Marananga Wine Show

Letzten Mittwoch hat sich ein besonderer Besuch auf dem Kalleske-Weingut angekündigt. Der Pastor der hiesigen Lutherischen Kirchengemeinde hat erfahren, dass ein German auf dem Weingut Kalleske arbeitet, und diesen wollte er doch gern einmal kennenlernen. Der Pastor heißt Detlev Vosgerau, er ist in Deutschland geboren und als Kind nach Australien gekommen. Er ist zuständig für die Gemeinden Greenock, Nain und Gnadenfrei. Letztere ist auch der Name der wohl meistfotografierten Kirchen im Barossa Valley.

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St. Michael’s Gnadenfrei Lutheran Church in Marananga

Ich machte die Anmerkung, dass das Wort gnadenfrei ja eigentlich keine sehr freundliche Bezeichnung für eine Kirche ist. Aufgrund seiner deutschsprachigen Abstammung konnte Detlev meinen Gedanken nachvollziehen, „frei von Gnaden“ zu sein erscheint doch auf den ersten Blick keine besonders christliche Tugend.

Google sei Dank hatte ich schnell die Antwort auf diese Frage gefunden. Wie bereits beschrieben, viele Ortsnamen oder Bezeichnungen von Gemeinden im Barossa Valley haben oder hatten ihren Ursprung im preußischen und finden sich in den Gebieten in Posen und Schlesien wieder. Die niederschlesische Stadt Piława Górna ging aus der „Kolonie Gnadenfrei“ hervor. Die Bezeichnung „Gnadenfrei“ wurde zum Andenken an die Entlassung eines Grundherrn aus der Haft und die Befreiung der evangelischen Christen von der Unterdrückung und Verfolgung gewählt. Somit müßte die Bezeichnung also streng genommen „Gnaden und frei“ heißen. Dieser Hintergrund war auch für Pastor Detlev völlig neu. Er bedankte sich und war sichtlich erfreut, dass er diese Geschichte bei seiner nächsten Führung mit einbringen kann. 🙂

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zusammen mit Pastor Detlev

Detlev erzählte mir noch von einem speziellen Ereignis, welches jährlich in seiner Gemeinde stattfindet, der Marananga Wine Show. Hierbei handelt es sich um die einzige Wein-Show in Australien, die von einer Kirche ausgetragen wird. Es werden Weine in mehreren Kategorien prämiert. Ein Highlight der Show ist die öffentliche Weinverkostung. Im letzten Jahr hat auch das Weingut Kalleske für den 2017 Greenock Shiraz eine Trophäe gewinnen können.

 

Winemaker Lesson #9 – Harvester

Den folgenden Eintrag werden einige schon sehnsüchtig erwartet haben. Ich weiß, dass viele Leser sich die Frage stellen – Wie funktioniert eigentlich der Harvester? Auch ich war sehr gespannt, bis ich die Möglichkeit erhalten habe, diese hochinteressante Maschine beim Einsatz beobachten zu dürfen. Kym, der zusammen mit Lorraine und John für die Bewirtschaftung und Ernte der Felder zuständig ist, erklärte mir zudem noch den Aufbau der Mechanik bis ins letzte Detail.

Hier ist sie also nun, die Beschreibung zur Funktionsweise des Harvesters. 🙂

Die maschinenunterstütze Ernte der Weinfelder erfolgt grundsätzlich immer mit zwei Fahrzeugen –  dem Harvester sowie einem parallel fahrenden Trailer, der die Trauben bzw. Beeren auffängt.

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roter Traktor mit Trailer (links), blauer Traktor mit Harvester (rechts)

Beide Fahrzeuge fahren parallel durch die Weinstöcke. Der Abstand ist gerade so bemessen, dass der Traktor dazwischen passt.

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Der Harvester ist im Grunde genommen ein riesiger Anhänger, der keinen eigenen Antrieb besitzt und daher vom Traktor (hier blau) gezogen wird. Die Anhängervorrichtung ist dabei so konstruiert, dass der Harvester mit einem seitlichen Versatz gezogen wird. Der Traktor fährt also neben den Weinstöcken während die Maschine des Harvesters den Weinstock „überspannt“.

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Man kann sich das wie ein umgekehrtes U vorstellen, mit einer durchgehenden Öffnung am Boden. Seitlich an der Konstruktion befinden sich links und rechts die Radaufhängungen. Das Ziel ist ja, dass möglichst sämtliche Trauben/Beeren gepflückt werden. Die eigentliche Pflanze soll diesen Vorgang jedoch unversehrt überstehen.

Ungefähr auf der Höhe, in der die Trauben reifen, befinden sich solche blauen Stangen, die zusammen mit einer Rüttelmechanik hin und her wackeln und dabei die Trauben und insbesondere die Beeren von der Pflanze schütteln.

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Vergleichbar ist das Ganze mit einem riesigen Shaker, der dabei einen ungeheuren Krach erzeugt. Diese Rüttelmechanik ist der Grund, warum man den Harvester schon von Weitem sehr gut hören kann.

Im unteren Bereich befinden sich, wie im folgenden Foto zu sehen ist, schwenkbare Platten, die von der Pflanze bzw. vom Rebstock zur Seite gedrückt werden während dieser die Mitte der Maschine passiert.

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Diese Platten fangen die Beeren auf und lassen sie seitlich auf ein Förderband fallen, welches aus vielen aneinandergereihten Schaufeln besteht. Diese Schaufeln transportieren die Beeren dann bis ganz nach oben.

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Oben angekommen schütten die kleinen Schaufeln die Beeren wieder aus. Diese landen auf einem Förderband, welches quer zur Fahrtrichtung installiert ist.

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Die Ernte auf dem Förderband passiert dann zwei Gebläse, um ggf. entrissene Blätter hinten hinauszupusten.

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Weiter seitlich gelangen die Beeren dann auf ein weiteres Förderband, dass über den Trailer gehalten wird, in dem die Ernte gesammelt wird.

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Nachdem der Harvester die Pflanzen passiert hat sehen diese wie folgt aus.

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Es ist deutlich zu sehen, dass genau genommen die Beeren und nicht die Trauben geerntet werden. Manche Beeren oder Trauben bleiben sogar hängen. Es kommt aber auch vor, dass ganze Trauben aufgefangen werden.

Bemerkenswert ist übrigens die Tatsache, dass sich in dem gesamten Harvester kein einziger Antrieb befindet. Die gesamte Mechanik erhält ihren Antrieb über einen Power Take-off aus dem Traktor.

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Diese Zapfwelle steuert eine Hydraulikpumpe an, die sämtliche Bewegungen des Harvesters ausschließlich über die Pneumatik ermöglicht. Auch die Förderbänder werden vollständig mit Hydraulikmotoren angetrieben.

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Während Kym den Traktor durch das Feld fährt muss er sämtliche Bewegungen des Harvesters im Auge behalten und steuern.

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Es ist total beeindruckend mit anzusehen, wie Kyms Hand ohne Hinzuschauen über all diese Schalter gleitet während er mit der anderen Hand das Lenkrad festhält und den Traktor in der Spur hält. Neben dem Förderband, welches in allen Dimensionen ausgerichtet werden kann, kann der Harvester auch angehoben oder gesenkt werden. Die zwei Räder ermöglichen sogar eine eigene Lenkung, mit der die Maschine akkurat über dem Rebstock ausrichtet wird. Wie bereits beschrieben, der Harvester wird mit einem seitlichen Versatz über das Feld gezogen und sämtliche Antriebskräfte seiner Mechanik erhält er von dem Power Take-Off des Traktors.

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Ich glaube, es ist unschwer zu erkennen, dass ich von dieser Maschine mehr als begeistert bin. Alle, die in ihrer Kindheit oder Jugend – oder aber auch als jung-gebliebene Erwachsene – mit Lego Technik alles Mögliche nachgebaut haben, werden meine Euphorie nachvollziehen können. 😉

Zusammenfassend habe ich den Vorgang auf einem Video festgehalten, welches ich den Bloglesern natürlich nicht vorenthalten möchte. Kym machte den grandiosen Vorschlag, die Ernte doch einfach auf dem Dach des Harvesters ein Stück lang zu begleiten. Die Aufnahmen sind am 13. März um ca. 8 Uhr vormittags entstanden, als über dem Barossa Valley gerade die Sonne aufgegangen ist.

Riverland

Den heutigen Samstag habe ich genutzt, um mal hinter das Barossa Valley zu schauen. Denn schon wenige Kilometer hinter Nuri in östlicher Richtung wird das Land wieder flacher und wesentlich trockener.

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Mein Ziel war heute die Kleinstadt Renmark, ca. 160 km von Nuri entfernt, gelegen mitten im Riverland und umgeben von mehreren Nationalparks.

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Das Riverland hat seinen Namen vom Murray River erhalten. Zusammen mit seinem Nebenfluss dem Darling River ist dies der längste und wasserreichste Fluss Australiens. Im Gebiet des Riverlands entstehen viele Schleifen und Nebenarme, wodurch in der sonst recht trockenen Gegend viel Vegetation vorhanden ist. Den Schutz des Lebensraumes sollen mehrere Nationalparks sicherstellen. Außerhalb dieser Parks wird, ebenso wie im Barossa Valley, Wein angebaut – und zwar soweit das Auge reicht. Im Zentrum befindet sich die Stadt Renmark, direkt am Murray River gelegen.

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Südlich der Stadt habe ich anschließend den Nationalpark Katarapko angesteuert und bin dort einen kleine Trail abgelaufen.

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Der Duft der Eukalyptusbäume zusammen mit der beträchtlichen Wärme in dieser Gegend lassen den Eindruck entstehen, man befindet sich in einer riesigen Sauna – insbesondere aufgrund des Geruchs.

Auf meinem Rückweg habe ich dann einige Male den Fluss gestreift oder überquert. Es gibt zahlreiche Stellen, die tolle Aussichten ermöglichen.

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Sobald man sich vom Fluss entfernt wird die Vegetation spürbar weniger. Das trockene Land ist durchzogen von schnurgeraden einsamen Straßen.

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Einem Känguru bin ich heute leider nicht begegnet. Entlang des Highways ist dies vielleicht aber auch ganz gut so.

Moppa Ridge Dill Off

Gestern durfte ich an einem besonderen Event teilnehmen, welches jährlich auf der Kalleske-Winery stattfindet – dem legendären Moppa Ridge Dill Off. Es handelt sich dabei um einen Gurken-Contest, prämiert wird der Gewinner der am besten aussehenden und schmeckenden Gurke, Marke „Eigenanbau“ versteht sich. Der Begriff Dill ist vielleicht ein bisschen irreführend, aber die Australier erklärten mir, dass dies ihre Bezeichnung für eine Gewürzgurke ist. Die Bewertung sowie die Prämierung erfolgten nach strengen Regeln, die Tony aufgestellt hat. Jeder Teilnehmer (insgesamt 10) brachte aus seinem Garten ein paar Gurken-Exemplare mit, die dann zerschnitten und auf anonymisierten Tellern serviert wurden.

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Punkte wurden vergeben in den Kategorien Aussehen, haptische Wahrnehmung im Mund sowie Geschmack.

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Über jede Gurke wurde anschließend ausgiebig philosophiert und diskutiert.

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Der Gewinner des 2019 Moppa Ridge Dill Off ist Darren – herzlichen Glückwunsch!

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Aber ich bin mir sicher, unserer Spreewald-Gurke hätte keines dieser Exemplare das Wasser reichen können! 🙂

Winemaker Lesson #8 – Pressing J.G.

Wie berichtet wurden am 5. März die Trauben des mit Abstand ältesten Feldes der Kalleske-Farm per Hand gelesen. Der Wein mit dem Namen Johann Georg wird ausschließlich unter Verwendung der Shiraz-Trauben von diesem Feld hergestellt. Seit der Handlese befinden sich die Beeren dieses Feldes nun im Fermenter mit der Nummer F21. Neben den zwölf großen Gärbottichen (F01 bis F12) innerhalb der Halle befinden sich außerhalb zusätzlich noch acht kleine Fermenter (F21 bis F28). Aufgrund der Größe ist ein Pump-Over nicht notwendig, der Gärprozess wird hier anders vorangetrieben. Innerhalb des Behälters befindet sich eine große Platte, die ähnlich wie ein Filter mit kleinen Löchern konstruiert ist. Diese Platte wird während des gesamten Gärprozesses nach unten gedrückt, so dass die Beerenschalen sich ständig innerhalb der Flüssigkeit befinden und nicht nach oben schwimmen können.

Innerhalb der letzten zwei Wochen haben ich diesen Gärprozess kontinuierlich beobachten können. Auch wenn hier kein Pump-Over notwendig ist müssen täglich der Baumé-Wert (Zuckerlevel) sowie die Temperatur gemessen werden (siehe hierzu auch Winemaker Lesson 1 und 2).

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Der Inhalt dieser im Foto abgebildeten Kanne wird in ca. zwei Jahren mindestens 120 Euro wert sein.

Nach ca. zwei Wochen Gärung war die Pressung dieses Weines für den Mittwoch angesetzt worden. Aus dem Aufgabenbuch konnten wir dies sowie alle zugehörigen Details entnehmen.

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Die Angaben sind wie folgt zu entschlüsseln. Ganz rechts ist der Wein mit 19KSJ gekennzeichnet. 19 steht für die Jahreszahl. K bedeutet, dass es sich um die Marke Kalleske handelt und nicht um ein anderes Label (wie hier bereits erwähnt). Der Buchstabe S kennzeichnet, dass es sich um einen Shiraz handelt. Der Buchstabe J ist der Indikator für das Feld. Bezüglich einer Weinsorte besitzt jedes Feld der Kalleske-Farm einen Namen, der so gewählt wurde, dass jeder Buchstabe aus dem Alphabet nur einmal als Anfangsbuchstabe verwendet wird. Dies ermöglicht dann in der weiteren Protokollierung eine Eineindeutigkeit und Systematik. Zum Beispiel steht K für Kym, T für Triangle und J eben für Johann Georg. Ganz schön clever, oder?

Dem Aufgabenbuch zufolge lautet die Aufgabe also nun: Presse den Inhalt aus Fermenter mit der Nummer 21 und fülle den Wein in Tank mit der Nummer 3. Behalte diesen Tank dabei im Auge, denn der Platz im Tank könnte evtl. knapp bemessen sein. 🙂

Als erstes muss die oben beschriebene Platte aus dem Fermenter entfernt werden, ein Gabelstapler ist dafür eine sehr nützliche Unterstützung.

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Anschließend wird der Fermenter so wie er ist mit dem Gabelstapler transportiert und über die Presse gehalten.

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Was als nächstes folgt wird unter den Winemakern als Free-Run bezeichnet. Dies bedeutet, dass der Wein, der sich im unteren Bereich des Fermenters befindet, abgelassen wird (in der Darstellung aus der Winemaker Lesson #5 ist dies auch zu sehen, allerdings ohne die Bezeichnung Free-Run). Der Wein läuft einfach durch die ausgeschaltete Presse durch und wird bereits in den Tank gepumpt.

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Free-Run des Johann Georg im Auffangbehälter
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Free-Run des Johann Georg in der Auffangwanne

Danach wird der Fermenter mit Hilfe des Gabelstaplers umgedreht und die Maische in den Auffangbehälter gekippt.

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Den Rest erledigt die Presse. Aufgrund der geringen Menge hat die Pressung nur ca. 15 Minuten gedauert. Der vollständig gepresste Wein befindet sich nun, wie angewiesen, im Tank mit der Nummer 3. Die Kapazität des Tanks war ausreichend kalkuliert worden.

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Nach der abgeschlossenen Pressung dufte ich Troy über die Schulter schauen. Er zeigte mir in seinem Labor, was nun mit der ersten Weinprobe passiert. Sämtliche Messungen sind ziemlich schnell erledigt, eine ziemlich teure Apparatur (im Bild das blaue Gerät links neben dem Notebook) führt sämtliche notwendige Messungen in einem Schritt durch. Dies spart einiges an Arbeitszeit, die Anschaffung soll sich bereits gerechnet haben. Mit einer Pipette wird ein Tropfen des Weines in das Gerät gegeben. Der Rest passiert unter der verschlossenen Klappe vollautomatisch.

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In zwei Durchgängen werden hier folgende Werte gemessen: Zucker- und Säuregehalt, pH-Wert, Alkoholgehalt, Gehalt weiterer Säuren sowie die Dichte

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Nicht dass jetzt einige denken, ich wäre im Chemieunterricht eine Leuchte gewesen. Diese Werte wurden vor dem Verfassen des Blogeintrags gegoogelt. Chemisch oder biologisch bewanderte Menschen können hierzu vielleicht noch ein paar nützliche und interessante Informationen liefern. Ich weiß, dass unter den Bloglesern solche Personen zugegen sind. Vielen Dank! Mich (und bestimmt auch die anderen Blogleser) würde dies sehr freuen! 😉

All diese Werte, die im weiteren Prozess und in den nächten Wochen wiederholt ermittelt werden, dienen Troy für die Qualitätsbewertung des Weines. Rechtlich verpflichtend ist ausschließlich die Erfassung des Alkoholgehaltes, denn dieser muss auf der Flasche angegeben werden.

Die wichtigste Messmethode darf abschließend natürlich nicht fehlen! Wir sagen „Cheers!“ mit dem ersten Glas Johann Georg der Weinlese 2019.

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Greenock Shiraz

Das Abfüllen der Fässer lief heute schon viel besser.

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Ich hatte heute die Ehre, den Kalleske Greenock Shiraz in die Fässer zu füllen. Hierbei handelt es sich um einen Shiraz, der auf einem Weinfeld angebaut wird, welches außerhalb der Kalleske-Farm liegt (ca. 7 km entfernt). Dieser Wein wird als „single vineyard“ bezeichnet. Dies bedeutet, dass die Trauben ausschließlich von diesem Feld stammen und mit keinem anderen Shiraz oder einer anderen Weinsorte gemischt werden.

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Das Feld liegt südlich von Greenock (daher stammt auch der Name des Weines) und liegt auf einem Grundstück, welches die Kalleske-Familie vor ein paar Jahren erworben hat.

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Wineries in Barossa Valley

Da ich wochenends frei habe konnte ich diesmal die Zeit nutzen, um mich ein wenig im Barossa Valley umzuschauen. Heute standen andere Weingüter im Fokus. Unter anderem wollte ich der Frage nachgehen, wie denn die anderen Winemaker so aufgestellt sind und ihren Wein herstellen.

Die erste Station war heute das Château Tanunda.

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Auch wenn es so aussieht handelt es sich dabei nicht um ein Schloss, sondern um das wichtigste und größte Weingut des Barossa Valley zum Ende des 19. Jahrhunderts.

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Jeden Tag wird hier um 11:00 Uhr eine Führung angeboten. Da außer mir am heutigen Sonntag niemand weiter anwesend war bekam ich eine Privatführung. Cool oder?

Das Gebäude wurde 1890 errichtet, zu einer Zeit, als die Nachfrage nach australischem Wein enorm anstieg. Der Grund dafür war eine Reblausplage in Frankreich. Der Wein musste aus anderen Kontinenten importiert werden. Ein Geschäftsmann mit dem Namen John Basedow hat die Zeichen rechtzeitig erkannt und mit dem Bau dieses Gebäudes kleinere unorganisierte Weingüter zusammengeschlossen, um effektiv im großen Stil Wein und Brandy produzieren zu können. Zum Zeitpunkt der Errichtung war es wohl angeblich das größte Gebäude der südlichen Hemisphäre. Pro Tag konnten 100 Tonnen Trauben verarbeitet werden. Dies sollte der Grundstein für den erfolgreichen kommerziellen Weinanbau des Barossa Valleys sein. Und mit dem Namen Château Tanunda ließ sich der Wein auch in Frankreich sehr gut verkaufen.

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Die Marke Château Tanunda ist bis heute erhalten geblieben. Der Brandy wird allerdings in New South Wales hergestellt. Die Weinproduktion ist, wenn auch nicht mehr in den damaligen Mengen, am Standort geblieben. Bemerkenswert ist übrigens die Herkunft des Baumaterials. Die gusseisernen Stahlträger und -stützen in den Hallen stammten aus einer Stahlproduktion in Glasgow, denn eine vergleichbar stahlverarbeitende Infrastruktur gab es damals in Australien noch nicht.

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Die einstigen Lagerflächen werden heute für den Cellar Door genutzt oder können für Events (z.B. für Hochzeiten) gemietet werden.

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Cellar Door (zu deutsch (Wein)Kellertür) ist hier übrigens die typische Bezeichnung für einen zum Weingut zugehörigen Weinshop, in denen der Wein verkostet, vor Ort bei nettem Ambiente serviert und selbstverständlich auch für den Heimverzehr verkauft werden kann. Bei allen Reisenden, die hier im Barossa Valley auf Weintouren unterwegs sind, wird die Entdeckung der zahlreichen Schilder am Straßenrand mit der Bezeichnung „Cellar Door“ vermutlich jede Menge Endorphine freisetzen.

Was die Einrichtung der Weinverarbeitung im Château angeht habe ich einiges wiedererkannt. Anzunehmenderweise gibt es auch hier Fermenter, Tanks und Presse zu sehen.

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Ich bedankte mich für die private Tour, gab mein leeres Glas Grand Barossa Dry Rosé zurück, welches mich während des Rundgangs feuchtfröhlich sowie complimentary begleitet hat, und fuhr zur nächsten Station.

Weingut Nr. 2 trägt den Namen Rockford Wines. Allerdings war dies für mich nur ein kurzer Stopp, denn im Gegensatz zum Château parkten hier vor dem Schild „Cellar Door“ sehr viele Kleinbusse, dessen Insassen vermutlich aufgrund einer Endorphin-Überdosis das Bremspedal zu tätigen ersuchten. In den Cellar Door kam ich nämlich aufgrund vieler Menschen gar nicht mehr rein. Dafür entdeckte ich die nostalgischen Anlagen drum herum, die mir einen Einblick in die Weinverarbeitung gaben, als die Fermenter und Tanks noch nicht aus Edelstahl hergestellt wurden.

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Die Art und Weise der Verarbeitung ist jedoch genau die gleiche.

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Zum Abschluss des heutigen Tages besuchte ich einen dritten Cellar Door, welcher erst vor wenigen Monaten eröffnet hat und dessen Weingut ebenfalls von einem Kalleske betrieben wird. Sein Name ist Andy und natürlich ist auch er mit uns verwandt. Es ist Troys Cousin 4. Grades, deren gemeinsamer Vorfahre hieß Edward. Er ist somit in derselben Generation wie Troy und ich.

Sein Weingut, der Cellar Door sowie seine Weine tragen den coolen Namen Atze’s Corner.

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Da ich noch kurz auf Andy warten musste genoss ich den wunderbaren Ausblick auf seine Weinfelder von der Terrasse des zugehörigen Cellar Doors mit einem Wild Rose Grenache Rosé.

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Andy habe ich heute zum ersten Mal persönlich kennengelernt. Ähnlich wir bei Troy hatten meine Schwester und ich bisher mit ihm nur Kontakt per E-Mail, um uns bezüglich unserer Ahnenforschung auszutauschen. Ich hatte mit ihm heute eine äußerst angenehme Unterhaltung und er gab mir auch gleich einen Einblick in die Einrichtung seiner Weinverarbeitung. Das war nun meine zweite Privatführung des heutigen Tages.

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Und auch hier erzeugt der Anblick viele Assoziationen zu bereits bekannten Einrichtungen aus dem Kalleske-Weingut von Troy und Tony.

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Allerdings ist bei Andys Einrichtung der Automatisierungsgrad größer. Beispielsweise gibt es hier bei einigen Fermentern einen automatischen Pump-Over, der zentral IT-technisch unterstützt gestartet und beendet wird. Soweit ich es verstanden habe, wird dies insbesondere bei Weinen angewandt, die in großen Mengen produziert werden. Hinsichtlich der Qualität des Pump-Over-Ergebnisses wird mir möglicherweise Troy noch etwas mehr erläutern können.

Ich bin so froh über diese Möglichkeit des heutigen Einblicks und ich glaube auch Andy war sichtlich stolz, seine Winery persönlich zeigen zu können.

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Andy Kalleske

Winemaker Lesson #7 – Filling Barrels

Hier folgt die bisher vielleicht schwierigste Aufgabe – das Abfüllen der Fässer.

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Auf dem Kalleske-Weingut gibt es insgesamt drei verschiedene Arten von Fässern. Alle bestehen aus Eichenholz und haben ein Fassungsvermögen von 300 Litern, allerdings stammt das Holz aus unterschiedlichen Ländern.

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A steht für American, F für French und H für Hungarian. Die Zahl dahinter kennzeichnet das Jahr, in dem das Fass hergestellt wurde. Die Nutzungsdauer beträgt in etwa 10 Jahre. Ein Fass kostet zwischen 800 und 2.000 Australische Dollar (das ist kein Scherz). Der Wein wird für 6 bis 24 Monate eingelagert.

Bevor es losgeht steht wieder einmal die wichtigste Aufgabe an. Cleaning … – na Ihr kennt das ja bereits!

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Die Fässer werden nach unten gedreht und von unten mehrmals mit einem kleinen Stab und dem daran befestigten Wasserschlauch ausgespült. Sollten die alten Fässer zuvor leer eingelagert worden sein, so befindet sich darin noch eine Restflüssigkeit, die mit Zitronensäure versetzt wurde. Das Ganze muss kräftig ausgespült werden.

Anschließend werden die Fässer wieder nach oben gedreht und auf dem Gestell ordentlich, standfest und symmetrisch ausgerichtet. Im leeren Zustand ist dies nämlich noch möglich. 😉

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Als nächstes wird der Tank vorbereitet. In diesem befindet sich der Wein seit der Pressung, das ist ca. einer Woche her. Die Zwischenlagerung im Tank ist notwendig, damit die Sedimente nach unten gelangen und der darüber sich befindende reine Wein abgepumpt werden kann. Ich bin mir nicht sicher, ob die Bezeichnung Sedimente hier richtig gewählt ist. Es handelt sich dabei um einen dickflüssigen Brei, den man eigentlich nicht so gern in seinem Weinglas haben möchte. Der Hahn zum Abpumpen befindet sich daher auch etwa 40 cm über dem Tankboden, wie man auf dem folgenden Bild sehen kann.

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Da beim Abpumpen im Tank ein Unterdruck entstehen würde ist es ratsam, vorher den Tankdeckel ein wenig zu öffnen.

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Die Pumpe wird eingeschaltet und mit einem langen Rohr wird ein Fass nach dem anderen gefüllt. An dem Stab befindet sich ein Hahn, um die Füllung entsprechend steuern zu können. Die Pumpe sollte allerdings nicht allzu lange im geschlossenen Zustand laufen. Daher werden alle Fässer zügig nacheinander befüllt.

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Die größte Herausforderung ist es, mitzubekommen wann das Fass voll ist. Ein Überlaufen sollte aufgrund der Sauerei vermieden werden und schließlich möchte man keinen kostenbaren Wein verschwenden. Als Indiz hilft dazu eine Stoppuhr, die auf 1 Minute und 25 Sekunden eingestellt wird. Während dieser 1:25 Minuten hat man Zeit, andere Dinge zu tun. Sobald der Timer piept sollte man die Füllung genau im Auge behalten. Eine Taschenlampe ist nützlich, um den Füllstand im Fass einigermaßen sehen zu können. Das Einfüllen der letzten Tropfen erfordert dann die volle Konzentration.

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Der Wein schäumt ein wenig und auch im Rohr befindet sich noch eine Restmenge, die im Fass und nicht auf dem Fass landen sollte.

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Um die Fässer später noch auffüllen zu können wird etwas Wein in eine Kanne gefüllt, danach geht es sofort weiter mit dem nächsten Fass.

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Die 1:25 Minuten werden genutzt, um die bereits abgefüllten Fässer aufzufüllen, denn der Wein sackt ein wenig im Fass ab und der Schaum verschwindet allmählich. Auch hier sollte möglichst kein Wein verschwendet werden. Das Fass wird bis zum letzten Zentimeter gefüllt.

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Eine möglichst perfekte Füllung sollte hinterher so aussehen.

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Das Dumme an dieser Aufgabe ist, es ist unmöglich seine Fehler zu verstecken. Sämtliche rote Flecken auf den Fässern, insbesondere die großen, werden von allen vorbeilaufenden Leuten mit einem Raunen kommentiert. Das ist ziemlich gemein, aber ich glaube durch diese Phase musste bisher jeder Morris durch.

Der Tank meldet sich alleine sobald er leer ist, denn man spürt die Luft im Schlauch, die nun mehr und mehr im Tank angesaugt wird. Der Tank kann nun seitlich geöffnet werden. Gegebenenfalls ist die untere Sedimentschicht nicht ganz so dick und es können noch ein paar weitere Liter gewonnen werden.

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Nach dem fertigen Abfüllen bekommen die Fässer Stopfen. Diese haben eine intelligente Gummiklappe, damit noch etwas Luft entweichen kann. Denn auch im Fass kann der Gärungsprozess noch in ganz geringen Teilen stattfinden.

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Der Stopfen wird in die Öffnung gedreht und nicht geschlagen, denn auch hier soll eine Sauerei vermieden werden.

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Interessanterweise treten im Nachhinein doch noch einige Tropfen Wein aus dem durchlässigen Stopfen aus, die sich über das Fass ergießen. Warum habe ich mir beim Abfüllen solch eine Mühe gegeben, die Sauerei und das Überlaufen zu vermeiden, wenn der Wein danach doch noch austritt und die Fässer eine ziemlich rot gescheckte Farbe annehmen? Vermutlich war das wieder so eine Aktion des Australian Kidding.

Eine genüssliche Seite hat dieses Abfüllen aber auf jeden Fall. Könnt Ihr Euch vorstellen was das für eine Wonne ist, die Luft aus den Fässern einzuatmen? Während der Füllung wird die in Wein getränkte Luft nach außen gedrückt. Insbesondere in Verbindung mit dem frischen Eichenholz der ganz neuen Fässer ist dies ein herrlicher Genuss, der einen benebeln könnte.

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Man muss jetzt nur aufpassen, dass man vor lauter Genuss nicht den Zeitpunkt verpasst, den Hahn zu schließen. Ansonsten hat man nämlich nicht nur den Duft des Weines in seiner Nase.

Diese Aufgabe erfordert doch ziemlich viel Konzentration und Geschick, und ich bin froh, meine ersten beiden Tage des Filling Barrels erfolgreich gemeistert zu haben.

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The Winner Takes it All

Herzlichen Glückwunsch an den Gewinner des Quiz! Andreas, lass Dir die Flasche Wein schmecken, und vielen Dank für die Bereitstellung der Fotos! Und an alle anderen noch einmal vielen Dank für die rege Teilnahme!

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Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um etwas über den „Moppa“-Wein, den Andreas in seinen Händen hält, zu schreiben.

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Bei diesem Wein handelt es sich um einen Shiraz, der ganz speziell verarbeitet wird und der mich seit meinem Beginn hier auf dem Weingut schon begleitet. Benannt ist dieser Wein nach dem Dorf, auf dessen Einzugsgebiet das Grundstück der Kalleske-Farm liegt. Es ist ein winziges Dorf, welches verwaltungstechnisch zu Greenock gehört.

Der Shiraz-Anteil dieses Weines stammt im wesentlichen Anteil vom Feld „Kym“. Benannt nach dem Bruder von Troy ist es ein ziemlich großes Feld (ich hab ewig gebraucht, um dieses abzulaufen und Samples zu nehmen) und es liegt direkt neben Kyms Haus, der Name ist also im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend.

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Des Weiteren hat der Wein einen Anteil von 11% der Rebsorte Petit Verdot. Die Trauben dieser Pflanzen sind auffallend kleiner als die der anderen. Außerdem ist dies eine sehr spät reifende Rotweinsorte. Es wird wohl das letzte Feld sein, welches hier auf der Kalleske-Farm dieses Jahr geerntet wird.

Das eigentliche Besondere an diesem Wein ist jedoch, dass während des Gärungsprozesses im Fermenter Traubenschalen der Weißweinsorte Viognier beigemischt werden. Es sind nur die Schalen und nicht der Saft, die mit dem Shiraz vermischt werden. Hier ein Foto aus dem Fermenter mit der Nummer 1.

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Die Weißweinschalen haben schon über eine Woche Gärung hinter sich. Der Saft/Wein wurde abgepumpt, übrig blieben die Schalen (bzw. die Maische). Die Beeren des Shiraz werden, wie im Foto zu sehen ist, darüber gepumpt. Der Gärprozess benötigt erneut noch einmal ca. 8 Tage.

Beim Pump-Over wird alles ordentlich vermischt.

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Diese Vermischung soll dem Moppa eine ganz besonders fruchtige und frische Note geben.

Übrigens habe ich dieses rot-gelbe Gemisch gestern in der Presse gehabt.

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Der Wein befindet sich nun in einem der riesigen Tanks. Es fehlt allerding noch der Anteil des Petit Verdot.

Andreas kann ja mal berichten, wie ihm der Wein geschmeckt hat. Happy Tasting! 🙂