter deutlich zu sehen ist. Mit diesem Spiralförderer wird die Maische von rechts nach links in den Zylinder gepresst, übrig bleibt nur der Cake, der links an der Seite der Presse langsam herausgedrückt wird.
Für die Reinigung des Schlauches, durch den der Wein in den Tank gepumpt wird, wird eine ziemlich pfiffige Methode angewandt. Durch den Schlauch, der an einem Ende noch am Tank befestigt ist, wird nun Wasser gepumpt. Mit einer Taschenlampe wird dabei die Lichtdurchlässigkeit überprüft. Sobald der Inhalt des Schlauches transparent scheint wird der Hahn am Tank geschlossen.
Keine Sorge, dabei tritt Wasser nur in ganz geringen Mengen in den Tank ein und wird mit dem Wein vermischt, was angesichts des riesigen Fassungsvermögens eines solchen Tanks vernachlässigbar ist.
Jetzt stellt sich natürlich noch die Frage, woher weiß der Winemaker wieviel Liter Wein in einen solchen Tank gepumpt wurden. Um das herausauszufinden gibt es ein Messequipment, welches für 2 Dollar in jedem handelsüblichen Baumarkt erhältlich ist.
Mit Hilfe einer Umrechnungstabelle, die der Tankhersteller spezifisch für jede einzelne Tankgröße mitliefert, kann der Füllstand in Litern ermittelt werden.
In diesen Tank Nr. 19 wurde insgesamt 4.990 Liter Wein gefüllt.
Während man durch das Barossa Valley fährt ist es unmöglich, die riesigen Weinfelder zu übersehen. Das geht über mehrer Kilometer in alle Richtungen soweit das Auge reicht. Und in den letzten Tagen sind auch schon sehr viele Erntemaschinen (Harvester) unterwegs. Auch auf der Kalleske-Farm wird seit über einer Woche mit dem Harvester geerntet. (Möglichweise habe ich noch die Gelegenheit, diesen Vorgang zu begleiten – ich werde berichten!)
Allerdings werden nicht alle Felder mit der Maschine geerntet, daher hieß es am Dienstag: Handpicking
Die notwendige manuelle Ernte kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel kann es sein, dass die Pfanzen nicht hoch genug wachsen und die Maschine die Trauben daher nicht vollständig pflücken kann. Oder die Pflanzen sind so alt, dass sie zwar noch jede Menge Trauben hergeben, jedoch nicht mehr robust genug sind und man befürchtet, der Harvester könnte sie zerstören.
Bei dem Feld, dass nun manuell gepflückt werden soll, handelt es sich um das mit Abstand älteste Feld der Familie Kalleske mit dem Namen „Johann Georg“ und der angebauten Rebsorte Shiraz.
Ganz genau – benannt ist dieses Feld nach dem preußischen Aussiedler Johann Georg(e) Kalleske, wie bereits im letzten Eintrag beschrieben. Es wurde 1875 nach seinem Tod ihm zu Ehren angelegt. Die Beeren dieses Feldes werden nicht mit anderen gemischt sondern separat verarbeitet. Der entsprechende Wein wird in den Flaschen mit der Bezeichnung „Johann Georg Shiraz“ abgefüllt. Wie bereits Daniel herausgefunden hat (siehe sein Kommentar) handelt es sich dabei um einen ganz besonderen Wein, der aufgrund des Alters des Feldes, der manuellen Weinlese und der Seltenheit seinen Preis hat.
Das Handpicking auf dem Feld begann früh morgens um 8:00 Uhr, die Sonne ist gerade aufgegangen.
Beachtet werden muss dabei nicht viel, man scheidet einfach die Trauben ab.
Wenn der Eimer voll ist wird er auf dem Anhänger geleert.
Und die Trauben schmecken unverarbeitet saftig und lecker!
Die ganze Familie hilft mit, insgesamt waren wir zu siebt.
zusammen mit Lorraine (Troys Mum)
Das Feld war in ca. 2,5 Stunden vollständig picked. Nach getaner Arbeit gab es eine Pause.
Diese Pause war ein ziemlich bewegender Moment für uns alle. Lorraine und John (die Eltern von Troy) konnte ich bereits letzte Woche von unseren neusten Ergebnissen der Ahnenforschung berichten. Für alle anderen waren viele Informationen jedoch neu. Wir saßen neben dem Feld bei herrlichem Sonnenschein in unserer Pause und ich erzählte ihnen von Johann Georg(e) und was wir in Berlin über ihn herausgefunden haben. Das muss man sich mal vorstellen – Lena und ich finden vor zwei Monaten im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg die Geburtsurkunde von Johann Georg(e) und hier in Australien schneide ich nun Trauben von dem Weinberg ab, das nach ihm benannt worden ist – ist das nicht genial? Ich habe in sehr interessierte Gesichter geschaut und selbst dabei eine Gänsehaut bekommen.
Lena, diesen Blogeintrag widme ich Dir! Ohne Deine geniale und hartnäckige Fähigkeit, all diese Dinge über unsere Familie herauszufinden, hätte ich diesen einmaligen Tag so nicht erlebt. Er wird mir ewig in Erinnerung bleiben.
Wie bereits erwähnt, die Geschichte der deutschen Siedler und deren Auswanderung aus Posen (siehe Blogeintrag) ist der Hintergrund, warum es in Australien eine Familie mit dem Namen „Kalleske“ gibt.
Diese Tatsache haben Lena und ich bereits vor über 15 Jahren herausgefunden. Seitdem betreiben wir (und insbesondere Lena) schon Ahnenforschung bezüglich unseres Familiennamens und genauso lange stehen wir auch schon in Kontakt mit den Australiern. Der Name „Kalleske“ ist in Deutschland äußerst selten, und das motiviert natürlich, weiter zu forschen und alle Details in Erfahrung zu bringen. Bemerkenswert ist übrigens, dass heute in Australien weit mehr Angehörige der Familie Kalleske leben als in Deutschland. Unsere gemeinsamen Wurzeln liegen in Posen, welches früher zum Königreich Preußen gehörte. Unsere gemeinsamen Vorfahren stammen genau aus der Gegend, in der damals die Altlutheraner sich dem König aufgrund ihrers Glaubens widersetzten (wie bereits beschrieben). Ein Teil der Familie gehörte zu den Auswanderern, die mit dem ersten Schiff „Prince George“ im Jahr 1838 Adelaide in Australien erreichten. Konkret handelt es sich dabei um einen Johann George Kalleske, der mit seiner Familie emigrierte. Diese Geschichte hat auch die australische Familie aufgegriffen und einen speziellen Wein nach ihm benannt, der auf dem ältesten Weinfeld der Familie angebaut wird.
Einen ganz großen Teil der Genealogie hat Lena intensiv erforscht. Behilflich ist dafür in den letzten Jahren vor allem die Tatsache gewesen, dass mittlerweile sehr viele Kirchenbücher digitalisiert wurden und online abrufbar sind. Darüber hinaus haben wir im Evangelischen Zentralarchiv noch weitere sehr interessante Informationen gefunden, die unsere bisherigen Ergebnisse weiter qualifizierten. Es ist wirklich unglaublich, was diesbezüglich alles zu finden ist!
Die Verbindung zu Troy stellt sich nun nach unserer aktuellen Kenntnis wie folgt dar:
Die gestrichelte Linie im Jahr 1765 bedeutet, dass wir uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt bezüglich dieser Verbindung noch nicht 100%ig sicher sind. Alle Anzeichen, die wir bisher gefunden haben, sprechen jedoch dafür, dass das verwandtschafliche Verhältnis genauso ist wie abgebildet. Troy ist demnach also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mein Groß-Groß-Groß-Groß-Groß-Groß-Cousin. 🙂